Dysgnathie-Chirurgie

 

Unter einer Dysgnathie (Fehlbiss) versteht man eine Stellungs- oder Formanomalie von Zähnen und / oder der Kieferknochen, wobei eine Fehlstellung der Zahnstellung, der Kieferform, der Kiefer zueinander oder der Einbau der Kiefer zum Schädel ursächlich sein kann. Dies ist oftmals die Grundlage von ästhetischen sowie funktionellen Beeinträchtigungen im Kiefer- und Gesichtsbereich.

Ästhetische Aspekte
Als ästhetisch schön werden Gesichter empfunden, in denen die Gesichtspartien symmetrisch zueinander stehen, d. h. dass beim Blick von vorne die Augen, die Augenbrauen, die Nasenflügel, die Mundwinkel sowie das Kinn in etwa einem gleichen Abstand zu einer gedachten Mittellinie durch Stirn, Nase und Lippen stehen sowie beim Blick von der Seite die Stirn, das Mittel- und Untergesicht in einer proportionalen Beziehung zueinander stehen. Das Mittel- und Untergesicht wird durch die Lage und Größe des Unter- und Oberkiefers zueinander bestimmt.

Funktionelle Aspekte
Funktionellen Krankheitswert erhalten diese Fehlstellungen dann, wenn Zahnfehlstellungen oder Kieferfehllagen zu einer Fehlbelastung im Kausystem führen. Durch unbewusstes nächtliches Pressen und Knirschen wird versucht, die Zahnfehlstellung zu beseitigen. Mittel- und langfristig kann es durch diese Fehlbelastung zu Schmerzen, Reibe- und Knackgeräusche und Bewegungseinschränkung der Kiefergelenke sowie schmerzhafter Verspannung der Kau- und Gesichtsmuskulatur und nicht selten zu Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur kommen.
Des weiteren können Kieferfehllagen dazu führen, dass der Betroffene den Mund nicht komplett schließt, sodass sich eine gewohnheitsmäßige Mundatmung einstellt, die häufig sekundär zum Austrocknen der Zähne und folglich zur Kariesentstellung beiträgt.

 

Häufige Kieferfehllagen(Dysgnathien)

Die Unterkieferrücklage (Mandibuläre Retrognathie)
Die häufigste Form der Dysgnathie ist die Unterkieferrücklage und zeichnet sich durch ein „fliehendes Kinn“ und eine vorspringende Oberlippe aus. Sie kann ein- oder beidseitig auftreten oder auch kombiniert mit einer maxillären Prognathie (Oberkiefervorverlagerung), erworben durch z. B. Daumenlutschen oder Kiefergelenkssteife oder aber genetisch bedingt sein.
Durch diese Fehllage kommt es häufig zu einer Verlängerung der oberen und unteren Schneidezähne, da beim Wachstum der natürliche Stopp der vorderen Verzahnung fehlt. Folglich kommt es nicht selten zum Auftreffen der unteren Schneidezähne auf die Gaumenschleimhaut des Oberkiefers und zu schmerzhaften Schleimhautwunden des Gaumens. Des Weiteren kann es durch ein obligatorisches Vorschieben des Unterkiefers beim Abbeißen zu einer Fehlbelastung der Kiefergelenke kommen, was mittel- und langfristig zu Schmerzen und zum Verschleiß des Kiefergelenkes führt.

Die Unterkiefervorlage( Mandibuläre Prognathie)
Die Unterkiefervorlage ist eine Fehllage des Unterkiefers, die sich durch einen umgekehrten Überbiss der unteren Schneidezähne, einem sogenannten Kreuzbiss und ein vorspringendes Kinn auszeichnet. Ursächlich ist zumeist eine Vorlage des Unterkiefers zum Oberkiefer, Jedoch kann auch eine reine Unterentwicklung des Oberkiefers (Pseudoprogenie) oder eine Kreuzbissstellung der oberen und unteren Schneidezähne bei korrekter Lagebeziehung der Kiefer zueinander oder Kombinationen aus allen Varianten die Ursache sein.

  

Der Behandlungsablauf
Sowohl die Vorbehandlung als auch die postoperative Behandlungsphase der Dysgnathien findet durch die Kollegen der Kieferorthopädie statt. Daher ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Kieferorthopädie und MKG-Chirurgie in der Behandlung der Dysgnathien von herausragender Wichtigkeit für den Behandlungserfolg.

Im Rahmen der Vorbehandlung werden in der Kieferorthopädie Röntgenbilder, Gipsmodelle und Fotos zur genauen Diagnostik angefertigt und gezielte Berechnungen durchgeführt. Anhand der Ergebnisse wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Ist eine Operation indiziert, erfolgt die Vorstellung des Patienten in unserer Dysgnathie-Sprechstunde. 

Zunächst werden durch eine kieferorthopädische Behandlung, die in der Regel ca. 12-15 Monate dauert, die Zahnbögen des Ober- und Unterkiefers zueinander ausgeformt, d. h. Zahnfehlstände korrigiert. Hierbei kann es vorübergehend zu einer Verschlechterung der Ästhetik und des Zusammenbeißens kommen.

Der kieferorthopädischen Vorbehandlung schließt sich die Phase der Operationsplanung an. Erneut werden Röntgenaufnahmen, Gipsmodelle und Fotos erstellt und eine simulative Operation anhand der Gipsmodelle durchgeführt.

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Die Operation
Zie der Operation ist es die Fehlbisslage zu korrigieren und ein funktionell und ästhetisch wünschenswertes Ergebnis zu erzielen.

Nach entsprechender kieferorthopädischer Behandlung unterschiedlichen Ausmaßes wird z. B. bei der Unterkiefervor- oder rückverlagerung der zahntragende Anteil des Unterkieferknochens freigelegt und vom gelenktragenden Anteil abgetrennt. Der zahntragende Anteil wird in die richtige Position gebracht (Vor- oder Rückverlagerung des Unterkiefers) und beide Kieferteile durch Schrauben und Miniplatten fixiert. Falls erforderlich, wird im Rahmen einer bignathen Operation der Oberkiefer zur Korrektur des Mittelgesichtes vom übrigen Mittelgesicht getrennt und in richtiger Position durch Miniplatten fixiert.

Auch kann bei einer solitären maxillären Fehllage (Oberkiefervor- oder rücklage) eine alleinige operative Korrektur des Oberkiefers durchgeführt werden. Hierbei wird wie bereits oben erwähnt, der Oberkiefer vom übrigen Mittelgesicht getrennt und vor- oder rückverlagert fixiert. Häufig ist bei Vorliegen eines zu schmalen Oberkiefers eine Spaltung des Oberkiefers in der mediansaggitalen Ebene zur Weitung des Zahnbogens indiziert.    

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Zu einem Beratungstermin in unserer Dysgnathie-Sprechstunde bitten wir Sie eine Krankenhauseinweisung von Ihrem behandelnden Zahnarzt, Kieferorthopäden oder Hausarzt mitzubringen.

 

                                      

 

Autorin/Autor: NY

 
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