Schulung zum Demenzbegleiter

Mehrtägige, kostenlose Schulung bereitet Ehrenamtliche auf ihre Arbeit vor

Für viele Demenzkranke ist ein Krankenhausaufenthalt eine psychische Extremsituation. Vertraute Menschen fehlen, sie befinden sich in einer fremden Umgebung und haben oftmals das Gefühl allein gelassen zu werden. Eine persönliche Betreuung und Begleitung ist gerade für sie überaus wichtig. Seit vier Jahren setzt das Klinikum Nürnberg deshalb ehrenamtliche Demenzbegleiter ein.

Rund 1,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Demenz. Tendenz steigend. Experten rechnen damit, dass aufgrund des demographischen Wandels die Zahl bis zum Jahr 2050 auf drei Millionen steigen wird. Gerade für Demenzkranke ist ein Krankenhausaufenthalt eine psychische Extremsituation. „Sie befinden sich plötzlich in einer fremden Umgebung, vertraute Menschen fehlen. Die Welt dieser Patienten gerät dadurch aus den Fugen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Gosch (PMU Salzburg)(r.), Chefarzt der Klinik für Geriatrie im Klinikum Nürnberg. Ausgelöst durch den Stress kommt zu einer chronischen Verwirrtheit eine akute hinzu.

Demenzkranke Patienten sind oftmals desorientiert, hilflos oder reagieren sogar panisch. Manche wollen notwendige Tabletten nicht einnehmen, andere reißen sich beispielsweise Infusionsschläuche heraus oder haben den Drang wegzulaufen. Für viele dieser Patienten ist eine persönliche Betreuung und Begleitung während ihres Krankenhausaufenthalts überaus wichtig. Doch im hektischen Klinikalltag ist das nicht immer möglich.

Große Bereicherung

Seit 2011 setzt das Klinikum Nürnberg als einziges Krankenhaus im Großraum deshalb an beiden Standorten in der Klinik für Geriatrie und der Klinik für Neurologie ehrenamtliche Demenzbegleiter ein. Einer von ihnen ist Helmut Schönsee (l.). „Wichtig ist zunächst, das Eis zu brechen“, erzählt er. „Ich nehme mir viel Zeit für Gespräche und versuche ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.“

 

Die Erfahrungen, die er als ehrenamtlicher Demenzbegleiter gesammelt hat, sind rundum positiv: „Man bekommt sehr viel Dankbarkeit von den Patienten zurück.“ Diese Erfahrung hat auch Konstanze Riethmann (2.v.r.) gemacht. „Die Arbeit ist eine große Bereicherung für mich.“ Oft geht sie mit den Patienten spazieren oder hilft ihnen beim Essen und Trinken. „Diese persönliche Zuwendung ist extrem wichtig für die Patienten“, erläutert Gosch. „Durch die Gespräche können ihnen Ängste genommen werden. Die akute Verwirrtheit lässt sich damit gut eindämmen.“ Darüber hinaus sind die ehrenamtlichen Demenzbegleiter eine wichtige Stütze für die Pflegekräfte auf den Stationen. Im Klinikum Nürnberg kümmern sich derzeit 34 Demenzbegleiter ein bis zweimal die Woche vormittags oder nachmittags um demenzkranke Patienten.

Eigene Schulung

Auf ihren Einsatz wurden sie in einer mehrtägigen, kostenlosen Schulung vorbereitet. „Dort erfahren die Teilnehmer alles über das Krankheitsbild Demenz und lernen, wie sie mit den Patienten kommunizieren und sich mit ihnen beschäftigen können“, berichtet Elke Kaufmann (2.v.l.), Koordinatorin des Zentrums für Altersmedizin im Klinikum Nürnberg. Darüber hinaus werden ihnen die Abläufe auf der Station vermittelt, damit sie sich im Klinikalltag zurechtfinden. Für ihren Einsatz erhalten die Demenzbegleiter eine Fahrtkostenerstattung sowie Essensmarken. Alle zwei Monate findet zudem ein Treffen zum gegenseitigen Austausch statt.

Im folgenden Interview mit Elke Kaufmann, Gerontologin im Zentrum für Altersmedizin, klären wir folgende Fragen:

  • Welche Schwierigkeiten haben demente Patienten im Krankenhaus?
  • Was macht das Klinikum Nürnberg, damit sich Patienten z.B. auf ihrer Station orientieren können?
  • Was sind „Demenzbegleiter"?
  • Wie helfen sie?
  • Wer kann ehrenamtlicher Demenzbegleiter werden?
  • Wie werden Demenzbegleiter ausgebildet?
  • Wo kann man sich informieren?

Autorin/Autor: Zentrum für Altersmedizin

 
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