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  • Drug-Checking: Studie von Klinikum, PMU und Ohm sieht Chancen

    Das nunmehr abgeschlossene Forschungsprojekt zu Drogennotfällen "EviDriN" sieht Chancen für Drug-Checking in der Metropolregion Nürnberg.

21.05.2026

Die Analyse illegaler Substanzen verbunden mit einer Risikobewertung und Beratung – sogenanntes Drug-Checking – hat das Potenzial, Drogennotfälle zu reduzieren und somit das Gesundheitssystem zu entlasten. Um eine wissenschaftliche Basis für einen möglichen Einsatz in der Metropolregion Nürnberg zu schaffen, haben Forschende der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (Ohm) in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Nürnberg, der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) und weiteren Partnern verschiedene Aspekte des Drug-Checkings untersucht. Das zentrale Ergebnis: Es besteht sowohl Bedarf als auch eine hohe Nutzungsbereitschaft.

Drogennotfälle stellen nicht nur ein Risiko für die konsumierenden Personen dar, sondern belasten auch das Gesundheitssystem. Drug-Checking kann diese Risiken minimieren. Dabei werden Substanzen anonym und straffrei auf ihre Zusammensetzung und mögliche Verunreinigungen analysiert.

„Auch in Nürnberg sind Rettungsdienste und Kliniken, vor allem im Bereich der akut- und intensivmedizinischen Versorgung, häufig an oder über der Belastungsgrenze. Drogennotfälle, die das System zusätzlich belasten, wären häufig vermeidbar. Entsprechend haben wir uns die Frage gestellt, ob Drug-Checking unter diesem Aspekt auch in der Metropolregion Nürnberg ein effektives Mittel dafür darstellen könnte“, sagt Jan Welker, Oberarzt auf der internistischen Intensivstation am Klinikum Nürnberg, Campus Nord. Er koordinierte das Projekt aufseiten des Klinikums.

Untersuchung von Drogennotfällen und Spritzenrückständen

Seit Dezember 2024 untersuchten Forschende der Ohm und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) im Forschungsprojekt „Evidenzbasiertes Drug-Checking in Nürnberg“ (EviDriN) Konsummuster, Bedarfe sowie mögliche Chancen und Hindernisse für die Einführung von Drug-Checking-Angeboten in der Region.

Kooperationspartner sind Lilith e. V., mudra e. V., die Hochschule Ansbach sowie das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. EviDriN ist außerdem in das „Nürnberger Drogenhilfemodell“ eingebettet, ein interdisziplinäres Netzwerk aus Wissenschaft, Medizin, Drogenhilfe und Politik. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt förderte das Projekt mit 360.000 Euro.

EviDriN umfasst mehrere Teilprojekte. Ein Forschungsteam analysierte beispielsweise die Drogennotfälle der vergangenen Jahre am Klinikum Nürnberg. Darüber hinaus wurden mehr als 1.000 Spritzenrückstände untersucht, um Erkenntnisse über konsumierte Substanzen und mögliche Verunreinigungen zu gewinnen.

Bei einer Fragebogenstudie unter Konsumierenden standen Konsummuster, Risikowahrnehmung, potenzielle Nutzung und die Wirkung von Drug-Checking im Fokus. Die Ergebnisse zeigen den Bedarf in der Region: 85 Prozent würden ein entsprechendes Angebot nutzen. Ein Großteil der Teilnehmenden berichtete zudem, dass sie in den vergangenen Jahren eine Zunahme von Verunreinigungen wahrgenommen haben. Besonders relevant: 65 Prozent der Befragten gaben an, bei einem unerwarteten Testergebnis die Substanz entsorgen zu wollen.

Hohe Nutzungsbereitschaft, aber komplexe Umsetzung

Weitere Teilprojekte umfassten qualitative Interviews mit Fachkräften bestehender Drug-Checking-Angebote im deutschsprachigen Raum, eine Machbarkeitsstudie sowie eine Kosten-Nutzen-Analyse unter der Leitung von Prof. Dr. Malte Sandner. Diese legt dar, dass Drug-Checking-Angebote – je nach eingesetzter Technologie und Konzept – kosteneffizient sein können.

„In den verschiedenen Projekten wurde deutlich, dass ein zunehmender Bedarf an Drug-Checking-Angeboten und eine hohe Nutzungsbereitschaft besteht“, betont Prof. Dr. Christian Ghanem, Projektleiter des Forschungsprojektes EviDriN. Gleichzeitig sei die Einführung solcher Angebote jedoch komplex. Vielversprechend wäre ein modularer, zielgruppenspezifischer Ansatz, der unterschiedliche Analysemethoden kombiniert.

„Um Drug-Checking-Angebote in der Region zu erproben, brauchen wir eine wissenschaftlich begleitete
Pilotphase, bei der Strafverfolgung, Suchthilfe, Medizin, Politik und Stadtverwaltung eng zusammenarbeiten“, ergänzt Ghanem. Solange keine landesweite Regelung existiere, könnten formelle Ausnahmegenehmigungen die Umsetzung ermöglichen.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten wurden im Rahmen einer Online-Tagung am 20. Mai vorgestellt und diskutiert. Weitere Informationen zum Forschungsprojekt EviDriN: https://go.klinikum-nuernberg.de/Drug-Checking

Pressemitteilung zum Herunterladen (PDF)

Bild: Ein Patientenzimmer in der internistischen Intensivstation des Klinikum Nürnberg, Campus Nord. Bei der Intensivkapazität von Krankenhäusern konkurrieren immer wieder Drogennotfälle mit anderen schwerkranken Patienten.

Foto: Isabel Lauer, Klinikum Nürnberg