30.06.2026
Frau Dr. med. Anne Kamphausen ist Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin und berichtet im nachfolgenden Interview über ihren bisherigen beruflichen Werdegang, sowie ihre Forschungsprojekte.
Frau Dr. Kamphausen, bitte beschreiben Sie Ihren bisherigen beruflichen und akademischen Werdegang.
Nach meinem Medizinstudium an der Universität Duisburg-Essen habe ich meine Facharztausbildung am Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf begonnen. Im Rahmen meiner klinischen Tätigkeit konnte ich umfassende Erfahrungen in der Anästhesiologie in unterschiedlichsten operativen Fachrichtungen sowie in der Betreuung kritisch kranker Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation sammeln. Parallel dazu habe ich mich sehr in der Ausbildung der Studierenden der Humanmedizin und Fort- und Weiterbildung im Bereich der Simulation engagiert. Während meiner Weiterbildung habe ich bereits eng mit Prof. Dr. Kubitz zusammenarbeiten können und neben einem Fellowship in Simulation Medicine an der Mayo Clinic in Rochester, MN USA den Master of Medical Education begonnen. Durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen sowie die Übernahme zunehmender Verantwortung habe ich mich schließlich zur Funktionsoberärztin entwickelt. Seit dem 01. Juli 2020 bin ich in der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Klinikum Nürnberg unter Prof. Dr. Kubitz tätig und seit Dezember 2021 als Oberärztin tätig. Neben meiner oberärztlichen Tätigkeit in der Klinik engagiere ich mich in der Curriculumsentwicklung an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) und der Entstehung des interprofessionellen und -disziplinärem Simulationszentrum am Klinikum Nürnberg.
Sie sind Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin. Was fasziniert Sie an diesem Fachbereich?
Die Anästhesiologie und operative Intensivmedizin sind beides Hochrisikobereiche und zeichnen sich durch ihre enorme Vielseitigkeit und Dynamik aus. Mich fasziniert insbesondere die Kombination aus hochpräziser Medizin, interdisziplinärer Zusammenarbeit und unmittelbarer klinischer Relevanz. Wir begleiten Patientinnen und Patienten in kritischen Lebenssituationen – von der Vorbereitung auf große operative Eingriffe bis hin zur intensivmedizinischen Betreuung. Dabei sind schnelle, fundierte Entscheidungen ebenso notwendig wie ein ganzheitlicher Blick auf den Menschen. Zudem bietet das Fachgebiet zahlreiche Ansatzpunkte für Ausbildung, Innovation und Forschung im Bereich der perioperativen Versorgung von Patientinnen und Patienten und Ausbildung von Studierenden und Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung.
Woran forschen Sie aktuell?
Mein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der perioperativen Versorgungsforschung und Medical Education. Dabei untersuche ich insbesondere, wie Versorgungsprozesse rund um operative Eingriffe – von der präoperativen Vorbereitung über die intraoperative Betreuung bis hin zur postoperativen Nachsorge – evidenzbasiert optimiert werden können, um Patientensicherheit, Behandlungsergebnisse und Ressourceneffizienz zu verbessern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Analyse von Schnittstellen im klinischen Ablauf sowie auf der Entwicklung und Evaluation standardisierter Versorgungspfade. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit der Frage, wie ärztliche Kompetenzen – vor allem in der Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin – effektiv vermittelt und nachhaltig entwickelt werden können. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf innovativen Lehr- und Lernformaten und wie Ausbildungsprogramme strukturiert sein müssen, um sowohl fachliche als auch nichttechnische Kompetenzen – etwa Teamkommunikation, Entscheidungsfindung und Patientensicherheit – gezielt zu fördern. Ziel meiner Forschung ist es, evidenzbasierte Konzepte für die medizinische Aus- und Weiterbildung zu entwickeln und diese langfristig in den klinischen Alltag zu integrieren, um die Qualität der Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern.
Sie konnten sich bisher zweimal erfolgreich auf die Forschungsrotationsstellen des Klinikums bewerben. Wie haben Sie diese Freistellung umgesetzt und wie half sie Ihnen dabei, Ihre Forschungsideen und -projekte voranzubringen?
Die Forschungsrotationen haben mir wertvolle, geschützte Zeit für wissenschaftliches Arbeiten ermöglicht – ein entscheidender Faktor im klinisch oft sehr vollen Alltag. In dieser Phase konnte ich eigene Projekte gezielt konzipieren, Daten erheben und auswerten sowie Manuskripte erstellen und publizieren. Darüber hinaus konnte ich durch die Teilnahme am PhD-Programm der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Nürnberg neue methodische Kompetenzen zu erwerben und bestehende Kooperationen zu vertiefen. Insgesamt haben die Forschungsrotationen maßgeblich dazu beigetragen, meine wissenschaftliche Profilbildung voranzutreiben und Projekte nachhaltig zu etablieren.
Was sind Ihre weiteren beruflichen und wissenschaftlichen Ziele? Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?
Ich würde mich sehr freuen, meine klinische Tätigkeit weiterhin eng mit meiner wissenschaftlichen Arbeit verzahnen zu können. Gleichzeitig sehe ich die Herausforderungen, vor denen sowohl das Klinikum Nürnberg als auch die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) stehen. Angesichts von Fachkräftemangel, steigender Arbeitsverdichtung und zunehmend komplexen Versorgungsstrukturen wird es künftig schwieriger, ausreichend Raum für beide Bereiche zu schaffen und diesen auch nutzen zu können. Langfristig ist es mir ein großes Anliegen, die Weiterentwicklung an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) und am Klinikum aktiv mitzugestalten – mit dem Ziel, sowohl eine qualitativ hochwertige, moderne medizinische Lehre zu fördern als auch durch klinische Forschung zur Verbesserung von Behandlungsqualität und Patientensicherheit beizutragen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist für mich die gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in unserer Abteilung und am Klinikum. In diesem Zusammenhang würde ich mir wünschen, dass die Mentoring-Initiative der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) künftig noch stärker genutzt wird