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  • Post-Covid-Fatigue: Klinikum Nürnberg startet Studie

    Klinikum und PMU wollen in einer Studie klären, ob Kunsttherapie die Symptome der Post-Covid-Erkrankung lindert. Teilnehmende können sich anmelden.

23.01.2026

Viele Menschen erleben auch noch Monate oder Jahre nach einer Sars-CoV-2-Infektion Beschwerden und Einschränkungen. Diese Post-Covid-Erkrankung belastet sowohl die Betroffenen als auch das Gesundheitssystem erheblich. Das Klinikum Nürnberg und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) suchen daher Teilnehmende für eine Studie: Hilft Kunsttherapie bei der Bewältigung der Post-Covid-Fatigue?

Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums Nürnberg behandelt seit 2022 Patientinnen und Patienten mit Post-Covid-bedingter Fatigue und psychosozialen Belastungen infolge einer Corona-Infektion. Seit Oktober 2025 fördert das Bundesgesundheitsministerium die Klinik – eine Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) –, um die Versorgung von Menschen mit Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung durch Forschung zu verbessern. Dank zusätzlicher Fördermittel der Staedtler-Stiftung Nürnberg untersucht die Klinik jetzt, ob eine ambulante achtsamkeitsbasierte Kunsttherapie Erschöpfungssymptome und Konzentrationsstörungen lindern kann.

An der Studie „MALT! II“ können Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren teilnehmen, die an Post-Covid leiden und bei denen Fatigue oder ein chronisches Fatigue-Syndrom im Vordergrund steht. Voraussetzung sind ausreichende Deutschkenntnisse und die Möglichkeit, regelmäßig das Klinikum Nürnberg aufzusuchen. Der Studienzeitraum soll im März 2026 starten.

Kunsttherapie über zehn Wochen

Zu Beginn und am Ende der Behandlungsstudie erfolgen medizinische und psychologische Untersuchungen. Dazu gehören Blut- und Haarproben, Messungen von Blutdruck und Puls sowie Fragebögen zu Beschwerden, Belastungen und Wohlbefinden. Die Teilnehmenden werden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nimmt zehn Wochen lang wöchentlich an einer angeleiteten Kunsttherapie teil, die Achtsamkeit, Wahrnehmung und kreatives Arbeiten kombiniert. Zum Einsatz kommen in den 90- bis 120-minütigen Sitzungen beispielsweise Pinsel und Farben ebenso wie Ton oder Papier. Die Einheiten finden auf dem Campus Nord des Klinikums Nürnberg statt. Künstlerische Vorkenntnisse sind nicht nötig. Die zweite Gruppe wartet zunächst und erhält einige Monate später auch die Möglichkeit zur Therapie.

Interessierte können sich unverbindlich per E-Mail an psychosomatik_forschung@klinikum-nuernberg.de wenden. Die Teilnahme ist kostenfrei, alle Materialien werden gestellt. Nach der Studie besteht die Möglichkeit, eine stationäre oder teilstationäre Behandlung in der spezialisierten Post-Covid-Therapieeinheit des Klinikums Nürnberg zu nutzen.

Hunderttausende Betroffene in Deutschland

Univ.-Prof. Dr. Christiane Waller, die Chefärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erklärt den wissenschaftlichen Ansatz zu der neuen Studie: „Kunsttherapie wirkt stressreduzierend und fokussierend. Wir wissen, dass Kunsttherapie bei chronischen körperlichen Erkrankungen Erschöpfungssymptome lindern kann. Wir denken, dass das auch bei der Post-Covid-Erkrankung so sein könnte.“

Zum Hintergrund: Von Post-Covid spricht man, wenn Symptome länger als zwölf Wochen nach einer Corona-Infektion anhalten und sich nicht anders erklären lassen. In Deutschland sind Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend bis über eine Million Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung betroffen. Die Beschwerden reichen von starker Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen über Schlafstörungen bis hin zu Schmerzen, Atemnot oder innerer Unruhe. Manche Betroffene entwickeln ein chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS), das die körperliche und geistige Belastbarkeit stark einschränkt. Trotz intensiver Forschung fehlt bisher eine allgemein wirksame Standardtherapie. Neue Ansätze sind daher dringend nötig.

Bild: Erforschen mit Hilfe einer Förderung der Staedtler-Stiftung die Post-Covid-Erkrankung in der Psychosomatischen Medizin am Klinikum Nürnberg (v. li.): Amira Hotic, Hanna Hofmann, Univ.-Prof. Dr. Christiane Waller, PD Dr. Markus Müller, Andrea Dorenkamp und Dr. Sophia Urbanczyk.

Foto: Jakob Lichtenfeld, Klinikum Nürnberg

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