Bei Krebserkrankungen und -therapien ist Fatigue (cancer related fatigue – CRF) eine der häufigsten Nebenwirkungen. Sie tritt über verschiedene Tumorentitäten hinweg sowie während oder auch nach einer Therapie auf. In einer aktuellen Metaanalyse lag die gemittelte Prävalenz bei 52%. Langfristig – bis zu zehn Jahren nach abgeschlossener Therapie – leiden ca. 30% der Patienten und Patientinnen unter CRF. Zu den Risikofaktoren, welche die Vulnerabilität einer Person, Fatigue zu entwickeln, erhöhen, gehören insbesondere psychosoziale Faktoren wie Depressionen in der Vorgeschichte, eine ängstliche Persönlichkeitsstruktur, Einsamkeit sowie akuter Stress und traumatische Kindheitserlebnisse. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Missbrauchs-, Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen in der Kindheit sowie kumulatives Stresserleben über die Lebensspanne im Zusammenhang mit CRF stehen.
In den bisherigen Studien wurden sehr unterschiedliche Messinstrumente für akutes und chronisches Stresserleben verwandt. Da traumatische Lebensereignisse Teil des kumulativen Stresserlebens über die Lebensspanne darstellen und auch Symptome wie Depressivität und Ängstlichkeit Ausdruck der kumulativen Stresslast sind, wäre es wünschenswert, ein globales Stresslast-Maß über alle genannten Dimensionen individuell für eine Person definieren zu können. In Vorarbeiten unserer Arbeitsgruppe konnte im Rahmen einer vom Bundesministerium für Verteidigung finanzierten Studie (Bundeswehreinsatz und Stress-Studie (BEST)) an einer Stichprobe ein solcher globaler Stressindex (GSI) anhand von validierten Messskalen entwickelt werden. Dazu wurden validierte Messinstrumente akuten und chronischen Stresses von der Kindheit bis hin ins Erwachsenenalter geprüft und mittels Strukturgleichungsmodellen in einen GSI überführt.