Notfallservice
  • Neonatologie erhält Frühchenpuppe für Schulungen

    Das Klinikum Nürnberg bietet jetzt mit einer Frühchenpuppe besondere Trainings für werdende Eltern an.

14.08.2026

Für das Leben lernen – in der Neonatologie passt dieser Satz besonders gut. Das Klinikum Nürnberg, wo jedes Jahr rund 260 Frühgeborene zur Welt kommen, hat seit Kurzem eine ganz besondere Trainingspuppe. Ben ist einem Frühgeborenen der 28. Schwangerschaftswoche detailgetreu nachempfunden. Die Puppe wird künftig eingesetzt, um Eltern von Frühgeborenen den sicheren Umgang mit ihrem Kind zu vermitteln. Gleichzeitig dient sie der praktischen Schulung von Auszubildenden und Mitarbeitenden.

Lewis war der Modellname – im Klinikum Nürnberg heißt die Puppe, die täuschend echt aussieht, nun Ben. Wer die Puppe in die Arme nimmt, meint, sie schlage gleich die Augen auf. Ben ist nicht im Fachgeschäft oder online zu kaufen – Ben ist ein Unikat, hergestellt für den Bundesverband Frühgeborene e. V., der diese Puppen im Rahmen eines besonderen Projekts an ausgewählte Kliniken und Pflegeschulen weitervermittelt. Seit Kurzem darf sich das Klinikum Nürnberg zu den bislang über 80 Krankenhäusern und Pflegeschulen bundesweit zählen, die im Besitz einer solchen Frühchenpuppe sind.

Jede Puppe wird von der Reborn-Künstlerin Ursula Konhäuser in aufwändiger Handarbeit gefertigt. Der Begriff „Reborning“ stammt aus den 1990er-Jahren und meint die Kunst, einen industriellen Puppen-Rohling in ein detailgetreues Unikat zu verwandeln – mit echtem Haar und einer realistischen Hautbemalung, Äderchen und Rötungen inklusive. Aufgrund des hohen Herstellungsaufwands existiert nur eine begrenzte Anzahl. Interessierte Perinatalzentren müssen sich mit einem Einsatzkonzept bewerben, in dem sie den geplanten Nutzen darstellen. Zudem werden die Puppen persönlich mit einer Geburtsurkunde überreicht – im Klinikum Nürnberg durch Dr. Maria Hitzschke, Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Frühgeborene e. V.

Realitätsnahes Einüben von typischen Pflegesituationen

Simulationen sind eine effektive Methode, um sich auf die Praxis vorzubereiten – in der Luftfahrt ebenso wie in der Medizin. „Wir sehen, dass werdende Eltern, die mit einer möglichen Frühgeburt ihres Kindes konfrontiert werden, nicht einschätzen können, was auf sie zukommt“, erklärt Christine Matschke, pflegerische Qualitätsmanagementbeauftragte am Klinikum Nürnberg. „Damit wir den Eltern mehr mit auf den Weg geben können als Bild- und Infomaterial, haben wir uns mit einem Konzept beim Bundesverband Frühgeborene für eine Trainingspuppe beworben. Wir freuen uns sehr, dass das geklappt hat.“

Ben soll nun einerseits zur besseren Vorbereitung der Eltern eingesetzt werden. Wichtig ist, dass Größe, Gewicht und Haptik einen besonders realistischen Eindruck vermitteln. So können typische Pflegesituationen wie Halten, Lagern, Wickeln oder Anziehen praxisnah geübt werden. Eltern bauen erste Unsicherheiten ab und erlernen wichtige Handgriffe, bevor sie diese am eigenen Kind anwenden. „Da die Puppe wirklich sehr echt aussieht, gehe ich von einem hohen Trainingseffekt aus“, ist sich Christine Matschke sicher.

Neben den Eltern-Trainings wird Ben auch in der Ausbildung zum Einsatz kommen. Angehende Pflegefachkräfte und Mitarbeitende der Neonatologie können den sensiblen Umgang mit Frühgeborenen realitätsnah trainieren und wichtige Handgriffe unter Anleitung einüben.

Aufklärungsarbeit als Teil der bestmöglichen Versorgung von Frühgeborenen

Der Bedarf ist groß. Rund sechs Prozent der in Deutschland geborenen Kinder kommen zu früh zur Welt. Im Klinikum Nürnberg sind es jedes Jahr über 260 Kinder – das bedeutet in 260 Fällen eine besondere, herausfordernde Situation für die Eltern. „Wir verstehen das neue Trainingsangebot in gewisser Weise als wichtige Aufklärungsarbeit, die am Ende der optimalen Versorgung der Frühgeborenen zugutekommt“, fasst Christine Matschke zusammen.

Das Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level 1) am Klinikum Nürnberg zählt zu den führenden Einrichtungen für die Versorgung von Schwangeren mit Risikoschwangerschaften sowie von Früh- und Neugeborenen in der Region. Dank der engen interdisziplinären Zusammenarbeit von Geburtshilfe, Neonatologie, Anästhesie und weiteren Fachbereichen unter dem Dach des Maximalversorgers werden Mutter und Kind rund um die Uhr auf höchstem medizinischen Niveau betreut. Modernste diagnostische und therapeutische Verfahren sowie ein erfahrenes multiprofessionelles Team gewährleisten eine umfassende Versorgung – von der pränatalen Diagnostik über die Geburt bis hin zur intensivmedizinischen Betreuung von Früh- und kranken Neugeborenen.

Bild: Die Geschäftsführerin des Bundesverbands Frühgeborene e. V., Dr. Maria Hitzschke (3. v. r.) überreicht der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche am Klinikum Nürnberg die Frühchenpuppe Ben. Im Bild Chefarzt Univ.-Prof. Dr. Christoph Fusch (l.), die pflegerischen Leitungen Ulrike Müller (2. v. l.) und Aylin Brauer (r.), Christine Matschke (3. v. l.), pflegerische Qualitätsmanagementbeauftragte, und Sina Lothes (2. v. r.), pädiatrische Intensivpflegefachfrau sowie Still- und Laktationsberaterin.

Foto: Julia Peter / Klinikum Nürnberg

Pressemitteilung zum Herunterladen (PDF)