Handchirurgie - Mit Enzymen gegen den Dupuytren

Die Krankheit beginnt mit einem kleinen Knoten in der Handinnenfläche. Im Lauf der Zeit entwickelt sich ein Strang, der schließlich verhindert, dass ein Finger gestreckt werden kann. Schon das Anziehen eines Handschuhes wird zum Problem. Am Ende kann die Hand nicht mehr zur Faust geschlossen werden.

 

Die Rede ist vom Morbus Dupuytren, einer gutartigen Erkrankung des Bindegewebes der Handinnenfläche. Rund 1,9 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran.

Chirurgisch ist die Erkrankung nicht heilbar, so dass in jüngerer Zeit minimal invasive Methoden Verbreitung fanden. So werden in den USA mittlerweile die meisten Patienten mit einer Enzymspritze behandelt. Hierbei wird das erkrankte Gewebe teilweise aufgelöst und die Beweglichkeit der erkrankten Finger gebessert.

In Zukunft könnte sich die Situation verbessern, indem ein weiteres Enzym für die Behandlung dieser Erkrankung zugelassen wird.

PD Dr. Bert Reichert
 

Die hierfür erforderlichen Studien haben im November 2019 begonnen. Das neue Medikament ist eine Entwicklung aus Italien und soll besonders verträglich sein.  „Das ist Erfolg versprechend“, betont Professor Dr. Bert Reichert, Chefarzt der Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie im Klinikum Nürnberg Süd. Die Klinik ist eines von sieben Prüfzentren in Deutschland und Österreich, die die Verträglichkeit des neuen Enzyms untersuchen.

Über die Ursache für die Erkrankung, die nach dem im 19. Jahrhundert praktizierenden französischen Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren benannt ist, tappt die Medizin heute noch im Dunkeln.

„Plötzlich und unerklärlich bilden sich in der Hand Bindegewebsstränge, die in die Tiefe ausstrahlen, Gefäße und Nerven umwachsen, Muskelzellen infiltrieren und sogar in die Gelenkkapsel vordringen“, schildert Reichert den Verlauf der Erkrankung. Da eine Operation kompliziert und nicht ohne Risiko ist, leben viele Patienten mit der unangenehmen Einschränkung der Beweglichkeit der Finger. Bislang, so Reichert, gab es nur zwei Möglichkeiten, die Finger wieder voll bewegungsfähig zu machen: eine Operation, die die Bindegewebsstränge entfernt, mit anschließender rund vierwöchiger Rehabilitation und eine so genannte Nadelfasziotomie. Dabei wird eine Nadel in den Bindegewebsstrang gestochen, der daraufhin zerreißt.

„Aufgrund des komplizierten Aufbaus der Hand und der feingliedrigen Strukturen sollten beide Eingriffe nur von einem Handchirurgen vorgenommen werden“, betont Reichert. Der Chefarzt verhehlt aber auch den Nachteil beider Methoden nicht: „Der Dupuytren kann immer wiederkehren.“

Gerade deshalb setzt er große Hoffnungen auf die ursprünglich in den USA entwickelte Methode der Einspritzung von Enzymen in den Bindegewebsstrang. „Die Eiweißverbindungen lösen den Strang auf, die Beschwerden verschwinden und der Patient erspart sich einen risikobehafteten Eingriff mit Rehabilitation“, erläutert der Handspezialist.

Insgesamt sollen ca. 50 Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Dupuytren an einer so genannten Phase I-Studie teilnehmen. „Unter strenger Beobachtung und Standardisierung wird dann geprüft, ob sich die hohen Erwartungen an die Verträglichkeit bestätigen lassen“, erklärt Chefarzt Reichert.

 Weitere Informationen über die Studie und die Voraussetzungen zur Teilnahme sind unter Tel. (0911) 398 -2370 oder per E-Mail unter reichert@klinikum-nuernberg.de erhältlich.

 

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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