30.06.2024
Seit Oktober 2023 ist Prof. Dr. med. Felix Hüttner als leitender Oberarzt in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie tätig. Im nachfolgenden Interview berichtet er über seinen beruflichen Werdegang und beschreibt seinen bisherigen Eindruck vom Klinikum Nürnberg. Darüber hinaus geht es um seine wissenschaftlichen Interessen, insbesondere sein aktuell größtes Forschungsprojekt: eine von der DFG geförderte IIT zum Thema Pankreaslinksresektion bei Bauchspeicheldrüsentumoren.
Herr Prof. Dr. med. Hüttner, bitte beschreiben Sie Ihren bisherigen beruflichen Werdegang.
Nach meinem Studium an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, habe ich meine Weiterbildung zum Allgemeinchirurgen an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg unter Herrn Prof. Markus W. Büchler begonnen. Während meiner Weiterbildung war ich neben der Tätigkeit am Universitätsklinikum Heidelberg auch in Rotationen an den dortigen Satellitenkliniken tätig, insbesondere am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim und an der GRN-Klinik in Sinsheim. Hierdurch konnte ich das gesamte Spektrum der Allgemein- und Viszeralchirurgie sowohl aus Sicht eines universitären Maximalversorgers als auch regionaler Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung kennenlernen.
Während meiner Zeit in Heidelberg arbeitete ich sowohl klinisch wie auch wissenschaftlich bereits sehr eng mit Herrn Prof. Markus Diener zusammen, der damals dort Oberarzt war und das Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie leitete. Nach meinem Facharzt für Allgemeinchirurgie und der anschließenden Habilitation trat ich im Jahr 2020 eine neue Herausforderung als Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums Ulm an. Hier konnte ich gemeinsam mit dem damals neuen Ärztlichen Direktor der Klinik, Herrn Prof. Christoph Michalski, die Klinik mit aufbauen und umstrukturieren. Neben der Weiterentwicklung meiner klinischen und operativen Fähigkeiten konnte ich dort insbesondere auch Erfahrungen in der Leitung und Entwicklung einer Chirurgischen Klinik sammeln. Unter anderem war ich dort am Aufbau des Interdisziplinären Robotikzentrums, des Klinischen Studienzentrums sowie an mehreren Digitalisierungsprojekten maßgeblich beteiligt.
Zudem konnte ich im Jahr 2023 noch meinen Facharzt für Viszeralchirurgie absolvieren und wurde aufgrund meiner Leistungen in Forschung und Lehre zum außerplanmäßigen Professor der Universität Ulm ernannt. Nun bin ich seit dem 1. Oktober 2023 als Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Klinikum Nürnberg unter Herrn Prof. Markus Diener tätig und kann hier meine bisherigen Erfahrungen einsetzen, um die Klinik weiterzuentwickeln.
Sie sind erst seit Kurzem am Klinikum Nürnberg tätig. Wie ist ihr bisheriger Eindruck?
Das Klinikum Nürnberg ist ein besonderes Krankenhaus und das nicht nur wegen seiner immensen Größe. Das war mir bereits beim ersten Betreten der Klinik klar. Auch das breite Spektrum und die Qualität der medizinischen Versorgung sind herausragend und das Klinikum kann sich diesbezüglich absolut mit den großen universitären Krankenhäusern in Deutschland messen. Zusammen mit der PMU besteht mittlerweile ohnehin auch ein akademisches Umfeld, das tolle Möglichkeiten bietet.
Ich persönlich wurde vom gesamten Team unserer Klinik aber auch der klinischen Partner wie z.B. der Anästhesie, Gastroenterologie, Onkologie, Radiologie und Strahlentherapie sehr gut und freundlich aufgenommen. Das erleichtert natürlich von Beginn an die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die ich sehr schätze und die hier sehr gut funktioniert. Insbesondere aber auch der interprofessionelle Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen der Pflege auf Augenhöhe ist besonders und hat bei mir vom ersten Moment an einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.
Neben Ihrer klinischen Tätigkeit sind Sie auch in der Forschung tätig. Wo liegen Ihre wissenschaftlichen Interessen?
Meine wissenschaftlichen Interessen liegen in erster Linie im Bereich der klinischen, Patientenorientierten Forschung insbesondere zu Themen der Chirurgischen Onkologie. Hierbei erstrecken sich meine bisherigen Projekte über die Pankreas-, Leber- und Kolorektalchirurgie hin zu modernen Methoden wie dem Einsatz der robotischen Leberchirurgie und dem Einsatz von Virtual Reality bei Eingriffen in Lokalanästhesie.
Neben der Durchführung einiger systematischer Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen konnte ich während meiner Zeit in Heidelberg und Ulm auch mehrere, teils multizentrische randomisiert-kontrollierte Studien initiieren und durchführen. Gerade auch das Umfeld des Studienzentrums der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC) in Heidelberg, welches damals von meinem jetzigen Chef, Herrn Prof. Diener, geleitet wurde, stellte hierfür die optimale Basis und Infrastruktur dar, um eigene Ideen in die Tat umzusetzen.
Konkret sind Sie gerade dabei eine durch die DFG geförderte IIT (Investigator-Initiated Trial) zum Thema der Pankreaslinksresektion durchzuführen. Worum geht es darin genau und was erhoffen Sie sich von diesem Projekt?
Bekanntlichermaßen sind Tumore der Bauchspeicheldrüse leider sehr aggressive Tumoren. Bei Tumoren, die im Körper und Schwanz der Bauchspeicheldrüse lokalisiert sind, stellt die Pankreaslinksresektion häufig die einzige potenziell kurative Behandlung im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts dar. Nichtsdestotrotz kommt es in einem beträchtlichen Anteil der Fälle zu einer R1-Situation, was bedeutet, dass Tumorzellen mikroskopisch bis unmittelbar an den Absetzungsrand nachweisbar sind. Dies betrifft in den meisten Fällen nicht den Schnittrand im Bereich der Bauchspeicheldrüse, sondern den Absetzungsrand hinter der Bauchspeicheldrüse (dorsal) in Richtung des Retroperitoneums.
In dem geplanten Projekt wird die standardmäßige Pankreaslinksresektion (bisheriger Referenzstandard) im Rahmen einer multizentrischen, randomisiert-kontrollierten Studie mit der sogenannten RAMPS-Technik verglichen. RAMPS steht für „radical antegrade modular pancreatosplenectomy“ und beschreibt eine etwas radikalere Operationstechnik, die eine etwas ausgedehntere Lymphknotenentfernung sowie eine tiefere hintere Resektionsebene, welche je nach Befunden der Bildgebung „modular“ festgelegt wird, umfasst. Wir erhoffen uns hierdurch eine höhere Rate an R0-Resektionen, d.h. auch mikroskopisch vollständige Tumorresektionen, zu erreichen, was sich wiederum auf das Überleben der Patienten niederschlagen sollte, da eine R0-Situation einen der wichtigsten prognostischen Faktoren darstellt.
Bei einer IIT tritt die ausführende Einrichtung – also in diesem Fall das Klinikum Nürnberg – als Sponsor auf. Welche Herausforderungen ergeben sich dadurch in Bezug auf die Planung und Durchführung der Studie?
Bei einer IIT liegt im Gegensatz zu Industrie-initiierten Studien die gesamte Verantwortung für die Durchführung der Studie bei der ausführenden Einrichtung. Dies beginnt in der Planungsphase der Studie und bedeutet unter anderem, dass alle studienrelevanten Dokumente wie z.B. das Studienprotokoll und die Patienteninformation, von der Studienleitung erstellt werden müssen. Auch die Einholung einer zustimmenden Bewertung durch die zuständige Ethikkommission und die Auswahl und Koordination der beteiligten Zentren muss durch die Studienleitung erfolgen. Während der Durchführung der Studie liegt die Verantwortung für die Protokoll-konforme Durchführung der Studie sowie die zuverlässige Datenerfassung ebenfalls bei der Studienleitung. Nach Abschluss der Studie liegt dann auch die Analyse der Daten und die Interpretation sowie die Verbreitung und Kommunikation der Ergebnisse in unserer Hand.
So eine Aufgabe kann man natürlich nicht alleine stemmen, sondern man benötigt hierzu verlässliche Partner, die einem bei den einzelnen Schritten unterstützen. Intern sind das insbesondere die Kolleginnen und Kollegen des Forschungsmanagements und Services (FMS), die uns tatkräftig unterstützen. Im Rahmen der RAMPS-Studie sind daneben auch noch ehemalige Kolleginnen und Kollegen des Universitätsklinikums Heidelberg, des SDGC und des Instituts für Medizinische Biometrie in Heidelberg als Kooperationspartner beteiligt. Nur im Team ist es möglich eine solche Aufgabe zu bewältigen.
Was sind Ihre weiteren beruflichen und wissenschaftlichen Ziele?
Das Schöne für mich ist, dass sich meine beruflichen und wissenschaftlichen Ziele meist sehr gut verbinden lassen. Sowohl in der Wissenschaft wie auch klinisch verfolge ich einen Patienten-orientierten Ansatz, wobei ich versuche die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten immer weiter zu optimieren und verträglicher zu machen. Wissenschaftlich möchte ich dabei meine laufenden Projekte wie bspw. die RAMPS-Studie zum erfolgreichen Abschluss führen und das Interesse und den Spaß an der klinischen Forschung an junge Kolleginnen und Kollegen unserer Klinik weitervermitteln, so dass in Zukunft weitere IIT-Projekte am Klinikum Nürnberg entstehen können. Dies ist gleichermaßen auch eines meiner beruflichen Ziele, da wir derzeit mit dem Aufbau eines klinischen Studienzentrums in unserer Klinik beschäftigt sind, das von Oberarzt Dr. Patrick Herger geleitet wird, der ebenfalls erst seit Kurzem am Klinikum Nürnberg ist. Eine solche Infrastruktur ist die Basis für derartige Projekte in der Zukunft. Ansonsten möchte ich unsere Klinik durch meine Fähigkeiten und Erfahrungen noch weiter zu einem modernen chirurgischen Zentrum entwickeln, so dass wir ein attraktiver Standort für junge und motivierte Chirurginnen und Chirurgen werden.
Ausgewählte Publikationen und Preise
Ausgewählte Publikationen:
- Diener MK*, Hüttner FJ*, Kieser M, Knebel P, Dorr-Harim C, Distler M, et al. Partial pancreatoduodenectomy versus duodenum-preserving pancreatic head resection in chronic pancreatitis: the multicentre, randomised, controlled, double-blind ChroPac trial. Lancet, 2017. 390(10099): 1027-1037. *contributed equally; IF (2017): 53,524
- Hüttner FJ, Bruckner T, Hackbusch M, Weitz J, Bork U, Kotschenreuther P, et al. Primary Open Versus Closed Implantation Strategy for Totally Implantable Venous Access Ports: The Multicentre Randomized Controlled PORTAS-3 Trial. Ann Surg. 2020 Dec;272(6):950-960; IF (2020): 12,969
- Hüttner FJ, Probst P, Kalkum E, Hackbusch M, Jensen K, Ulrich A, et al. Addition of platinum derivatives to fluoropyrimidine-based neoadjuvant chemoradiotherapy for stage II/III rectal cancer: systematic review and meta-analysis. J Natl Cancer Inst, 2019. 111(9): 887-902. IF (2019): 11,577
- Hüttner FJ, Klotz R, Ulrich A, Büchler MW, and Diener MK. Antecolic versus retrocolic reconstruction after partial pancreaticoduodenectomy. Cochrane Database Syst Rev. 2022 Jan 11;1(1):CD011862. IF (2021): 12,008
- Probst P*, Hüttner FJ*, Meydan Ö, Abu Hilal M, Adham M, Barreto SG, et al. Evidence Map of Pancreatic Surgery-A living systematic review with meta-analyses by the International Study Group of Pancreatic Surgery (ISGPS). Surgery. 2021 Nov;170(5):1517-1524. IF (2021): 4,348
Preise/ Auszeichnungen:
- 03/2018: David-Sackett-Preis, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin
- 12/2018: Aufnahme in die Exzellenzakademie, Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie
- 04/2020: Felicien-Steichen-Preis, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie
- 04/2023: Reisestipendium, Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie