Tumorchirurgie der Mund-Kiefer-Gesichtsregion

 

Tumore (von lat. tumor, -oris = Geschwulst, Schwellung) werden in gutartige und bösartige Geschwülste eingeteilt und können von verschiedenen Ursprungsgeweben entstammen wie z. B. Haut und Schleimhaut, Bindegewebe, Nerven, Blutgefäße und Speicheldrüsengewebe, wobei im Bereich des Gesichtes und des Halses die meisten Tumore epithelialen Ursprungs sind (Plattenepithelkarzinome). Die Geschwülste sich vorwiegend im Bereich der Mundhöhle lokalisiert, wobei hier insbesondere die Zunge, der Mundboden, die Wangen, der Gaumen oder andere benachbarte Strukturen betroffen sein können. Darüber hinaus können sie auch im Bereich der Nasennebenhöhlen auftreten.
Jährlich erkranken deutschlandweit ca. 10.000 Menschen neu an einem bösartigen Tumor der Mundhöhle oder des Rachens. Kaum eine andere Krebserkrankung ist in ihren Folgen so offensichtlich und deswegen für den Betroffenen so schwer zu akzeptieren wie eine Krebserkrankung im Mund-, Kiefer- Gesichts- und Halsbereich.
Aufgrund verbesserter Therapiemethoden stellt eine Krebserkrankung im Kiefer- und Gesichtsbereich jedoch heutzutage keineswegs eine unheilbare oder aussichtslose Krankheit dar. Ein hoher Prozentsatz der Erkrankten kann geheilt werden. Da frühzeitig entdeckte Tumore zu 80% bis 100% heilbar sind, ist es wichtig, alle Haut- oder Schleimhautveränderungen, die länger als 3 Wochen anhalten oder nicht gut auf eine Therapie reagieren, fachärztlich untersuchen zu lassen. Als erste Symptome werden Schleimhautveränderungen, Schluckbeschwerden, Zungen- und Mundbrennen oder spontane Blutungen angegeben.

Tumorarten
Gutartige (benigne Tumore) sind vom umgebenden Gewebe durch eine Kapsel abgegrenzt, zeigen langsames, verdrängendes Wachstum und setzen keine Tochtergeschwülste. In den meisten Fällen können diese chirurgisch unter Erhalt benachbarter Strukturen problemlos entfernt werden. Hierzu zählen das Fibrom(Bindegewebstumor), das Osteom (gutartiger Knochentumor), das Leiomyom und das Rhabdomyom (Muskelgeschwülste), das Chrondrom (gutartiger Knorpeltumor), das Lipom (Fettgewebstumor) und das Hämangiom (Blutschwämmchen).
Eine Ausnahme bildet ein häufig vorkommender gutartiger Speicheldrüsentumor, das pleiomorphe Adenom, das meist in der Ohrspeicheldrüse lokalisiert ist. Dieser Tumor wächst langsam und asymptomatisch und kann bösartige Zellen in sich bergen. Daher ist die zeitnahe Entfernung des Tumors wichtig.
Halb­gutartige (semimaligne) Tumore dehnen sich am Ort ihrer Entstehung aus, wobei sie sich in das umgebende Gewebe ausdehnen und dieses dadurch zerstören. Ihnen fehlt jedoch die Fähigkeit Tochtergeschwülste zu setzen. Die Therapie besteht in der chirurgischen Entfernung mit anschliessender lokaler Deckung des entstandenen Gewebedefektes (siehe plastisch-rekonstruktive Chirurgie) und engmaschigen Nachkontrollen, da semimaligne Tumore wie z. B. das Basaliom häufig zu Rezidiven(Wiederauftreten) neigen. 

Bösartige (maligne)Tumore wachsen schrankenlos zerstörend in die benachbarten Gewebsstrukturen ein und können über einen Anschluss an das Lymph- und Blutgefäßsystem Tochtergeschwülste in entfernte Körperregionen setzen.
Im Kopf-/Halsbereich handelt es sich zumeist um Plattenepithelkarzinome, die von den Epithelien der Haut und Schleimhäute ausgehen können aber auch von allen anderen Gewebe-Typen entstammen können. (Bösartiger Muskel-(Leiomyosarkom), Knochen-( Osteosarkom), Knorpel-(Chondrosarkom), Bindegewebstumore(Fibrosarkom).

Tumor präop3               Tumor praop.

Typisches Erscheinungsbild eines bösartigen Tumors im Bereich des vorderen Mundbodens

Krebsentstehung
Das Plattenepithel-Carcinom der Mundhöhle gehört zu den zehn häufigsten bösartigen Tumoren des Körpers. Als mögliche Vorstufe des Mundhöhlencarcinoms spielt die orale Leukoplakie der Mundhöhle die wichtigste Rolle. Fast die Hälfte aller Mundhöhlencarcinome entwickeln sich aus oralen Leukoplakien. Es handelt sich dabei um weißliche, nicht abwischbare Veränderungen der Mundschleimhaut. (siehe Mundschleimhautveränderungen) Als eine Ursache wird die örtliche Einwirkung von Schadstoffen aus der Umwelt auf die Schleimhaut angenommen. Dabei ist Tabak und Alkohol einzeln, vor allem aber kombiniert als die beiden Hauptrisikofaktoren wissenschaftlich belegt. Aber auch mechanische Irritationen, wie z. B. chronischer Gewebereiz durch schlecht sitzende Prothesenränder oder schlechte Mundhygiene können langfristig ein Plattenepithel-Carcinom verursachen. Eine gesunde Ernährung ohne starken Alkoholkonsum und Nikotin-Abstinenz und eine gute Mundhygiene tragen somit ganz wesentlich zu einer Senkung des Erkrankungsrisikos bei.

Diagnostik und Therapie
Entscheidend für die Prognose bösartiger Tumore ist deren frühzeitige Erkennung und chirurgische Entfernung als Mittel der ersten Wahl. Als erster Schritt wird meist eine Gewebeprobe aus dem Tumor entnommen und in der Pathologie feingeweblich untersucht. Bestätigt der pathologische Befund eine bösartige Tumorerkrankung, wird anschliessend durch bildgebende Verfahren das Tumorstadium bestimmt. (Staging-Untersuchung: Sonographie (Ultraschall), konventionelle Röntgenuntersuchung, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Knochenszintigraphie und ggf. Positronen-Emissions-Tomographie (PET)).
Nach Abschluss aller Untersuchungen zur Tumorstadienbestimmung wird im Rahmen regelmässiger abteilungsübergreifender Tumorkonferenzen jeder einzelne Tumorfall mit unseren Kollegen der Onkologie, Strahlentherapie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und falls erforderlich der Kinderklinik besprochen und ein Therapiekonzept erstellt, die mit größter Wahrscheinlichkeit eine Heilung verspricht bei bestmöglichen kosmetischen und funktionellen Ergebnissen unter Berücksichtigung der Operationsfähigkeit und Alter des Patienten.

Für die Behandlung stehen Operation, Bestrahlung sowie Chemotherapie und die Kombination aller drei Methoden zur Verfügung.
Entsprechend den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie hat bei bösartigen Tumoren der Kopf- und Halsregion die operative Behandlung mit der radikalen Tumorentfernung (en´ bloc Resektion des Primärtumors) mit Entfernung der Halslymphbahnen, als Prophylaxe oder bei Tumorbefall therapeutisch (Neck-Dissection), oberste Priorität.
Der Tumor wird mit einem gewissen Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe entfernt, da von bösartigen Tumoren feine Tumorausläufer in das umgebende Gewebe ausgehen können, die zu Tochtergeschwülsten und Rezidiven (Wiederauftreten) führen. Während der Operation wird das entfernte Gewebe in die Pathologie geschickt und sofort auf Vollständigkeit überprüft (Schnellschnitt-Untersuchung), sodass bei unvollständiger Entfernung des Tumors sofort nachgeschnitten werden kann. Besonders bei Operationen im Mundbereich kann ein vorübergehender Luftröhrenschnitt (Tracheostoma-Anlage) zur Atemwegssicherung indiziert sein, der in der Regel nach Abschwellen des OP-Gebietes zeitnah und problemlos entfernt werden kann.
Nach Entfernung des Tumors wird der entstandene Gewebedefekt durch plastisch-rekonstruktive Operationstechniken ersetzt. Dabei legen wir besonders viel Wert, gerade im exponierten Gesichts- und Halsbereich das bestmögliche funktionelle und ästhetische Ergebnis für unsere Patienten zu erzielen.
Bei weit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen  kann  vor Operation oder danach eine Bestrahlung des Tumors und deren Lymphabflussgebiete in Kooperation mit der hiesigen Strahlenklinik angezeigt sein.

 

Skelett11      Skelett 2        Skelett 3

 

Knochen UK Tumor                    Reko mit Platte1

Computergestützte Rekonstruktion des Unterkiefers aus dem Wadenbein nach Tumoroperation

Nach der Operation wird versucht mit Hilfe unserer hausinternen Logopäden, Physiotherapeuten und Sozialdienstmitarbeitern für unsere Tumorpatienten die bestmögliche Wiedereingliederung in den Alltag zu ermöglichen. Dabei kann auch zum Beispiel eine anschliessende Anschlussheilbehandlung (Reha-Aufenthalt) indiziert sein. Besonders für Patienten mit Tumo­re im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich ist eine Reha­bilitation für die Schluck- und Sprechfunk­tion oft sehr hilfreich.

Die Nachsorge
Im Rahmen der Tumorbehandlung steht für uns die bestmögliche Therapie und Nachsorge an erster Stelle. Nach Abschluss der operativen Behandlung werden unsere Patienten regelmäßig nachuntersucht. Dadurch kann ein Tumorrezidiv oder ein Zweittumor sehr früh erkannt und noch vor Ausbruch der Erkrankung behandelt werden.
Je nach Tumorart, -größe und -lokalisation erfolgt die Nachsorge im ersten Jahr nach der Tumoroperation etwa monatlich, im zweiten Jahr jeden zweiten Monat, im dritten Jahr je­den dritten Monat, im vierten und fünften Jahr in halb­jährigem Abstand. Danach sollte einmal jährlich eine Un­tersuchung erfolgen. Diese Zeiträume sind jedoch nur Richtwerte; die für die Patienten erforderlichen Nachsorgetermine legen wir aufgrund der jeweiligen letzten Befunde individuell fest.

Sprechstunden zur Tumornachsorge

Autorin/Autor: NY-.-

 
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