Perkutane Tumortherapie / Ablation

  1. Was ist eine Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation? 
  2. Wie lange dauert die Prozedur?
  3. Ist der Eingriff schmerzhaft?
  4. Bin ich dabei wach?
  5. Wie ist der Ablauf?
  6. Kann es Komplikationen geben?
  7. Was sind Indikationen und Kontraindikationen für eine Ablation?
  8. Wie lange danach muss ich im Krankenhaus bleiben?
  9. Ab wann bin ich wieder leistungsfähig?
  10. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Muss die Krankenkasse die Untersuchung vorher genehmigen?

1. Was ist eine Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation?
Die Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation ist ein bewährtes medizinisches Verfahren zur lokalen Zerstörung von Gewebe. Bei der Ablation wird eine Sonde (Nadel) in den Tumor eingebracht um diesen zu erhitzen und dabei zu zerstören. Der Eingriff kann bei verschiedenen Tumoren wie z.B. dem Leberzellkarzinom, Lebermetastasen, Nierenzellkarzinom, etc. eingesetzt werden.

Vorteile der perkutanen Ablation sind:

  • Minimal-invasive Anwendung: Die Behandlung erfolgt durch Punktion durch die Haut (also ohne Schnitt) unter CT-Kontrolle.
  • Wiederholbarkeit: Auch nach vorheriger Leberoperation oder bei wiederholtem Auftreten von Metastasen kann die Ablation angewendet werden
  • Gewebesparend: Aufgrund anatomischer Gegebenheiten muss bei einer Operation von Lebermetastasen häufig ein Teil der Leber entfernt werden, der wesentlich größer ist, als die Metastase selbst. Bei der Ablation wird nur die Metastase mit einem Sicherheitsabstand von ca 10 mm zerstört.

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2. Wie lange dauert die Prozedur?
Die Ablation selbst dauert nur wenige Minuten (ca 5-15 min pro Herd). Die gesamte Prozedur, einschließlich der Planung des Zugangsweges, der exakten Platzierung der Nadel, sowie der Abschlusskontrolle richtet sich nach der Komplexität des Falles. In der Regel benötigt man 45-90 min für den Eingriff. Bei schwierigen Fällen und bei größerer Anzahl der zu behandelnden Herde kann sich die Untersuchungszeit verlängern.

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3. Ist die Untersuchung schmerzhaft?
Der Eingriff verläuft unter örtlicher Betäubung und Analgosedierung (Gabe von Beruhigungs- und Schmerzmittel). Die Ablation kann aber auch in Vollnarkose durchgeführt werden, dies ist besonders dann zu empfehlen, wenn mehrere Herde zu behandeln sind oder der Herd in einer besonders kritischen Lokalisation liegt.  Unmittelbar nach der Ablation können Schmerzen auftreten, die jedoch medikamentös gut zu behandeln und nur von kurzer Dauer sind.

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4. Bin ich dabei wach?
Bei Eingriffen, die nicht in Narkose durchgeführt werden bleibt der Patient bis unmittelbar vor Beginn der Sondenaktivierung (Hitzeabgabe) wach und ansprechbar, ein Gespräch mit dem Untersucher ist jederzeit möglich. Zur eigentlichen Behandlung wird eine Analgosedierung (Gabe von Beruhigungs- und Schmerzmittel) durchgeführt, bei der der Patient in einen leichten Schlafzustand versetzt wird.

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5. Wie ist der Ablauf?
Nach interdisziplinärer Indikationsstellung im Tumorboard wird der Patient von uns im ausführlich über die Behandlung und mögliche Risiken aufgeklärt.

Am Tag des Eingriffs wird ein Antibiotikum als Kurzinfusion verabreicht. Anschließend wird der Patient für den Eingriff vorbereitet (Anlegen der Überwachungssysteme für Atmung und Kreislauffunktion oder Narkose durch die Kollegen der Anästhesie). Es folgt eine CT-Untersuchung um den zu behandelnden Herd zu lokalisieren und den Zugangsweg zu planen. Dann erfolgt die chirurgische Hautdesinfektion, das sterile Abdecken des Patienten und die Lokalanästhesie an der Einstichstelle.
Unter CT-Durchleuchtung wird die Ablationssonde durch die Haut in das Zielorgan eingeführt. Ist die aktive Spitze in dem zu behandelnden Herd exakt positioniert erfolgt die automatisch gesteuerte Erhitzung des Zielvolumens auf eine Temperatur von ca. 100 Grad (Radiofrequenzablation) oder höher (Mikrowellenablation). Trotz der hohen Temperaturen sind die auftretenden Schmerzen für den Patienten im Normalfall durch die Gabe von Schmerzmitteln erträglich, bei Narkose ist vollständige Schmerzfreiheit gewährleistet.

Je nach Größe und Anzahl der abzutragenden Läsionen sind möglicherweise mehrere Ablationszyklen mit Repositionierung der Sonde notwendig, so dass die Gesamtdauer des Eingriffs zwischen 1 und 3 Stunden betragen kann.

Nach Beendigung jeder Ablation beim Rückzug der Sonde der Einstichkanal erhitzt, um eine Aussaat von Metastasen und eine Blutung aus dem Stichkanal zu verhindern. Schließlich erfolgt eine weitere CT-Untersuchung mit Kontrastmittel, um den Erfolg des Eingriffs abzuschätzen und mögliche Komplikationen auszuschließen. Zur Überwachung verbringt der Patient 48 Stunden nach dem Eingriff in der Klinik, danach ist nach einer weiteren Kontrolle im CT eine Entlassung möglich. Eine weitere Vorstellung zur Kontroll-CT oder MRT sollte nach 6 - 8 Wochen erfolgen, danach in Abständen von zunächst 3 und dann 6 Monaten im Rahmen einer regelmäßigen Tumornachsorge.
Sollte bei einer der Kontrollen ein neu entstandener Herd auffallen, kann die Ablation wiederholt werden.

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6. Kann es Komplikationen geben?
Die perkutane Ablation ist ein erprobtes und sehr sicheres Verfahren. Wie bei jedem operativen Eingriff kann es jedoch zu Komplikationen kommen. Dazu zählen eine Blutung, eine Verletzung von Organen oder großen Gefäßen. In sehr seltenen Fällen ist eine sofortige Operation notwendig, häufig kann das Problem durch eine Drainagenanlage oder eine Katheteruntersuchung (Embolisation) behoben werden. Über diese Risiken und mögliche Folgeingriffe werden die Patienten im Rahmen des Aufklärungsgespräches ausführlich informiert.

Eine ebenfalls schwerwiegende Komplikation stellt eine allergisches Reaktion auf eines der verabreichten Medikamente oder des Kontrastmittels dar, diese sind jedoch insgesamt sehr selten. Bekannte Allergien müssen im Rahmen des Aufklärungsgespräches angegeben werden.

Das Abhusten von blutig-verfärbtem Speichel ist nach einer Ablation an der Lunge regelhaft zu beobachten, meist jedoch ungefährlich und Bedarf nur in wenigen Fällen einer weiteren Behandlung.

Im Verlauf von 1-2 Tagen nach Ablation können ein Völlegefühl, Bauchschmerzen, oder Atembeschwerden auftreten.  Hierbei handelt es sich um eine Reaktion des Körpers auf das abgestorbene Tumorgewebe. Dieses „Postablations-Syndrom“ kann durch Gabe leichter Schmerzmittel sowie Antiemetika einfach und wirksam therapiert werden.

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7. Was sind Indikationen und Kontraindikationen für eine Ablation?
Die Methode ist indiziert bei nicht (mehr) operablen Patienten mit primären Lebertumoren (Hepatozelluläres Karzinom) oder Lebermetastasen (z. B. bei Kolon- oder Rektumkarzinom), bei Nieren- (NCC) oder Lungenkrebs (Bronchialkarzinom), sofern die Tumore eine gewisse Größe und Anzahl nicht überschritten haben.

Weiterhin kann die Ablation bei Metastasen in anderen Organen wie z. B. der Lunge, Knochen, Weichteile indiziert sein.

Weiterhin kann die Thermo-Ablation bei der Behandlung schmerzhafter, gutartiger Knochentumore (Osteoid-Osteome) eingesetzt werden, hier hat die Radiofrequenz-Ablation die klassische chirurgische Therapie sogar bereits weitgehend verdrängt.

Umstände, unter denen die Behandlung nicht durchgeführt werden darf (absolute Kontraindikation) sind: nicht behandelbare Blutgerinnungsstörungen, akute generalisierte oder lokale Infektionserkrankung.

Umstände, unter denen die Behandlung nicht Indikation oder nur in Ausnahmen durchgeführt werden sollte:  Tumorherde mit einem Maximaldurchmesser von > 3-5 cm, Anzahl von Tumorherden > 5, Befall von mehreren Organsystemen, sehr ungünstigen Lage des Tumors neben kritischen Organen (z.B. Hauptgallegang, Dickdarm, Nerven).

In jedem Fall ist die Indikation zur Ablation eine individuelle Entscheidung, die im interdisziplinären Tumorboard diskutiert und gefällt wird, um für den Patienten die jeweils optimale Therapieform zu gewährleisten.

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8. Wie lange danach muss ich im Krankenhaus bleiben?Bei unkomplizierten Fällen ist ein Aufenthalt von 48 Stunden, je nach Schweregrad des Falles, ausreichend.

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9. Ab wann bin ich wieder leistungsfähig?
Da die Öffnung an der Punktionsstelle sehr klein ist, verschließt sich diese relativ rasch, so dass der Patient am Tag des Eingriffs wieder aufstehen kann. Größere körperliche Anstrengungen sollten jedoch in den ersten 3 bis 4 Tagen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus vermieden werden.

Sollten Fieber, Kurzatmigkeit oder starke Schmerzen auftreten, ist eine rasche Vorstellung in der Klinik wichtig; unsere Abteilung hat einen rund um die Uhr Bereitschaftsdienst, der diese Ereignisse besprechen und ggf. beheben kann.

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10. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Muss die Krankenkasse die Untersuchung vorher genehmigen?
Üblicherweise werden die Kosten für die Ablation von den meisten Krankenkassen übernommen, es bedarf in der Regel keiner Sondergenehmigung.

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Autorin/Autor: Prof. Dr. Michael Lell

 
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