22.07.2026
In Bayern ist es ein bisher einzigartiges Projekt: Die Stadt Nürnberg hat gemeinsam mit dem Klinikum Nürnberg und der mudra Jugend- und Drogenhilfe Nürnberg e. V. (mudra) eine neue Substitutionsambulanz auf den Weg gebracht. Das Angebot „sub-port“, das Klinikum und mudra in der Nürnberger Innenstadt betreiben, richtet sich an opioidabhängige Menschen und will mit einem besonders niedrigschwelligen Ansatz jene erreichen, die bisher keinen oder keinen dauerhaften Zugang zu suchtmedizinischer Behandlung hatten.
Die Ambulanz „sub-port“ liegt in der Ottostraße über dem Kontaktcafé der mudra-Drogenhilfe. Hier erhalten opioidabhängige Menschen unter ärztlicher Begleitung ein Ersatzmedikament als Alternative zu illegalen Drogen. Das Besondere: Konsumierende können das Angebot ohne Termin und unbürokratisch nutzen. Die Praxis ist an sieben Tagen pro Woche jeweils drei Stunden geöffnet. Ärztinnen, Ärzte und Medizinische Fachangestellte des Klinikums Nürnberg betreiben sie gemeinsam mit sozialpädagogischen Fachkräften der mudra.
Die Idee zu dieser niedrigschwelligen Form der Substitution wurde maßgeblich von mudra erarbeitet. mudra gilt damit als Impuls- und Ideengeberin und arbeitete das Konzept gemeinsam mit dem Klinikum aus. Beide Institutionen bemühten sich gemeinsam intensiv um die Verwirklichung des Projekts. Neben der Substitutionsbehandlung bietet die Einrichtung Beratung zu weiterführenden Hilfen und erleichtert den Kontakt zum Gesundheitssystem. Ziel ist es, die Betroffenen spätestens nach drei Monaten in die reguläre Substitution bei bestehenden Anbietern in der Region zu vermitteln.
Haftentlassene, Therapieabbrecher und Nichtversicherte
Kooperationspartner von „sub-port“ sind das Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg sowie der Bezirk Mittelfranken. Liegt eine Krankenversicherung vor, übernimmt diese die Behandlungskosten bei „sub-port“. Die Stadt Nürnberg und der Bezirk Mittelfranken unterstützen das Projekt zusätzlich finanziell, auch bei der Versorgung Nichtversicherter.
Substitutionsbehandlungen, etwa mit Methadon, senken nachweislich die Zahl von Drogennotfällen und -todesfällen. Sie helfen dabei, sich aus dem Konsum illegaler Substanzen zu lösen, und verringern dadurch auch Drogenkriminalität. Aus Sicht des Klinikums Nürnberg schließt „sub-port“ eine wichtige Lücke. Denn der Wunsch, den Substanzkonsum zu ändern, entsteht oft spontan, doch krankheitsbedingt schließt sich dieses Zeitfenster schnell. „Sub-port“ reagiert am selben Tag mit einem Behandlungsangebot und überbrückt so die Wartezeit auf Termine.
Zielgruppe sind etwa Haftentlassene, die während der Haftzeit substituiert wurden, aber noch keinen niedergelassenen Arzt gefunden haben, Therapieabbrecher aus Entgiftungen oder Substitutionstherapien sowie Nichtversicherte oder opioidabhängige Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die in Nürnberg bisher keinen Substitutionsplatz erhalten konnten. Die neue Praxis folgt dem Prinzip der „Harm Reduction“, zielt also darauf ab, gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Schäden des Drogenkonsums zu verringern, ohne Abstinenz zu verlangen.
Wichtige Ergänzung in der Suchthilfe
„Opiatabhängigkeit ist eine Erkrankung, die oft tödlich verläuft“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Thomas Hillemacher, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg. „Mit niedrigschwelliger Substitution wollen wir Betroffene in schwierigen Lebenslagen erreichen und ihnen eine pragmatische Möglichkeit bieten, ihre gesundheitlichen Risiken zu senken. In Nürnberg, wo die Zahl der Drogentoten hoch ist, ergänzt ‚sub-port‘ die Suchthilfe sinnvoll.“
Das Klinikum Nürnberg und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg (PMU) engagieren sich als Mitbegründer des 2021 gestarteten „Nürnberger Drogenhilfemodells“ für bessere Prävention, Akutversorgung und Nachsorge von Suchtkranken. Der Kooperationsverbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit innovativen Ansätzen Drogentodesfälle zu verhindern und das Gesundheitssystem zu entlasten.
„Mit ‚sub-port‘ setzt Nürnberg ein wichtiges sozial- und gesundheitspolitisches Zeichen. Niedrigschwellige Substitution kann Leben retten, gesundheitliche Risiken reduzieren und den Weg in weiterführende Hilfen und eine reguläre Behandlung ebnen. Davon profitieren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch das Zusammenleben in unserer Stadt. Dass dieses innovative Angebot nun starten kann, ist das Ergebnis einer starken Partnerschaft zwischen Suchthilfe, Gesundheitswesen, Kommune und Bezirk. Mein herzlicher Dank gilt dem Klinikum Nürnberg, der mudra Jugend- und Drogenhilfe und allen Mitwirkenden im Nürnberger Netz der Drogenhilfen sowie dem Bezirk Mittelfranken für die engagierte Zusammenarbeit. Ebenso danke ich dem Nürnberger Stadtrat, dem Bezirk Mittelfranken und den beteiligten Krankenkassen für ihre Unterstützung und die Finanzierung dieses wichtigen Vorhabens. ‚sub-port‘ zeigt, dass wir gemeinsam tragfähige Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln können – pragmatisch, verantwortungsvoll und mit einem klaren Fokus auf Gesundheit, Teilhabe und Menschenwürde“, unterstreicht Elisabeth Ries, Referentin für Jugend, Familie, Senioren und Soziales der Stadt Nürnberg.
Bild oben: Oberärztin Elisabeth Müller zeigt den Methadon-Dosierautomaten im Behandlungsraum.
Fotos: Luisa Schuster, Klinikum Nürnberg