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    So bleibt´s im Kreis!

    Kreislaufwirtschaft

    in OP und Anästhesie

  • So bleibt´s im Kreis!

    Kreislaufwirtschaft

    in OP und Anästhesie

  • Ein Anästhesist zieht eine Spritze auf.

    So bleibt´s im Kreis!

    Kreislaufwirtschaft

    in OP und Anästhesie

In Zeiten zunehmender Ressourcenknappheit steht das Gesundheitswesen vor der Aufgabe, medizinische Spitzenversorgung mit nachhaltigem Wirtschaften zu verbinden. Gerade im OP- und Anästhesiebereich ist der Material- und Energieeinsatz enorm – von Einwegprodukten über Verpackungen bis hin zu energieintensiven Geräten. Hier setzt das europäische Projekt HACK-IT-NET (Health and Care Knowledge and Innovation Transfer Network) an: Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in den Klinikalltag zu integrieren und damit den ökologischen Fußabdruck von Krankenhäusern deutlich zu verringern.

Gemeinsam mit unseren Projektpartnern Bayern Innovativ und der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) nahm das Klinikum Nürnberg von Juli 2025 bis April 2026 an diesem länderübergreifenden und von der EU geförderten Projekt teil. Unser Ziel: trotz vieler einschränkender Rahmenbedingungen weniger Abfall und mehr Kreislaufwirtschaft in OP und Anästhesie.

Ganz konkret: darum geht es im Projekt "HACK-IT-NET"

Anstatt Ressourcen linear zu verbrauchen – also nutzen, wegwerfen, ersetzen – geht es darum, Materialien, Geräte und Prozesse so zu gestalten, dass sie im Kreislauf bleiben: wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet oder recycelt werden können. Im Rahmen des Projekts wurden dazu konkrete Maßnahmen entwickelt und pilotiert – mit dem Ziel, Abfallmengen zu reduzieren, Kosten zu senken und den CO₂-Ausstoß zu verringern.

Von der Idee zur Umsetzung: das Pilotprojekt
Das Klinikum Nürnberg beteiligte sich von Juli 2025 bis April 2026 als Pilotpartner an HACK-IT-NET. In einem interdisziplinären Team wurden Ideen gesammelt, wie der Ressourcenverbrauch im OP- und Anästhesiebereich gesenkt werden kann – etwa durch Wiederaufbereitung bestimmter Instrumente, optimierte Mülltrennung, energiesparende Abläufe oder die Rückgewinnung wertvoller Materialien. Grundlage dafür bilden die „10R-Prinzipien“ der Kreislaufwirtschaft: von Refuse (Vermeiden) über Reuse (Wiederverwenden) bis Recover (Rückgewinnen) - natürlich immer unter Beachtung der einschränkenden Rahmenbedingungen, denen das Gesundheitswesen unterliegt (z.B. gesetzliche und hygienische Anforderungen).

Folgende gemeinsam entwickelte Ideen wurden bereits umgesetzt und können direkt von anderen Krankenhäuser geprüft und ggf. übernommen werden: 

  • Im OP und der Anästhesie werden vermehrt Mehrweg-Laryngoskopspatel eingesetzt, die wiederaufbereitet werden können. Einmal-Spatel werden nur noch als "Back-up" beschafft und nur dann eingesetzt, wenn aktuell keine Mehrweg-Spatel zur Verfügung stehen.
  • Gleichzeitig wurde die Verpackungseinheit von wiederaufbereiteten Laryngoskopspatel erhöht: statt wie bisher jeden Spatel einzeln zu verpacken, werden nun immer fünf Spatel zusammen in eine Tüte gepackt. So sparen wir 80% des Verpackungsmaterials ein.
  • Die so genannte "Nachlegeware" in der AEMP (Aufbereitsungseinheit für Medizinprodukte) wird nun plastikfrei in den Schränken gelagert (statt bisher einzeln in Plastik verpackt) - das spart nicht nur Plastikverpackungen, sondern auch einen personalintensiven Prozessschritt.
  • Des Weiteren kommen in der AEMP nun Recycling-Kunststoffplomben zum Einsatz, um die Sterilität der wiederaufbereiteten Siebe zu garantieren. Die neuen Recycling-Plomben werden nach dem Einsatz gesammelt, desinfiziert und an den Hersteller zurückgeschickt, der diese zu neuen Plomben verarbeitet. So bleibt der Kunststoff im Kreislauf und kann immer wieder verwendet werden.
  • Die Arteriensysteme ("DPS-Sets") wurden umgestellt: bisher befand sich bei jedem Arteriensystem eine separat verpackte ZVD-Leitung, die überwiegend ungebraucht entsorgt wurde. Nun werden die Systeme standardmäßig ohne ZVD-Leitung geliefert, diese kann bei Bedarf separat bestellt werden.
  • Atemkalk-Kartuschen (CLIC-Absorber-Kartuschen) werden nicht mehr "gefährlicher Abfall" entsorgt, sondern gesammelt und an den Hersteller zurückgeschickt. Der enthaltene Atemkalk in den Kartuschen wird z. B. als Neutralisator für chemische Prozesse in der Industrie aufgearbeitet. Laut Hersteller spart dieser Prozess bis zu 600 g CO2 je Absorber. Allein am Campus Nord können wir so pro Jahr ca. 450 kg CO2 einsparen.
  • In vielen Kliniken landen ausgemusterte, gebrauchte EP-Herzkatheter (Elektrophysiologie-Katheter) im normalen Krankenhausabfall. Dabei stecken in vielen Kathetern wertvolle Metalle und Edelmetalle (meist Platin), die sich durch Spezialverfahren zurückgewinnen lassen. Dadurch entsteht ein geschlossener Wertstoffkreislauf, der natürliche Ressourcen schont und zugleich wirtschaftliche Vorteile bietet. Am Klinikum Nürnberg werden gebrauchte EP-Herzkatheter jetzt gesammelt und dem Recycling zugeführt - mit positiven Effekten für Ökologie und Ökonomie. 
  • Trotz sorgfältiger Lagerhaltung und einem stringent angewandeten "fist-in-first-out"-Prinzip kommt es hin und wieder zur Überschreitung des Verfalldatums von medizinischen Verbrauchsmaterialien. Solches Material darf dann nicht mehr am Patienten eingesetzt werden. Am Klinikum Nürnberg werden diese abgelaufenen Materialien nun gesammelt und im neu entstehenden Simulationszentrum für Trainingszwecke verwendet. 

Permanent und weiterhin arbeiten wir an der Umsetzung von folgenden Ideen: 

  • Ansprache der Herzstellerfirmen zur Reduzierung von unnötigem Verpackungsmaterial
  • Überprüfung und ggf. Ausweitung der Abfallbehältnisse im OP und Anästhesiebereich, Schulung der Mitarbeitenden zur korrekter Mülltrennung
  • Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden der AEMP

Ein Gewinn für Umwelt und Klinik
Das Projekt zeigt, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sind. Jede eingesparte Ressource, jedes vermiedene Einwegprodukt und jede optimierte Entsorgung entlastet nicht nur die Umwelt, sondern auch das Budget. Zudem stärkt das Engagement die Vernetzung zwischen verschiedenen Fachbereichen und fördert ein gemeinsames Bewusstsein für verantwortungsvolles Handeln. Der sehr schmale und damit ebenfalls ressourcenschonende Projektablauf zeigt, dass auch mit geringen personellen Ressourcen - ausgeglichen durch viel persönlichen Einsatz und gute interdisziplinäre Absprachen - gemeinsam nachhaltige Ideen entwickelt und auch direkt umgesetzt werden können. 

Vorbild für andere
Sowohl unser Vorgehen als auch unsere umgesetzten "best practices" werden nach Möglichkeit auf andere bayerische Krankenhäuser und Krankenhäuser in den teilnehmenden EU-Ländern übertragen. So profitiert nicht nur das Klinikum Nürnberg, sondern das gesamte europäische Gesundheitssystem von diesem Projekt.

Sie haben Fragen zur Kreislaufwirtschaft im Klinikum Nürnberg? Kontaktieren Sie uns gerne!

Nachhaltigkeitsmanagerin
Sophie Wald