20.12.2025
In der aktuellen Ausgabe beleuchten wir die Forschung eines erfolgreichen, jungen wissenschaftlichen Mitarbeiters am Universitätsinstitut für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie: Herr Dr. rer. nat. Bernd Neumann. Im folgenden Interview spricht er über seine wissenschaftlichen Schwerpunkte, seine Motivation und seinen beruflichen Werdegang.
Herr Dr. Neumann, bitte beschreiben Sie Ihren bisherigen beruflichen und akademischen Werdegang.
Mein Studium im Fach Humanbiologie habe ich an der Universität in Greifswald begonnen und dort dann sowohl meine Bachelor-, als auch die Masterarbeit am Institut für Mikrobiologie angefertigt. In beiden Projekten ging es um funktionelle Proteomanalysen bei Bakterien. Anschließend habe ich am Robert Koch Institut in Wernigerode im Fachgebiet für Nosokomiale Infektionserreger und Antibiotikaresistenzen gearbeitet, zuerst als Doktorand und anschließend als Post Doc. Hierbei ging es um bakterielle Genomanalysen. Seit April 2021 bin ich am Klinikum Nürnberg tätig.
Was fasziniert Sie an der Mikrobiologie?
Die Vielfalt und Bandbreite der Mikrobiologie sind, meiner Meinung nach, nur schwer in anderen Disziplinen der Biowissenschaften zu finden. Ich konnte mich sehr schnell für die Bakteriologie begeistern, denn sie umspannt Umweltorganismen und Krankenhauserreger, aber auch Zoonosen, Lebensmittel, Medikamentenherstellung, bis zur Hygiene. Die Optionen, sich in einem oder mehreren dieser Bereiche zu vertiefen, hatte wohl rückblickend eine große Anziehungskraft. Für mich waren und sind klassische Krankenhauserreger wie Enterkokken, Staphylokokken, E. coli und K. pneumoniae das Forschungsthema. Diese Bakterien sind allesamt Opportunisten, kommen also natürlicherweise im oder auf dem Menschen vor, sind aber auch Infektionserreger. Daran zu arbeiten und mit jedem Projekt Erkenntnisse zu generieren oder zu validieren, ist doch sehr interessant!
Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?
Aktuell liegt der Fokus insbesondere auf Klebsiella pneumoniae. Diese sind als multiresistente Varianten seit Jahrzehnten in Gesundheitseinrichtungen gefürchtet. In den letzten Jahren wurden vermehrt sogenannte hypervirulente K. pneumoniae (hvKp) beschrieben. Diese können schwere Infektionen, besonders Leberabszesse, hervorrufen, auch bei vergleichsweise jungen und gesunden Patient*innen. Zudem werden diese Stämme in der Regel ambulant erworben. Die meisten Daten hierzu basierten lange Zeit auf einzelnen Fallberichten oder retrospektiven Analysen. Wir haben hier im Klinikum begonnen, aktiv diese Varianten zu analysieren. Mithilfe molekularer Diagnostik und Genomsequenzierung konnten wir diese identifizieren und charakterisieren.
Wie kommt Ihre Forschung letzten Endes unseren Patientinnen und Patienten am Klinikum zugute?
Zuerst konnten wir durch unsere Studien zeigen, dass hvKp auch in unseren Patientinnen und Patienten gefunden werden können und dass die Patientinnen und Patienten durch sie nicht zwangsläufig schwer erkranken. Darauf aufbauend konnten wir eine Datengrundlage schaffen und Aussagen zu Häufigkeiten und allgemeiner Prävalenz treffen. Im Rahmen unseres Brückenschlagsprojektes sind auch Daten für das Uniklinikum Salzburg generiert worden. Unsere weiterführenden Studien schließen mehr epidemiologische Analysen, sowie Analysen von Resistenzprofilen ein und auch Charakteristika von betroffenen Patientinnen und Patienten. Dadurch wurden zum einen die Risiken für Patientinnen und Patienten evaluiert, die mit einer Infektion einhergehen können, zum anderen wurde auch versucht, auf Seiten der Patientinnen und Patienten Risikofaktoren für eine hvKp-Infektion zu identifizieren. Dies steigert einerseits die Awareness für diese „emerging pathogens“ und kann andererseits helfen die Patientenversorgung zu verbessern.
Sie haben in den letzten Jahren zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter das Forschungsstipendium der Kerscher’schen Stiftung, das PMU-Reisestipendium, sowie zwei Posterpreise. Darüber hinaus wurden Sie bei unserem Science Get Together 2024 als Rising Scientist ausgezeichnet. Was ist Ihr Geheimrezept für wissenschaftlichen Erfolg und wie motivieren Sie sich, auch wenn sich Projekte mal anders entwickeln, als ursprünglich an genommen?
Vielen Dank an dieser Stelle nochmals für diese Ehrungen und Chancen. Nun ja, eigentlich steckt dahinter kein Geheimrezept, sondern eher Geduld und Vertrauen in die eigenen Projekte und Ergebnisse. Dass sich Projekte anders entwickeln, oder auch im ersten Anlauf scheitern, ist tatsächlich weder selten noch unerwartet. Man darf deswegen nicht aufgeben und muss ggfs. Abstand nehmen und das Projekt in Gänze überdenken. Daraus können sich mit Reflexion und im Austausch mit anderen Forschenden, ganz neue Perspektiven entwickeln. Man darf sich nur nicht entmutigen lassen, wenn mal etwas anders läuft als geplant. Und natürlich war es gut, nie nur an einem Projekt zu arbeiten, damit man im Fall einer Sackgasse parallel an etwas anderem arbeiten kann.
Was sind Ihre weiteren beruflichen und wissenschaftlichen Ziele? Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?
Für die nächsten Jahre gibt es erstmal genügend Projektideen, insbesondere wenn man bedenkt, wie viele offene Fragen noch beim Thema „hypervirulente Klebsiellen“ im Raum stehen. Wir haben beispielsweise noch nicht völlig verstanden, wo genau das Reservoir für hvKp liegt, oder warum manche Patient*innen schwer erkranken und andere nicht. Außerdem möchte ich versuchen, die Surveillance von Krankenhauserregern und Antibiotikaresistenzgenen mittels Genomsequenzierung für unser Klinikum auszubauen. Das Aufdecken von Übertragungsereignissen erleichtert die gezielte Implementierung von Präventionsmaß nahmen. Ziel ist es auch, Kooperationsnetzwerke zu etablieren oder zu erweitern, sowohl intern, als auch extern. Ich persönlich strebe eine Habilitation an der PMU an und freue mich auf die damit verbundenen neuen Möglichkeiten und Herausforderungen.
Ausgewählte Publikationen von Herrn Dr. Neumann:
- Cross-border prevalence of putative- hypervirulent Klebsiella pneumoniae differs between tertiary hospitals in Austria and Germany; Neumann, B. et al., Aug. 2025, in: NEW MICROBES AND NEW INFECTIONS
- Detection and characterization of putative hypervirulent Klebsiella pneumoniae isolates in microbiological diagnostics; Neumann, B. et al., 3 Nov. 2023, in: Scientific reports
- Recurrent bacteremia with a hypermucoviscous Escherichia coli isolated from a patient with perihilar cholangiocarcinoma: insights from a comprehensive genome-based analysis; Neumann, B. et al., 2022, in: ANNALS OF CLINICAL MICROBIOLOGY AND ANTIMICROBIALS
- Comprehensive integrated NGS-based surveillance and contact-network modeling unravels transmission dynamics of vancomycin-resistant enterococci in a high-risk population within a tertiary care hospital; Neumann, B. et al., 2020, in: PLOS ONE
- Genome sequences of two clinical Escherichia coli isolates harboring the novel colistin-resistance gene variants mcr-1.26 and mcr-1.27; Neumann, B. et al., 2020, in: GUT PATHOGENS
Ausgewählte Preise:
- Promotionspreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, 2021
- Forschungsstipendium 2024 der Kerscher‘schen Stiftung für Diabetesforschung
- Best Poster Award, Science Get Together, PMU, 2024- PMU-Reisestipendium, 2024
- Rising Scientist Award, PMU, 2024