Notfallservice

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Abschlussbericht zu "MALT! Psycho-biologische Behandlungseffekte traumafokussierter Maltherapie bei Patienten mit psychischen und physischen Traumafolgestörungen"

Einschneidende Lebensereignisse können sowohl körperliche als auch psychische Folgen haben und unter bestimmten Bedingungen zu Traumafolgestörungen wie der PTBS führen. Während für klar traumatische Ereignisse evidenzbasierte Therapien und Frühinterventionen etabliert sind, ist unklar, wie belastende, aber nicht lebensbedrohlich erlebte Ereignisse – etwa Fehl- oder Totgeburten – optimal behandelt werden sollten, obwohl auch hier relevante psychische Belastungen auftreten. 

Studien zeigen, dass beispielsweise nach einer Fehlgeburt bis zu 29 % der Frauen kurzfristig eine PTBS entwickeln und ein erheblicher Anteil auch langfristig betroffen bleibt, während rund ein Viertel depressive oder Angstsymptome aufweist. Klinische Erfahrungen und erste Hinweise deuten darauf hin, dass Kunsttherapie einen schonenden Zugang zur Verarbeitung solcher Erlebnisse bieten kann, ihre Wirkung auf biologische Stressparameter ist jedoch bislang kaum untersucht. Durch die Kombination psychophysiologischer und bioanalytischer Methoden können diese Effekte erstmals systematisch sichtbar gemacht werden.

Zielsetzung

Forschungsfragen:

  • Kann Trauma-fokussierte Maltherapie traumaassoziierte Symptome bei Patientinnen nach belastenden Lebensereignissen wirksam reduzieren?
  • Beeinflusst die Therapie auch die biologische Stress-Reaktivität auf neuroendokriner, immunologischer und zellulärer Ebene?

Hypothesen:

  • Maltherapie führt zu einer signifikanten Reduktion von posttraumatischen Belastungssymptomen und depressiver Symptomatik.
  • Die Reduktion von Stress geht mit einer klinisch relevanten Verbesserung der biologischen Stressparameter wie Hormonreaktion und Entzündungsmarker einher.

 

Ergebnisse

In der MALT!-Studie konnte gezeigt werden, dass Trauma-fokussierte Kunsttherapie in der Lage ist, posttraumatische Symptome wie Intrusionen, Vermeidung und Übererregung bei Frauen nach Fehl- oder Totgeburt zu reduzieren. Insbesondere für Intrusionen, also das unwillkürliche Erinnern an die Fehl- oder Totgeburt, zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptomatik. Frauen, die zusätzlich psychisch belastet waren mit einer Depression oder gar mit einer PTBS, profitierten besonders von der Kunsttherapie im Vergleich zur Warte-Kontroll-Gruppe. Durch die Kunsttherapie wurde nicht nur die psychische Symptomatik verbessert, sondern die Frauen reagierten auch biologisch signifikant verbessert auf Stress. Die Teilnehmerinnen in der Kunsttherapiegruppe hatten nach Ende der Therapie unter Stress eine stärkere vagale, parasympathische Aktivierung. Das bedeutet, dass Kunsttherapie bei diesen Frauen zu einer Beruhigung der Körperaktivität, also zur Entspannung geführt hat. Dieses spiegelte sich auch in einem verminderten Anstieg der Marker für Stress auf zellulärer Ebene, im Blutdruck, in der Herzfrequenz sowie in einem subjektiven Gefühl von mehr Wachheit wider.

Erwarteter Nutzen

  • Evidenz für die Wirksamkeit von Kunsttherapie sowohl auf psychischer als auch auf biologischer Ebene.
  • Beitrag zum besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen emotionaler Verarbeitung und körperlicher Stressregulation.

Methodik & Studiendesign

Die Studie wurde als randomisierte, monozentrische Studie am Klinikum Nürnberg umgesetzt. Im Rahmen eines Between-Subject-Designs wurden die Patientinnen randomisiert einer von zwei Studienarmen zugewiesen. Die Gruppe der gesunden Probandinnen wurde nur zur Eingangsuntersuchung eingeladen.

Studienteilnehmende

Frauen (18-50 Jahre), die in den letzten 6 Monaten eine Fehl- oder Totgeburt oder ein Unfallereignis erlebt haben, wurden in die Studie eingeschlossen und nach der Eingangstestung randomisiert in die beiden Gruppen Maltherapie und Watchful Waiting zugeteilt.

 

 

Publikationen

  1. Gerber L, Müller MM, Oender A, Urbanczyk S, Radermacher P, Brucker C, Stein B, Waller C, Rohleder N. Psychological, neuroendocrine and inflammatory stress responses in women after miscarriage or stillbirth: investigating early psychobiological adaptations to potential traumatic events. J Neural Transm (Vienna). 2025 Sep;132(9):1263-1274. doi: 10.1007/s00702-025-02927-x. Epub 2025 Apr 29. PMID: 40299067; PMCID: PMC12535495.
  2. Sofie Roecken, Olaf Prusik-Lutz, Markus M. Müller. MALT!-Kunsttherapie als präventives Angebot nach einer Fehlgeburt. DOI: 10.1055/a-2088-5537 
    Psychotherapie im Dialog 2024; 25(01): 37 – 40
  3. Urbanczyk S, Müller MM, Önder A, Gerber L, Brucker C, Peters E, Radermacher P, Stein B, Rohleder N, Waller C. Women after miscarriage or stillbirth have persistent posttraumatic stress symptoms and altered autonomic and cellular stress responses. -> In preparation.
  4. Müller MM, Brucker C, Gerber L, Prusik-Lutz, O, Radermacher P, Rohleder N, Stein B, Urbanczyk S, Waller C. Trauma-focused art therapy after miscarriage or stillbirth: The randomized controlled trial MALT! -> In preparation.