19.03.2026
Elias Ehnert war vor 20 Jahren Krippenkind am Klinikum Nürnberg. Heute arbeitet er selbst in der „Schaukel“. Die beiden Kitas mit extralangen Öffnungszeiten stehen allen Familien offen, nicht nur den Beschäftigten. Denn flexible Kinderbetreuung liegt dem Krankenhaus am Herzen.
Elias Ehnert ist Zeitzeuge – und doch nicht wirklich. Man würde ihn gern erzählen hören, wie er damals auf dem Bobbycar durch die „Schaukel“ sauste. Doch das scheitert an der Biologie. „Der Mensch speichert erst nach dem dritten Lebensjahr feste Erinnerungen – da war ich schon wieder weg“, sagt der 19-Jährige.
Heute ist Elias Ehnert angehender Erzieher und der jüngste Neuzugang im Team der „Schaukel Süd“, einer der beiden altersgemischten Kitas des Klinikums Nürnberg. Für sein einjähriges Berufspraktikum musste er nicht lange überlegen: Er wollte zurück in die Einrichtung, in der er und seine Schwester essen, laufen und sprechen gelernt hatten – und von der seine Eltern stets schwärmten.
Vom Krippenkind zum Kollegen
Seit September 2025, fast genau 20 Jahre nach der Eröffnung, arbeitet Elias Ehnert in der Klinikums-Kita in Langwasser. Er betreut das Freispiel, begleitet den Mittagsschlaf, hilft im Essbereich und im Bad. Besonders gern baut er mit den Kindern: Lego, Holzbaukasten, Sand oder Eisenbahn – Hauptsache kreativ. Passanten sehen auf der Straßenseite nicht, welch geräumiges Innenleben das gelb-grüne Gebäude vor dem Haupteingang des Südklinikums verbirgt. 2022 fertiggestellt, öffnet es sich mit einem Außenspielbereich zum Wald hin.
Für Elias Ehnert ist die Kita eine berufliche Spielwiese. „Am Sonntagabend freue ich mich auf die neue Woche. Mir ist wichtig, dass Arbeit nicht nur Geld bringt, sondern auch Spaß macht.“ Besonders schätzt er die Haltung der „Schaukel“, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen. Der großzügige Personalschlüssel ermögliche es, „auf jedes Kind individuell einzugehen und es nach seinen Bedürfnissen zu begleiten“.
Tanja Jäger, die pädagogische Leiterin der „Schaukel“, freut sich über den Einsatz ihres jungen Kollegen. Sie kennt Elias schließlich noch als Baby. Seit dem ersten Tag der „Schaukel“ am 1. Dezember 2005 ist sie dabei. Zunächst als Erzieherin, kurz darauf wurde sie die Leiterin. Elias kam 2006 mit vier Monaten als erstes „Nachmittagskind“ in die Kita. Seine Eltern, damals an einer Hochschule und in einem Technikkonzern tätig, brachten ihn anfangs nur nachmittags bis in die Abendstunden.
Bis heute bietet die „Schaukel“ solche flexiblen Buchungszeiten an. Rund zwei Drittel der Eltern arbeiten am Klinikum, wo Schichtdienste Alltag sind. „Wir wollen auf die Bedürfnisse von medizinischem Personal, aber auch anderer Berufsgruppen eingehen. Auch Externe sind willkommen. Momentan haben wir vor allem Plätze ab 13.30 Uhr frei“, erklärt Barbara Plato, Geschäftsführerin der Trägergesellschaft „Schaukel Kinderbetreuung gGmbH“.
Als die „Schaukel“ 2005 eröffnete, zunächst als reine Krippe, sorgte das in Nürnberg für Aufsehen. Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige war damals rar. Es gab nur wenige Hundert Plätze in der Stadt – und keine mit so langen Öffnungszeiten. Von 6 bis 20 Uhr, Bringen und Abholen nach Vereinbarung, keine Ferienschließung. Die Wartelisten füllten sich schnell.
Eine Kita mit Abendessen
Die Kita, damals noch am Südrand des Krankenhausgeländes, entstand durch das Engagement von Klinikumsmitarbeiterinnen. „Ihr Einsatz war unbezahlbar“, erinnert sich Barbara Plato. Die Frauen gründeten einen gemeinnützigen Verein, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Der alte Betriebskindergarten deckte nur einen Bruchteil des Bedarfs.
Die „Schaukel“ wuchs. Kindergartenplätze für Kinder bis sechs Jahre kamen hinzu. 2012 übernahm der „Schaukel“-Verein in der Nordstadt den Kindergarten des Klinikums und erweiterte ihn um eine Krippe in einem Neubau. Beide Standorte bieten zusammen rund 140 Plätze und arbeiten nach einem teiloffenen Konzept: altersübergreifend, ohne feste Gruppen. Mit Öffnungszeiten von mittlerweile 6 bis 19 Uhr halten die „Schaukeln“ noch heute in Nürnberg den Rekord. Weiterhin bleiben die Häuser nur an wenigen Tagen im Jahr geschlossen.
Wie die „Schaukel“ arbeitet
Dieses Angebot erfordert viel Personal. „In Zeiten des Fachkräftemangels ist unser hoher Betreuungsschlüssel eine Herausforderung“, sagt Tanja Jäger. „Aber er erlaubt uns, über Standards hinauszugehen und eine qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit zu leisten.“ Diese Mehrkosten für die Pädagogik erklären, warum die Gebühren der „Schaukel“ über dem stadtweiten Durchschnitt liegen.
Elias Ehnert wurde geboren, als die Debatte um den Kita-Ausbau in Deutschland gerade begonnen hatte. Das heutige Elterngeld gab es noch nicht. Seine Eltern sahen das Thema entspannt. „Sie fanden, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Und warum sollte ein Kind nicht auch außerhalb der Familie eine gute Zeit haben?“ Ursprünglich mehr an Autos interessiert, entschied er sich nach der Mittleren Reife für den Erzieherberuf, nachdem er im Schülerpraktikum erste Einblicke gewonnen hatte.
Weil Elias Ehnert keine eigenen Erinnerungen an seine Krippenzeit hat, hilft seine Chefin mit Fotos nach. Der kleine Elias im Elefantenkostüm, beim Plätzchenbacken – gemeinsam blicken sie zurück. „Elias war ein gelassenes Kind. Oft hat er im Hintergrund zugeschaut. Er hat die Einrichtung geliebt“, sagt Tanja Jäger. „Heute ist er immer noch ein Fels in der Brandung. Und ganz nah bei den Kindern. “
Im Windfang hängt eine Kurzvorstellung des Jahrespraktikanten an der Scheibe. Ein Foto zeigt Elias als Kleinkind beim Zähneputzen in der alten „Schaukel“, ein anderes den jungen Mann heute beim Wildwasser-Kajak, seinem Hobby. „Ich freue mich auf ein spannendes und aufschlussreiches Jahr“, schreibt er dazu.
Bild 2: Barbara Plato (li.) mit Tanja Jäger leiten die beiden Kindertagesstätten des Klinikums Nürnberg. Elias Ehnert kam als Jahrespraktikant an seine alte Wirkungsstätte zurück.
Fotos: Jakob Lichtenfeld / Klinikum Nürnberg