30.09.2025
In der aktuellen Ausgabe beleuchten wir die Forschung der Abteilung für Rheumatologie: Herr Prof. Dr. Axel Hueber und PMU-Alumna Frau Dr. med. univ. Vanessa Bartsch sprechen über ihren persönlichen Werdegang und die Forschungsleistungen und Entwicklungen der Rheumatologie am Klinikum Nürnberg.
Frau Dr. Bartsch, Herr Prof. Dr. Hueber, bitte beschreiben Sie Ihren bisherigen beruflichen Werdegang.
A. Hueber: Nach meinem Medizinstudium begann ich meine Facharztausbildung an der Klinik für Rheumatologie der Universitätsklinik Erlangen. Von 2007 bis 2010 war ich als Clinical Research Fellow mit einem Stipendium der DFG an der University of Glasgow tätig und promovierte dort zum PhD. Nach meiner Rückkehr nach Erlangen gründete ich eine eigene Forschungsgruppe, in der wir uns vor allem mit der Rolle von Zytokinen in der Pathogenese rheumatischer Erkrankungen, der Durchführung humaner translationaler Studien sowie mit Aspekten der Digitalisierung in der Medizin beschäftigten. Seit 2021 leite ich die Abteilung für Rheumatologie an der Medizinischen Klinik 5 des Klinikums Nürnberg. Wissenschaftlich bin ich weiterhin mit der Medizinischen Klinik 3 (Universitätsklinikum Erlangen, FAU) assoziiert, wo mir 2023 die außer planmäßige Professur verliehen wurde. 2024 wurde ich zum Professor für Rheumatologie und Immunologie an der PMU berufen.
V. Bartsch: Ich habe zunächst Biologie in Erlangen und München studiert. Anschließend führte mich mein Weg nach Wien und London, wo ich als Aquarianerin tätig war und dadurch internationale und wissenschaftliche Erfahrungen sammelte. Anschließend habe ich an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Nürnberg Humanmedizin studiert, die studentische Sono-AG geleitet und meine Diplomarbeit im Bereich Rheumatologie geschrieben. Aktuell arbeite ich als Assistenzärztin in der Medizinischen Klinik 5 und mache meine Facharztausbildung in Innerer Medizin und Rheumatologie. Derzeit promoviere ich an der Medizinischen Klinik 3 (FAU) zum Dr. med.
Herr Prof. Dr. Hueber, was hat Sie dazu bewegt, 2021 ans Klinikum Nürnberg zu wechseln und die Leitung der Rheumatologie zu übernehmen? Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt?
Die Aufgabe in Nürnberg war für mich in mehrfacher Hinsicht reizvoll. Zum einen bietet das Klinikum Nürnberg als Maximalversorger mit einer hohen Patientenzahl ideale Voraussetzungen für eine moderne, patientenzentrierte Rheumatologie. Zum anderen war es für mich eine spannende Herausforderung, eine eigene Abteilung aufzubauen, neue klinische Strukturen zu etablieren und gleichzeitig wissenschaftliche Aktivitäten in die Versorgung zu integrieren. Mich freut es vor allem, Forschung, Lehre und klinische Versorgung unter einem Dach verbinden zu können.
Frau Dr. med. univ. Bartsch, Sie haben an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Nürnberg studiert und sind auch im Anschluss vor Ort geblieben. Was waren Ihre Beweggründe? Was fasziniert Sie besonders an der Rheumato logie?
Der Weg in die Rheumatologie war zunächst ein glücklicher Zufall: Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich mich mit dem Ultraschall-Screening zur Früherkennung der Psoriasis-Arthritis beschäftigt. Die Ergebnisse konnte ich direkt im Anschluss publizieren. Besonders fasziniert mich an der Rheumatologie die große Bandbreite rheumatischer Erkrankungen. Gleichzeitig bietet das Fach dank moderner Diagnostik und Therapieansätze die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten spürbar zu helfen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Ein weiterer entscheidender Grund war das engagierte Team vor Ort. Hier wird klinische Forschung auf hohem Niveau betrieben, eingebettet in eine sehr patientenorientierte Versorgung.
Neben Ihrer klinischen Tätigkeit betreiben Sie auch Forschung. Herr Prof. Dr. Hueber, als erfahrener Arzt und Wissenschaftler, wie gelingt es Ihnen hier in Nürnberg Medizin und Wissenschaft zu vereinbaren?
In der Rheumatologie gelingt es uns, klinische Fragestellungen gezielt in wissenschaftliche Projekte zu überführen und umgekehrt neue Forschungserkenntnisse zeitnah in die Patientenversorgung zu integrieren. Das funktioniert vor allem dank eines hochmotivierten Teams, forschungsaffiner Infrastruktur in der Medizinischen Klinik 5, einer sehr guten Zusammenarbeit mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität sowie durch unsere Kooperationen mit anderen Abteilungen am Klinikum Nürnberg.
Frau Dr. med. univ. Bartsch, in den vergangenen Jahren haben Sie mehrfach erfolgreich publiziert. Zweimal davon als Erstautorin im Journal „Rheumatology“ (IF: 4.4). Wo liegen Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte? Was sind Ihre weiteren beruflichen und wissenschaftlichen Ziele und welche wissenschaftlichen Projekte sind zukünftig geplant?
Inhaltlich liegt mein Schwerpunkt in der Versorgungsforschung innerhalb der Rheumatologie. Aktuell betreue ich mehrere Projekte am Klinikum Nürnberg, die sich unter anderem mit Einflussfaktoren auf die Adhärenz zu Basistherapeutika, mit der Versorgungssituation von Patientinnen und Patienten mit Psoriasis-Arthritis, mit Komorbiditäten bei rheumatischen Erkrankungen sowie mit Aspekten der geriatrischen Versorgung befassen. Besonders erfreulich ist für mich die kürzlich zugesprochene Förderung durch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie für ein gemeinsames Verbundprojekt mit der Rheumatologie in Bad Abbach. Auch im Bereich der Geriatrie konnte ich Fördermittel der Schöller-Stiftung einwerben. Diese positive Dynamik möchte ich in Zukunft gerne beibehalten. Beruflich strebe ich den Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie an. Perspektivisch hoffe ich, meine klinische und wissenschaftliche Arbeit auch langfristig am Standort Nürnberg fortsetzen und weiterentwickeln zu können.
Herr Prof. Dr. Hueber, wo sehen Sie Ihre Abteilung in den nächsten 5 Jahren? Welche Ziele gilt es zu verfolgen?
Die rheumatologische Versorgung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Aktuell fehlen bundesweit rund 700 Fachärztinnen und Fachärzte, um den Versorgungsbedarf zu decken, insbesondere im ambulanten Bereich. Die Situation wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen, da rund 30 % der aktuell tätigen Rheumatologinnen und Rheumatologen kurz vor dem Ruhestand stehen. Daher ist es unser Ziel, in den nächsten fünf Jahren die rheumatologische Versorgung im Großraum Nürnberg spürbar zu verbessern. Ein zentraler Baustein ist der Aufbau ambulanter Strukturen, die Etablierung einer Hochschulambulanz (HSA) und Digitalisierung. Langfristig ist uns wichtig Versorgung, Forschung und Lehre auf hohem Niveau zu vereinen.
Ausgewählte Publikationen:
- Disease-associated brain activation pre dicts clinical response to TNF inhibition in rheumatoid arthritis (PreCePra): a randomised, multicentre, double-blind, placebo-controlled phase 3 study. Hess A, Tascilar K, Schenker HM, Konerth L, Schönau V, Sergeeva M, Kreitz S, Prade J, Strobelt S, Selvakumar M, Kleyer A, Englbrecht M, Hueber AJ, Zaiss MM, Feist E, Burmester GR, Voll RE, Finzel S, Baerwald C, Rösch J, Behrens F, Koehm M, da Silva JAP, Damjanov N, Dörfler A, Schett G, Rech J.; Lancet Rheumatol. 2025
- Improving preventive health in inflammatory rheumatic diseases: A randomized controlled trial of an educational video intervention. Bartsch V, Habboub B, Standfest K, Ausserwinkler M, Knitza J, Schett G, Hueber AJ.; Rheumatology (Oxford). 2025
- Diagnostic Accuracy of a Mobile AI-Based Symptom Checker and a Web-Based Self Referral Tool in Rheumatology: Multicenter Randomized Controlled Trial. Knitza J, Tascilar K, Fuchs F, Mohn J, Kuhn S, Bohr D, Muehlensiepen F, Bergmann C, Labinsky H, Morf H, Araujo E, Englbrecht M, Vorbrüggen W, von der Decken CB, Kleinert S, Ramming A, Distler JHW, Bartz- Bazzanella P, Vuillerme N, Schett G, Welcker M, Hueber A.; J Med Internet Res. 2024
- Abatacept inhibits inflammation and onset of rheumatoid arthritis in individuals at high risk (ARIAA): a randomised, international, multicentre, double-blind, placebo-controlled trial. Rech J, Tascilar K, Hagen M, Kleyer A, Manger B, Schoenau V, Hueber AJ, Klein ert S, Baraliakos X, Braun J, Kiltz U, Fleck M, Rubbert-Roth A, Kofler DM, Behrens F, Feuchtenberger M, Zaenker M, Voll R, Venhoff N, Thiel J, Glaser C, Feist E, Burmester GR, Karberg K, Strunk J, Cañete JD, Senolt L, Filkova M, Naredo E, Largo R, Krönke G, D‘Agostino MA, Østergaard M, Schett G.; Lancet. 2024
- Screening for psoriatic arthritis in dermatological settings - are handheld ultra-sound devices the gamechangers we hoped for? Bartsch V, Fagni F, Krieter M, Ibrahim M, Temiz SA, Yalcin-Mutlu M, Schett G, Simon D, Hueber AJ.; Rheumatology (Oxford). 2024