13.07.2026
Das neue Kinderklinikum Nürnberg im Friedl Schöller-Haus, das aktuell auf dem Campus Süd entsteht und 2027 bezogen wird, wird bunt. Das Klinikum Nürnberg setzt bei der Planung und Umsetzung auf eine kindorientierte Architektur und Innenausstattung. Teil davon sind die Frizzies – bunte Fabelwesen, die künftig als Mutmacher an vielen Stellen im Neubau zu finden sein werden. Die Theo und Friedl Schöller-Stiftung hat diesem Projekt den diesjährigen Friedl Schöller-Preis für Kindermedizin verliehen. Insgesamt fördert die Stiftung 18 innovative Projekte mit rund 80.000 Euro.
Wer gesund werden möchte, braucht mehr als eine bestmögliche Therapie. Das gilt insbesondere für Kinder, die anders als Erwachsene oft nicht verstehen, warum sie plötzlich in einem Krankenhaus sind – fern vom gewohnten Alltag. Studien zeigen, dass eine positive und auf Kinder abgestimmte Umgebung Stress und Angst reduzieren sowie das Wohlbefinden von jungen Patientinnen und Patienten fördern kann. Auch die Forschung zur sogenannten heilungsfördernden Architektur weist darauf hin, dass Architektur, Licht, Farben, Akustik und Orientierung einen wichtigen Beitrag im Genesungsprozess leisten.
20 bunte Fabelwesen als Mutmacher und Orientierungshelfer im Kinderklinikum
„Kinder brauchen in einer Ausnahmesituation wie einem Krankenhausaufenthalt nicht nur medizinische Versorgung auf höchstem Niveau, sondern auch eine Umgebung, die Sicherheit, Orientierung und ein Stück Normalität vermittelt. Um ein wirklich kindgerechtes Kinderklinikum bauen zu können, haben wir das Kinderbeteiligungsprojekt mit dem Jugendamt der Stadt Nürnberg ins Leben gerufen“, sagte Dr. Markus Ries, geschäftsführender Direktor des Klinikums Nürnberg Campus Süd bei der Preisverleihung, an der Dr. Christoph von Imhoff vom Stiftungsrat der Schöller-Stiftungen teilnahm.
Zu der Veranstaltung im Rahmen des Sommerfestes vom Verein Klabautermann war auch der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein, der zum Botschafter-Team des Neubauprojekts zählt und Repräsentant der Schöller-Stiftungen ist, gekommen. „Im Kinderbeteiligungsprojekt ist auch die Idee mit den Frizzies entstanden. Damit schaffen wir kleine positive Ankerpunkte, die Mut machen und den Klinikalltag freundlicher gestalten. Ich freue mich sehr, dass die Theo und Friedl Schöller-Stiftung dieses Engagement nun belohnt“, erklärte Dr. Ries. „Es freut uns sehr, die Kindermedizin in Nürnberg sowohl beim Neubau als auch bei der Förderung ganz konkreter Bedürfnisse von Kindern zu unterstützen“, sagte Dr. Christoph von Imhoff, Stiftungsrat der Theo und Friedl Schöller-Stiftung. „Wir sind auch in diesem Jahr begeistert von der Vielfalt der für den Friedl Schöller-Preis eingereichten Vorschläge und dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Klinikum Nürnberg.“
Ein bisschen Tier, ein bisschen Fantasiefigur
Die Frizzies sind Fabelwesen – ein bisschen Tier, ein bisschen Fantasiefigur, eine kunterbunte Freundesschar, ausgestattet mit originellen Accessoires. Gezeichnet wurden sie von Alex Chauvel exklusiv für das neue Kinderklinikum. Chauvel ist ein französischer Comiczeichner, der neben Independent-Comics auf Kinder- und Jugendillustrationen spezialisiert ist.
Damit die Frizzies auch kindgerecht aussehen, wurden die Fabelwesen durch einen „Kinder-TÜV“ geschickt. So war das Kinderbeteiligungsprojekt von Beginn an in die Ausgestaltung und die Namensgebung der Figuren eingebunden. Die Frizzies werden künftig als Dekoration oder Illustrationen unter anderem an den Wänden in Fluren und Wartebereichen, an den Betten und auf den Stationen auftauchen. Jedes Wesen besitzt einen eigenen Charakter und soll dazu beitragen, dass das neue Kinderklinikum nicht nur ein moderner medizinischer Ort, sondern auch ein Raum zum Wohlfühlen wird. Auch sollen Spiele, Bücher, interaktive Angebote und andere Frizzi-Souvenirs beschafft werden, um den Kindern im Kinderklinikum Ablenkungsmöglichkeiten anzubieten.
Ein medizinisches Laufband für die Kinder-Pneumologie
Neben den Frizzies fördert die Theo und Friedl Schöller-Stiftung 17 weitere innovative Projekte, welche die medizinische Versorgung von Kindern, Neugeborenen und Familien in vielfältiger Weise verbessern. Das Spektrum reicht von modernen Diagnose- und Therapieverfahren über innovative Konzepte in Geburtshilfe und Neonatologie bis hin zu praxisnaher Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals.
Auch das Engagement im Bereich der Diagnostik wird berücksichtigt. So wird ein medizinisches Laufband für die Kinderpneumologie am Klinikum Nürnberg angeschafft. Damit kann das Team um Oberarzt Dr. Dr. Michael Kandler die diagnostischen Möglichkeiten zur Abklärung von Atemnot bei körperlicher Belastung weiter verbessern. Viele Kinder und Jugendliche klagen beim Sport oder Toben über Luftnot – die Ursachen reichen von fehlender körperlicher Fitness oder Übergewicht bis hin zu Erkrankungen wie belastungsinduziertem Asthma. Mithilfe eines standardisierten Belastungstests auf dem speziell für Kinder ausgestatteten Laufband können diese Ursachen zuverlässig unterschieden werden. Im Gegensatz zu freiem Laufen oder einer Belastung auf dem Fahrradergometer wird dabei eine gezielte und reproduzierbare Belastung erreicht, die eine aussagekräftige Beurteilung der Lungenfunktion ermöglicht. Das Laufband ist mit kindgerechten Handläufen sowie einem umfassenden Sicherungssystem aus Sicherheitsbügel und Brustgeschirr ausgestattet, sodass die Untersuchung auch für jüngere Patientinnen und Patienten sicher durchgeführt werden kann.
Laser für die Wundheilung in der Geburtshilfe und ein Frühwarnsystem für Neugeborene
Die Geburtshilfe kann mit Hilfe der Theo und Friedl Schöller-Stiftung ihr Angebot um eine moderne und schonende Behandlungsmöglichkeit für Wöchnerinnen erweitern. Die sogenannte Low-Level-Lasertherapie unterstützt die Wundheilung bei wunden Brustwarzen, nach einem Kaiserschnitt sowie bei Verletzungen nach einer vaginalen Geburt. Durch die gezielte Förderung der Heilungsprozesse können Schmerzen gelindert, Komplikationen reduziert und die Regeneration beschleunigt werden. Insbesondere stillende Mütter profitieren von einer schnelleren Heilung wunder Brustwarzen, was den erfolgreichen Stillbeginn erleichtert und einem vorzeitigen Abstillen entgegenwirken kann. Da die Behandlung nur wenige Minuten dauert und sich unkompliziert in die bestehenden Abläufe integrieren lässt, trägt die Low-Level-Lasertherapie nachhaltig zu einer verbesserten Versorgung und einem höheren Wohlbefinden von Mutter und Kind bei.
In der Neonatologie wird die Weiterentwicklung eines Frühwarnsystems namens „Neo-Early Warning Score“ gefördert. Das System unterstützt Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte dabei, klinische Verschlechterungen bei Neugeborenen anhand standardisierter Beobachtungen und Vitalparameter frühzeitig zu erkennen und schnell die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Das System hat sich in der Praxis bereits bewährt – auf den Stationen werden Aussehen, Verhalten und Atmung der Neugeborenen überwacht, ausgewertet und auf einen möglichen Handlungsbedarf geprüft. Jetzt sind Oberärztin Dr. Katja Knab und Walter Spruck, Fachkinderkrankenpfleger für Intensivmedizin in der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche, dabei, den Score für die Eltern, also medizinische Laien, anzupassen. So trägt das Projekt auch nach der Entlassung dazu bei, die Versorgung der kleinsten Patientinnen und Patienten noch sicherer und individueller zu gestalten.
Theo und Friedl Schöller-Stiftung fördert das Klinikum Nürnberg umfassend
Der Friedl Schöller-Preis für Kindermedizin wird in diesem Jahr bereits zum dritten Mal vergeben. Ausgezeichnet werden einmal im Jahr Projekte oder Personen, die durch ihre Ideen aus Versorgung, Forschung oder mit ihrem besonderen Engagement die Jury überzeugen. Die Jury besteht aus dem langjährigen Medizinischen Direktor, Prof. Dr. Bert Reichert, der pflegerischen Direktorin des Campus Süd, Nadine Heym, dem geschäftsführenden Direktor des Campus Süd, Dr. Markus Ries (alle Klinikum Nürnberg), sowie Vertretern der Schöller-Stiftungen.
Insgesamt werden in diesem Jahr über die Friedl Schöller-Förderung, die Hauptunterstützer für das Neubauprojekt und Namensgeber für das neue Gebäude ist, 18 Projekte in der kindermedizinischen Versorgung unterstützt. Gemeinsames Ziel aller Projekte ist die Verbesserung der Versorgung von Patientinnen, Patienten und Angehörigen, die Steigerung der Motivation von Mitarbeitenden und Teams sowie die nachhaltige Stärkung der Kindermedizin und Geburtshilfe. Dr. Markus Ries gratulierte den Projektverantwortlichen: „Förderungen wie diese ermöglichen uns, Projekte voranzutreiben und die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern. Ich bedanke mich bei der Theo und Friedl Schöller-Stiftung für die großzügige Unterstützung sowie bei den Kolleginnen und Kollegen aus der Kindermedizin und Geburtshilfe dafür, dass Sie sich jedes Jahr neben der täglichen Arbeit für innovative Projekte engagieren und Ihre Ideen einbringen.“
Bild: Die Theo und Friedl Schöller-Stiftung zeichnet in diesem Jahr 18 Projekte aus dem Bereich Kindermedizin und Geburtshilfe aus. Im Bild die Preisträgerinnen und Preisträger sowie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein (3. v. r.), Dr. Christoph von Imhoff vom Stiftungsrat der Schöller-Stiftungen (2. v. r.) und Dr. Markus Ries, geschäftsführender Direktor des Klinikums Nürnberg Campus Süd (4. v. r.).
Foto: Florian Eckert, Klinikum Nürnberg