Notfallservice
  • Fit im Alter: 30 Jahre Geriatrische Tagesklinik

    Die Geriatrische Tagesklinik auf dem Campus Nord macht ältere Menschen wieder fitter für das längere Leben zu Hause.

24.08.2026

Seit 30 Jahren schließt die Geriatrische Tagesklinik des Klinikums Nürnberg die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung älterer Menschen. Ihr Ziel bleibt: medizinische Diagnostik und Therapie verbinden, damit die Patienten möglichst lange selbstständig und mit hoher Lebensqualität leben. 

Wie oft Christel Winter schon im Krankenhaus lag – sie hat aufgehört zu zählen. Sie hat Krebs überstanden und lange ihren kranken Mann gepflegt. „Im Alter wird alles nicht einfacher.“ Dank einer Putzhilfe kommt die 82-Jährige in Fürth noch gut allein zurecht. Doch in letzter Zeit lassen Durchblutung und Gleichgewicht nach. Einmal stürzte sie im Bus, zum Glück ohne schlimme Folgen. Seitdem fühlt sie sich unsicher auf den Beinen. 

Hoffnung schöpft sie aus ihrem Aufenthalt in der Geriatrischen Tagesklinik des Klinikums Nürnberg. Nach dem Vormittagsprogramm – Einzeltraining beim Physiotherapeuten, Gruppengymnastik, Untersuchung der Halsschlagadern und eine entspannende Massage – zieht sie am Ende ihrer ersten Woche Bilanz: „Ich fühle mich schon wieder mobiler.“

Dreiwöchiges multimodales Programm

Christel Winter kennt die Tagesklinik gut, sie war schon zweimal dort und lobt das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen. „Ich fühle mich sehr wohl hier und würde es jedem empfehlen. Man fühlt sich verstanden, das Personal hat immer ein offenes Ohr.“ Dass sich hier alle um ihre Gesundheitsfragen kümmern, stärkt auch ihre Psyche.

Ob nach einem Sturz, bei Herzschwäche, Diabetes, COPD, chronischen Schmerzen oder ersten kognitiven Einschränkungen: Verschlechtert sich die Gesundheit im Alter schleichend, reicht ambulante Hilfe oft nicht mehr – ein Krankenhausaufenthalt ist aber noch nicht nötig. Genau hier setzt die Geriatrische Tagesklinik des Klinikums Nürnberg an. 

„Wenn ein älterer Mensch in seinem häuslichen Umfeld schon funktionell beeinträchtigt ist und wenn es deshalb sowohl einen internistisch-geriatrischen als auch pflegerischen Handlungsbedarf gibt, kommen wir als teilstationäre Einrichtung infrage“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Gosch, Chefarzt der Klinik für Geriatrie. „Unser multiprofessionelles Team kümmert sich in dem dreiwöchigen Programm aus einer Hand um die ausführliche medizinische Abklärung und die therapeutische Aktivierung.“ Haus- oder Fachärzte überweisen die Patienten, die meist über 70 Jahre alt sind; ein Pflegegrad ist weder Voraussetzung noch Hindernis. Wichtig: Die Tagesklinik arbeitet akutmedizinisch und ersetzt keine Reha.

15 Plätze auf der vierten Etage in Haus 10

Im Dr.-Theo-Schöller-Haus auf dem Campus Nord stehen 15 Plätze bereit. Von Montag bis Freitag folgen die Patienten neben Untersuchungen ihrem individuellen Behandlungsplan mit Einzel- und Gruppentherapien: Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie gehören ebenso dazu wie Kontinenzberatung, Sturzprophylaxe, Medikamententraining, psychologische Betreuung und der Sozialdienst, der vor der Entlassung weiterführende Hilfen vermittelt, bis zur Wohnraumberatung. Taxis bringen die Patienten morgens zur Klinik und nachmittags zurück nach Hause. 

Prof. Gosch sieht die von seinem Vorvorgänger Prof. Dr. Dieter Platt 1996 gegründete Einrichtung weiterhin als Modell für die Zukunft. „Die Tagesklinik beweist, was das Prinzip ,ambulant vor stationär‘ leisten kann. Viele Patienten berichten uns, wie gut ihnen der Aufenthalt getan hat. Wir wissen von Wiederkehrern, dass unser Programm fruchtet und sie zu Hause wieder für eine ganze Weile besser zurechtkommen.“ So lassen sich manche Krankenhausaufenthalte vermeiden. 

Für Pflegedienstleiterin Tanja Vaheri liegt der Behandlungserfolg im „ganzheitlichen geriatrischen Blick. Wir schauen nicht primär auf die Defizite, die die Patienten mitbringen, sondern auf ihre Ressourcen und stärken diese“. Beispiel Gangunsicherheit: Bei einer genauen Analyse lässt sich die passende Gehhilfe finden, die nicht automatisch ein Rollator sein muss. Und für alle Gäste gilt: Die Tagesstruktur mit gemeinsamem Mittagessen und Gesprächen im Aufenthaltsraum hilft auch gegen Einsamkeit.

Katja Windisch kann das nur bestätigen. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet seit 2002 in der Geriatrischen Tagesklinik. „Es macht mir sehr viel Spaß, die älteren Menschen hier zu fördern. Wir sehen unmittelbare Erfolge und erleben viel Dankbarkeit.“ Sie nennt ein Beispiel: Jemand leidet unter unklarem Schwindel und Herzschwäche, ist schon gestürzt und verliert den Überblick über die Medikamente. „Oft können wir ihn in drei Wochen so gut stabilisieren, dass er in deutlich besserem Allgemeinzustand und mit mehr Selbstvertrauen nach Hause geht. Im Team schauen wir über den Tellerrand hinaus.“

Ende Juli 2026 feierten Mitarbeitende und Wegbegleiter der Geriatrischen Tagesklinik das 30. Jubiläum – mit Geburtstagskuchen. Unter den Gästen waren der Direktor der AOK Bayern in Mittelfranken, Horst Leitner, und der Nürnberger Hausarzt Dr. Dirk Altrichter vom Gesundheitsnetz „QuE“, die an einer Diskussionsrunde teilnahmen.

Wunsch nach gesetzlicher Klarheit

Nachdem das Klinikum Nürnberg die Tagesklinik 2023 aus wirtschaftlichen Gründen verkleinern musste, formuliert Chefarzt Prof. Gosch einen klaren Wunsch für die Zukunft: eine präzisere gesetzliche Regelung für diese Einrichtungen. „Die Indikationen für die Behandlung in einer Geriatrischen Tagesklinik müssen klar definiert sein, um das Konzept vom vollstationären und vom ambulanten Bereich besser abgrenzen zu können und es so wirtschaftlich abzusichern.“

Marcel Fleig, geschäftsführender Direktor des Campus Nord, blickte auf die Meilensteine der Tagesklinik zurück. Was 1996 als innovatives und keineswegs selbstverständliches Konzept für die ganzheitliche Versorgung älterer und multimorbider Patienten begann, ist heute ein unverzichtbarer Teil der Geriatrie am Klinikum Nürnberg. Er dankte den Förderern, allen voran der Theo und Friedl Schöller-Stiftung, sowie Chefarzt Prof. Gosch und dem gesamten Team. „Menschlichkeit, Geduld und individuelle Betreuung – Sie alle tragen dazu bei, dass die Patientinnen und Patienten möglichst lang ein eigenständiges Leben führen können. Wir sind stolz, dass wir die Geriatrische Tagesklinik haben.“

Stationsleiterin Fernanda Paiva mit Chefarzt Univ.-Prof. Dr. Markus Gosch und Dr. Dirk Altrichter (re.), der für das Gesundheitsnetz "QuE" mit einem Geburtstagskuchen gratulierte.

Bild oben: Patientin Christel Winter tut der Aufenthalt in der Geriatrischen Tagesklinik schon zum wiederholten Mal gut – im Bild mit Pflegekraft Katja Windisch (re.).

Fotos: Julia Peter, Luisa Schuster / Klinikum Nürnberg

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Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie
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