Frühgeborene im Perinatalzentrum - Der Frühstart ins Leben

Willkommen im Leben. Die meisten Schwangerschaften verlaufen unproblematisch, die meisten Geburten auch. Doch in sieben bis acht Prozent der Fälle kommen die Babys viel zu früh zur Welt, nämlich vor der 37. Schwangerschaftswoche. Kommen sie noch früher und bringen gerade mal 1.000 Gramm auf die Waage, ist der Start ins Leben mit hohen Risiken verbunden.  Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt dann eine Geburt in einem Perinatalzentrum mit großer Erfahrung – zum Beispiel im Klinikum Nürnberg Süd.

Dort kommen pro Jahr 2.300 Kinder zur Welt, darunter 300 Frühgeborene. 50 davon wiegen weniger als 1.500 Gramm, manche gar nur knapp über 500 Gramm. Diese große Zahl von Frühgeborenen bringt viel Erfahrung mit sich, und die brauchen Ärzte und Pflegekräfte auch, um den Frühstart ins Leben zu begleiten.

Bundesweit gehört das Perinatalzentrum im Klinikum Süd zu den Zentren mit der höchsten Leistungsstufe, wo also Mutter und Kind umfassend und rund um die Uhr medizinisch betreut werden. Es ist ein so genanntes Level 1-Zentrum, weil es von einem anerkannten Neonatologen, das ist ein auf Frühgeborene und kranke Neugeborene spezialisierter Kinderarzt, und von einem erfahrenen Frauenarzt mit Schwerpunkt spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin gemeinsam geleitet wird. Außerdem ist die Entbindungsstation räumlich verbunden mit dem Operationssaal und der Neugeborenen-Intensivstation mit 13 Plätzen.

Frühgeborenes
 

Ein Milliliter Muttermilch
„Je kleiner und leichter die Kinder sind, desto mehr stellen sie die Ärzte vor besondere Herausforderungen und umso größer sind die Wahrscheinlichkeiten von Entwicklungsverzögerungen und Folgeschäden“, betont der Chefarzt des Zentrums für Neugeborene und Kinder. Meist ist die Lunge bei den Frühgeborenen noch nicht richtig entwickelt, der Kreislauf ist instabil, oft liegen Infektionen vor und der Darm ist noch extrem unreif.

Die ganz Kleinen erhalten dann alle zwei Stunden einen Milliliter Muttermilch über eine Magensonde. Vorsichtig wird die Menge Tag für Tag gesteigert. Sie werden künstlich beatmet, und über einen winzigen Katheter in der Vene werden Fette und Aminosäuren zugeführt. Der Inkubator hält die Körpertemperatur konstant, und Elektroden messen permanent Sauerstoffsättigung im Blut, Blutdruck und Herzfrequenz.

Die ersten Lebenstage, in denen sich die Kleinen an die neue Umwelt anpassen müssen, sind sehr kritisch. Wenn die Babys normal atmen können, die Nahrung vertragen und die Temperatur von alleine halten, dann können sie die Klinik verlassen.

Bei Risikoschwangerschaften und Frühgeburten komme es, so der Chefarzt,  auf „die enge Abstimmung von Geburtshelfern und Neonatologen“ an. „Entbindung und die medizinische Betreuung von Mutter und Kind nach der Geburt werden vorher gemeinsam festgelegt“, betont auch Oberarzt Dr. Wolfgang Köhler, der Leiter der Geburtshilfe im Klinikum Nürnberg Süd. Er betreut Risikoschwangerschaften, also werdende Mütter mit Diabetes und anderen Erkrankungen. Er holt die Babys per Notkaiserschnitt ins Leben, wenn die Situation wie zum Beispiel bei einer Schwangerschaftsvergiftung für die Mutter lebensbedrohlich ist. „Dann ist die Entbindung die Therapie“, so Köhler.

Regelmäßige Vorsorge
Um Frühgeburten zu vermeiden, rät er,  während der Schwangerschaft gesund zu leben, also keine Zigaretten und keinen Alkohol, und auf jeden Fall die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Da die meisten Frühgeburten durch Infektionen in Scheide und Gebärmutter verursacht werden, empfiehlt er werdenden Müttern den pH-Wert in der Scheide regelmäßig, am besten zweimal pro Woche zu testen. „Das geht ganz einfach, und die Tests sind in jeder Apotheke erhältlich“, erläutert der Oberarzt.    

Weitere Informationen bei der Schwangerenberatung im Klinikum Nürnberg Süd unter Telefon 0911 398-2235 und bei der Klinik für Geburtshilfe unter Telefon 0911 398-2804. Anmeldungen zu Geburtsvorbereitungskursen bei der Hebamme Hannelore Köhler jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr unter Telefon 0911 405040.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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