Intraoperative Strahlentherapie bei Brustkrebs

Neue brust- und gewebeschonende Bestrahlung für Frauen mit Brustkrebs bereits während der OP

Eine neue Methode, die sogenannte „Intraoperative Strahlentherapie“, erlaubt es den Ärzten des interdisziplinären Brustzentrums im Klinikum, das umliegende Gewebe des Tumors unmittelbar nach seiner Entfernung und noch während der Operation punktgenau zu bestrahlen.

In Deutschland erkranken jährlich über 57.000 Frauen an Brustkrebs. Viele von ihnen benötigen nach der Operation eine Strahlentherapie, die mehrere Wochen dauert. Eine neue Technik, die seit Mai im Klinikum Nürnberg angewendet wird, ermöglicht es, „bereits während der OP das Gewebe, aus dem der Tumor entfernt wurde, genau dort zu bestrahlen, wo es nötig ist: im Tumorbett“, erklärt Professor Dr. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde, die Vorzüge des eingesetzten, etwa eine halbe Million Euro teuren Geräts.

Da 90 Prozent aller Rezidive bei Brustkrebs in der unmittelbaren Umgebung des entfernten Tumors auftreten, setzt die intraoperative Strahlentherapie direkt an der Wurzel an und die Gefahr eines Wiederauftretens verringert sich um die Hälfte.

Hoch dosierte und dennoch schonende Strahlen direkt ins Risikogebiet

Weitere Vorteile der direkten Bestrahlung durch den „Intrabeamer“ liegen auf der Hand. Der Chefarzt der Klinik für Radioonkologie, Dr. Clemens Albrecht, nennt neben der hohen Präzision, mit der eventuell verbliebene Tumorzellen sofort unschädlich gemacht werden können, ein weitaus kleineres Bestrahlungsvolumen und somit weniger Nebenwirkungen.

Zur Bestrahlung führen die Ärzte einen kugelförmigen, je nach Tumorbett variablen Strahlenkopf zwischen zwei und fünf Zentimetern, direkt in die Wundhöhle ein. So kann das direkte Umfeld des Tumors punktgenau mit Elektroden bestrahlt werden. Am Zielort ist die Strahlendosis bis um das Zehnfache höher als bei der normalen Gewebsbestrahlung, zur Umgebung hin fällt sie stark ab. Umliegendes Gewebe bleibt so verschont.

Intrabeam: Intraoperative Bestrahlung bei Brustkrebs
 

Längere OP – kürzere Bestrahlung

Die zusätzliche Bestrahlung während der Operation verlängert die Operationszeit lediglich um 20 bis 40 Minuten, durch die Narkose bleibt die Patientin zudem gänzlich unbehelligt. Vorläufig wird zur größeren Sicherheit anschließend noch die konventionelle Oberflächenbestrahlung durchgeführt, diese „verkürzt sich für die Frauen aber um zwei Wochen“, bemerkt der der Radioonkologe Albrecht. Aufgrund medizinischer Studien bestünde Hoffnung, dass darauf in Zukunft durch die neue Methode ganz verzichtet werden könne.

Prof. Frederik Wenz von der Universitätsklinik Mannheim, Pionier in Deutschland auf diesem Gebiet, verfügt über die längsten Erfahrungen mit der intraoperativen Strahlentherapie, die übrigens keine schädlichen lokalen Nebenwirkungen zeigt. Bei einer Fachfortbildung in Nürnberg konnten sich die Mediziner des Brustzentrums unter Leitung von Oberarzt Thorsten Koch mit Wenz austauschen. Bereits etwa 20 Frauen wurden am Brustzentrum bisher mit dieser Methode behandelt.

Die Ärzte der verschiedenen Disziplinen, die unter Kochs Leitung an der Rundumversorgung von Frauen mit Brustkrebs beteiligt sind, sehen diese Behandlungsmöglichkeit als Segen für die Frauen. „Selbst bei einem Rezidiv, nach dem man früher die Brust sofort entfernt hätte, bekommen die Frauen eine zweite Chance, dass ihre Brust erhalten werden kann“, macht Brucker Hoffnung. Eine Chance, die es in dieser Form bisher nur an drei Kliniken in Bayern gibt.

Brustzentrum

Autorin/Autor: Justina Mehringer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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