Notfallservice
  • Prostata und Früherkennung: Mut zur Vorsorge!

    Dr. Siegfried Zelnhefer, Autor, Journalist und langjähriger Stadtsprecher in Nürnberg, geht offen mit seiner Prostatakrebs-Operation um.

02.06.2026

Wie steckt man eine Prostatakrebs-Operation weg? Dr. Siegfried Zelnhefer, Autor, Journalist und langjähriger Stadtsprecher in Nürnberg, empfiehlt eines: Offenheit. Weil er regelmäßig zur Vorsorge ging, konnte er rechtzeitig behandelt werden. Bei der Verarbeitung half ihm, darüber zu reden, wie er im Interview erzählt.

 

Herr Dr. Zelnhefer, viele Männer verdrängen das Thema Krebsvorsorge lieber. Hatten Sie nie ein Problem damit?

Dr. Siegfried Zelnhefer: Ich war Mitte 50, als bei mir auf dem Kopf ein Hautkrebs festgestellt wurde, der operativ entfernt werden musste. Sicher die Folgen extremer jugendlicher Sonnenzugewandtheit. Eine ausgesprochene Dummheit. Seitdem bin ich für das Thema sensibilisiert. Aber das war schon eine besondere Erfahrung. Erstmals in meinem Leben habe ich mich krank und verletzlich gefühlt. Man denkt, vielleicht gerade auch als Mann, man habe die ewige Jugend gepachtet. Das ist natürlich nicht der Fall. Und mein Hausarzt, ein früherer Onkologe am Nürnberger Klinikum, sagte mir immer, dass man durch regelmäßige Vorsorge Hautkrebs, Darmkrebs und bei Männern Prostatakrebs frühzeitig erkennen und dann in der Regel auch gut behandeln könne. Diesen möglichen Gefährnissen muss man gewärtig sein, wenn man ein bestimmtes Lebensalter erreicht hat. Deshalb gehe ich seit Jahren zu den verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen. Das ist keine Leidenschaft von mir, aber notwendig. Mein behandelnder Urologe hat mir immer reinen Wein eingeschenkt und wir haben sachlich über meine jeweiligen Befunde gesprochen. 2021 wurde erstmals Prostatakrebs bei mir diagnostiziert. Die Entwicklung wurde regelmäßig beobachtet. 2025 war es leider soweit, dass eine weitere aktive Überwachung nicht mehr möglich, sondern eine Therapie notwendig war. Sie hätte aus einer Strahlen- plus Hormontherapie oder einer radikalen Entfernung der Prostata bestehen können. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden, vor allem um nach einem histologischen Befund Klarheit zu haben.

 

Sie haben sich 2025 einer robotischen Prostata-Entfernung im Klinikum Nürnberg unterzogen. Danach kam es zu Komplikationen, die zum Glück gut ausgingen. Wie haben Sie den Krankenhausaufenthalt erlebt und was half Ihnen durch die Krise?

Dr. Zelnhefer: Die Komplikationen haben wahrscheinlich überwiegend mit einer genetischen Disposition meinerseits zu tun, die mit der Operation unmittelbar nichts zu tun hatte. Leider erlitt ich eine Lungenembolie, ausgelöst von zwei tiefen Beinvenenthrombosen. Das hat meinen Genesungsprozess ziemlich beeinträchtigt. Aus geplanten fünf Krankenhaustagen wurden 18. Aber ich habe mich im Klinikum Nürnberg immer bestens aufgehoben gefühlt. Ich hatte ständig Austausch mit Freunden und der Familie über alle möglichen Kanäle. Freunde haben mich besucht und täglich war meine Frau bei mir. Das war die größte Freude. Mir half aber auch, mich nüchtern mit den Gegebenheiten auseinanderzusetzen und sie anzunehmen.

 

Ihr Prostatakrebs ist geheilt. Was bleibt?

Dr. Zelnhefer: Der schönste Moment in meinem Aufenthalt im Nürnberger Klinikum war, als mir mein Operateur Dr. Popeneciu vor der Entlassung bei der Erläuterung des histologischen Befunds sagte: „Sie sind geheilt.“ Das war ein wunderbarer Augenblick. Aber natürlich geht es jetzt auch um Nachsorge, um zu überprüfen, ob alles weiter gut ist. Und das ist es auch. Und was bleibt weiter? Das Wissen um die eigene Verletzlichkeit, aber auch die nicht ganz neue Erkenntnis, dass man sich um sich selbst kümmern, auf sich Acht geben und am besten jeden Tag genießen muss. Positiv muss man jeden neuen Tag angehen und dafür dankbar sein.

 

Ihre „Gesundheitsgeschichte“, wie Sie es nennen, haben Sie für sich selbst und Ihr Umfeld in einem kleinen Buch niedergeschrieben. Darin stecken Lob und Respekt für die Menschen aus aller Welt, die am Klinikum in Medizin und Pflege arbeiten. Warum ist Ihnen das wichtig?

Dr. Zelnhefer: Ich habe während meines Aufenthalts im Klinikum Nürnberg nahezu ausschließlich Menschen aller möglichen Professionen und Herkünfte erlebt, die mir fachkundig und zugewandt begegneten. Jeder und jede auf seine und ihre Art. Natürlich haben alle in erster Linie ihren Job gemacht, aber ich habe auch Herz und Wärme gespürt. Dabei haben sich um mich Frauen und Männer gekümmert, deren Wurzeln in allen möglichen Ländern liegen. Um mich haben sich wahrscheinlich mehr als hundert Personen bemüht, darunter unter anderem Kräfte aus Deutschland, der Türkei, aus Syrien, aus Polen, aus Japan, aus Indien, aus Russland, aus Afrika, aus Polen, von den Philippinen. Gewisse Kräfte in Deutschland möchten viele Ausländer am liebsten ausweisen. Das empört mich. Denn wir sind alle Menschen. Ich bin sehr dankbar, dass ich soviel Zuwendung von Menschen aus aller Welt erfahren habe. Sie haben mich auch wieder gesund gemacht.

Bild: Dankbar über die Betreuung am Klinikum, schrieb Dr. Siegfried Zelnhefer (Mitte) seine Erfahrungen in einem Büchlein nieder. Links Urologie-Chefarzt Univ.-Prof. Dr. Sascha Pahernik, rechts Operateur und Oberarzt Dr. Ionel Valentin Popeneciu.

Foto: Jakob Lichtenfeld, Klinikum Nürnberg

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