Traumatologie der Mund-Kiefer-Gesichtsregion

Unter  Trauma versteht man eine Verletzung von Körpergewebe, die durch äußere Krafteinwirkung entstanden ist. Je nach Richtung und Größe sowie Dauer und Lokalisation der Krafteinwirkung kann es zu Verletzungen unterschiedlichen Formes und Ausmaßes kommen.
Durch Verkehrsunfälle, Stürze, Schläge, Tritte, Schüsse, Quetschungen, Verbrennungen, Verätzungen u. ä. kann es im Kiefer- und Gesichtsbereich zu Schädigungen von Zähnen und des Zahnhalteapparates, Gesichtsweichteilverletzungen, Knochenbrüchen oder Kombinationen der genannten Verletzungen kommen.

Zahnverletzungen
Durch äußere Gewalteinwirkung kann es zum Bruch (Fraktur) der Zahnkrone oder der Zahnwurzel, zu Kieferkammbrüche, zur Zahnlockerung (Luxation), Eindrücken (Intrusion) oder Herausfallen (Totalluxation/Avulsion) eines oder mehrerer Zähne kommen. Nach einer Röntgenuntersuchung werden luxierte Zähne in die ursprüngliche Position zurückgesetzt und geschient. Ziel ist es, die Zähne vital (lebend) und sensibel zu erhalten, die Zahnposition möglichst exakt wiederherzustellen und Abbauvorgänge und Entzündungen zu vermeiden bzw. zu minimieren. Je nach Ausmaß des Zahnshartsubstanzverlustes kann eine Wurzelkanalbehandlung, ggf. eine Überkronung o. ä. erforderlich sein. Die Notfallversorgung o. g. Verletzungen erfolgt in unserer Klinik. Die Weiterbehandlung wird vom jeweiligen Hauszahnarzt übernommen. Milchzähne werden nicht replantiert.

Weichteilverletzungen des Gesichtes, der Nase und der Ohren, der behaarten Kopfhaut, der Lippen sowie der Zunge, den Schleimhäuten und des Gaumens können unter Beteiligung von Nerven, Blutgefäßen,  Muskeln und Drüsengewebe auftreten. Die Therapie besteht in einer mehrschichtigen Wundnaht mit feinem Nahtmaterial. Je nach Ausmaß des Gewebedefektes und Vitalität, d. h. Gewebedurchblutung und Verschmutzungsgrad können auch aufwändige Lappenplastiken, Hauttransplantationen, ggf. Nervrekonstruktion notwendig sein, wobei unser besonderes Augenmerk auf die bestmögliche Wiederherstellung von Form, Ästhetik und Funktion im Kiefer- und Gesichtsbereich liegt. Häufig ist bei Patienten mit Immunschwäche oder höhergradigem Verschmutzungsgrad der Weichgewebsverletzung eine mehrtägige antiinfektiöse Begleittherapie mit Antibiotika, in Tablettenform oder über die Vene im Rahmen eines stationären Aufenthaltes notwendig. Trotz modernster Rekonstruktionsverfahren lassen sich bleibende Schäden und Narben nicht immer vermeiden.

Knochenbrüche im Kiefer- und Gesichtsbereich
Brüche im Gesichtsbereich betreffen das Unterkiefer, das Stirnbein und das zentrale und seitliche Mittelgesicht.
Je nach Bruchmechanismus kommen Einfach-, Mehrfach-, Trümmerbrüche eines Knochens oder mehrerer Knochen vor. Die Kontinuitätsunterbrechung eines Knochens führt zu dessen Instabilität. Daher ist eine Therapie unumgänglich. Die meisten Brüche werden operativ in Allgemeinnarkose behandelt. Prinzipiell besteht die operative und konservative Therapie von Brüchen aus Reposition, d. h. des Einrichtens der Bruchanteile mit Einstellung eines regelrechten Bisses, der Retention, d. h. der Sicherung der eingerichteten Bruchanteile, der Fixation, die Ruhigstellung der Bruchstücke durch Schrauben oder Platten aus Titan und ggf. anschließender Immobilisation.

Je nach Ausmaß, Schweregrad und allgemeinem Zustand des Patienten wird der Bruch in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose, ambulant oder unter stationären Bedingungen versorgt.
Die grundsätzlichen Ziele der Bruchbehandlung sind die Wiederherstellung der ursprünglichen knöchernen Form und Funktion, der Gesichtsform und der Kaufunktion. Hierdurch werden die durch den Bruch verursachten Schmerzen beseitigt und die Gefahr einer Knochenentzündung vermindert.
Verletzungen im Bereich der Kiefer und des Gesichtes sind oft begleitet durch Verletzungen anderer Körperpartien wie z. B. durch eine begleitende Gehirnerschütterung, Schädelbasisbrüche, Brüche der Extremitäten oder Verletzungen innerer Organe wie Lunge, Milz, Leber, Verletzungen des Magen-Darm-Traktes etc., die interdisziplinär im Rahmen unseres Polytrauma-Managements je nach Dringlichkeit  in unserem Krankenhaus der Maximalversorgung von den jeweiligen Abteilungen versorgt werden.

Diagnostik und Therapie von Knochenbrüchen
Nach ausführlicher präoperativer Bildgebung mittels Röntgenaufnahmen oder Computertomographie wird die endgültige Diagnose gestellt. Hiernach erfolgt die Therapieplanung und Aufklärung des Patienten über die Therapiemöglichkeiten (Konservative oder operative Versorgung).

Bei Schädelbrüchen wird ein operativer Zugang über die Kopfhaut gewählt, dessen Narben im späteren Verlauf durch das Haar gut abgedeckt ist. Die einzelnen Knochenanteile werden entsprechend ihrer normalen Anatomie zusammengefügt und mit Plattensystemen stabilisiert.
Bei Brüchen im Mittelgesichtsbereich bieten sich je nach Region unterschiedliche Zugängswege an. Am häufigsten wird eine Schnittführung im Oberkiefer Mundvorhof gewählt, da die hier entstehenden Narben nach außen nicht sichtbar sind und der Zugang zu fast allen Mittelgesichtsknochen möglich ist. Bei Brüchen des Augenhöhlenbodens (Orbitaboden) kann jedoch eine Schnittführung direkt unterhalb des Unterlides sowie im seitlichen Bereich der Augenbrauen erforderlich sein. Erfahrungsgemäß hinterlassen diese Schnitte jedoch kaum sichtbare Narben. Auf diese Weise ist ein guter Zugang zu den gebrochenen Knochenbereichen und der operativen Behandlung mit Titanplatten, selbstauflösenden PDS-Folien, Titanmesh oder spezielle Implantate möglich.
Unterkieferbrüche treten meistens im vorderen Bereich oder im Unterkieferwinkelbereich auf. In der Regel ist ein operativer Zugang über den Mundvorhof möglich, die keine sichtbaren Narben hinterlässt. In Einzelfällen ist jedoch auch hier ein Schnitt direkt unterhalb des Unterkiefers im Bereich des Bruches erforderlich, da ansonsten eine sichere Stabilisierung der gebrochenen Kieferanteile nicht möglich ist. In Abhängigkeit vom Schweregrad des Bruches, welches häufig intraoperativ erst sicher eingeschätzt werden kann, entscheidet der Operateur über das verwendete Plattensystem.
Bei Brüchen des Kieferköpfchens bzw. des Kieferhalses hängt die Behandlungsform von der Höhe des Bruches ab. Brüche des Kieferköpfchens werden in unserem Haus sowohl operativ als auch konservativ behandelt.
Bei Brüchen des aufsteigenden Unterkieferastes ist die Darstellung des Bruches durch die Mundhöhle in der Regel sehr schwer möglich und wird daher selten durchgeführt. Hier bieten sich operative Zugangswege vor dem Ohr an.

Nach Abschluss der regelrechten Bruchheilung kann auf Wunsch des Patienten nach 6-9 Monaten die Entfernung der Plattensysteme in Vollnarkose durchgeführt werden. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen stellt das lebenslange Belassen der Titanplatten jedoch keine Gesundheitsgefährdung dar. 

 

Autorin/Autor: NY-.-

 
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