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  • Medizinstudierende der PMU packen in Bassar mit an

    Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Nürnberg ermöglicht neuerdings Famulaturen an einem Partnerkrankenhaus in Togo.

07.05.2026

Der Krankenhausalltag in Westafrika ist weit weg vom deutschen. Umso mehr können angehende Ärztinnen und Ärzte bei einem Austausch lernen: Nürnberger Medizinstudierende machen erstmals Famulaturen in Togo.

Viele Bilder haben sich tief eingebrannt. Die brütende Hitze, die jede Arbeit zur Kraftanstrengung macht. Der Mann, dem das Bein amputiert werden muss, weil er kein Geld für die Behandlung seiner Infektion hat. Das chirurgische Händewaschen an zwei zusammenmontierten Eimern, mangels Waschbecken. Leid und Tod. Aber auch die wilden Moped-Fahrten und vielen gastfreundlichen Begegnungen.

Wenn Lisa-Marie Miles, Maria Kammermayer und Emanuel Neuböck heute am Klinikum Nürnberg für Prüfungen lernen und auf den Stationen mitarbeiten, denken sie fast jeden Tag an Togo zurück. Wie anders es dort war – und wie schön. „Es war eine rundum positive Erfahrung. Und eine Herausforderung, sozial, kommunikativ und medizinisch“, fasst Maria Kammermayer zusammen.

Die drei angehenden Ärztinnen und Ärzte studieren an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Nürnberg Medizin. Im November 2025 reisten sie gemeinsam in den Norden Togos, um am Krankenhaus der Provinzstadt Bassar ein vierwöchiges Praktikum zu machen. In der Chirurgie, Gynäkologie und Kinderheilkunde assistierten sie bei Untersuchungen und Operationen.

Spendenaktion der Studierenden ermöglichte Gesundheitsvorsorge

Die PMU bietet den Einsatzort neu für Famulaturen an. Für die Kosten kommen die Studierenden selbst auf. Vor ihrer Abreise sammelten sie sogar noch kurzerhand Spenden, um während ihres Aufenthalts mit der nächstgelegenen Medizin-Universität zwei Gesundheitstage mit kostenlosen Krebsvorsorgeuntersuchungen für die Bevölkerung in Bassar auf die Beine zu stellen. Scharen von Menschen nutzten das Angebot.

„Wir waren dankbar für den Einblick in ein gänzlich anderes Gesundheitssystem und froh, einem nicht privilegierten Teil der Welt etwas zurückgeben zu können. Wir sind im Vergleich ja eine luxuriöse Gesundheitsversorgung gewohnt“, erzählt das Trio. Ihre Spontanität wurde dabei öfter mal auf die Probe gestellt – etwa als sie kurzfristig eine Radioansprache für die Gesundheitstage oder ohne Vorbereitung vor den Augen Hunderter eine Rede in einer Schule halten sollten, auf Französisch, versteht sich.

Krankheiten, die man in Europa nie mehr sieht

Der Temperaturunterschied zum deutschen Winter blieb nicht der einzige harte Kontrast. Tiefe Armut prägt den ländlichen Raum Westafrikas. „Man muss sich mit globaler Ungleichheit, Folgen des Kolonialismus und Rassismus auseinandersetzen. Ohne Selbstreflexion wäre so ein Aufenthalt ohne Sinn“, rät Emanuel Neuböck seinen Nachfolgern. Medizinisch war der Besuch enorm lehrreich, sagt Lisa-Marie Miles. „Wir haben Fälle gesehen, die es in Europa so nicht gibt, wie fortgeschrittene Malaria, Bauchfellentzündungen durch Infektionskrankheiten oder Elephantiasis, eine Erkrankung des Lymphsystems.“ Das Klinikpersonal sei sehr gut ausgebildet, doch für viele Maßnahmen fehlen jegliche Ressourcen.

Die Famulatur der PMU in Togo soll nun gute Tradition werden, geplant sind auch weitere Sozialprojekte von Studierenden für die Partner in Westafrika. Das Hôpital de Bassar will im festen Turnus Nürnberger Studierende empfangen. Es ist mit dem Klinikum Nürnberg schon länger über den Hilfsverein „Fi Bassar“ und im Bundesförderprogramm Klinikpartnerschaften verbunden. Solche gewachsenen persönlichen Kontakte verhindern, dass ein Auslandspraktikum am Kulturschock scheitert. Im besten Fall ermöglicht es, was den drei Pionieren widerfahren ist: Sie sehen die Welt der Medizin seitdem mit anderen Augen.

Weitere Informationen: www.fibassar.de

Bild oben: Die Nürnberger Medizinstudierenden Lisa-Marie Miles (li.), Emanuel Neuböck (Mitte) und Maria Kammermayer (2. v. re.) waren die Ersten am neuen Famulaturstandort Bassar in Togo.

Fotos: Emanuel Neuböck