Erfahrungsbericht Medientherapie

Medientherapie am Klinikum hilft Jugendlichen beim Umgang mit WhatsApp & Co

Selbst-Bewusst online

„Früher habe ich einfach auf Veröffentlichen oder Senden gedrückt“, sagt Fabian F.. Heute ist sich der 12-Jährige bewusst, dass er mit sozialen Medien bewusst umgehen muss: Der Junge aus dem Raum Nürnberg nimmt im Rahmen einer Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Nürnberg an einem neuen Angebot der Medientherapie teil. Die Jugendlichen müssen nicht mediensüchtig sein, um von der Therapie zu profitieren.

Fabi F. ist weit entfernt von einer Mediensucht. Doch seit die Corona-Pandemie den 12-Jährigen immer häufiger im Kinderzimmer festhält, nehmen die verschiedenen Medien viel Raum in seinem Leben ein. In seiner Freizeit chattet er mit Freunden oder verfolgt Instagram-Trends zu seinem Hobby, dem BMX-Fahren. Für ihn wie die meisten aus der Generation der so genannten Digital Natives ist die Nutzung sämtlicher Medien ein „Kinderspiel“. Ganz selbstverständlich bedienen Kinder und Jugendliche wie Fabi F. sämtliche Geräte und Programme, kommunizieren in Chats mit Freunden. Auch das Liken und Kommentieren von Beiträgen gehört zum Alltag. Doch oft fehlt den Jugendlichen der sichere Umgang mit den Medien. So auch Fabi F. „Ich habe darüber nie nachgedacht“.

Von der Mediennutzung zur Kompetenz      

In Kleingruppen lernt der 12-Jährige nun gemeinsam mit Gleichaltrigen, sich sicher im Netz zu bewegen. Die Kinder und Jugendlichen entlarven Fake News, hinterfragen und beurteilen digitale Inhalte. Auch das Veröffentlichen von sensiblen Inhalten ist ein Thema. „Manchmal stelle ich mir all die Menschen vor, die das Foto sehen, wenn ich überlege, ein Foto hochzuladen“, sagt Fabi F. „Das hilft mir“. Gemeinsam mit seinen Altersgenossen erarbeitet er sich zudem, wann Medien im Alltag sinnvoll sind und wann der Griff zum Smartphone überflüssig ist.

„Die Jugendlichen sollen nicht nicht konsumieren. Wir zeigen, welche interessanten Inhalte sie sich aus den Medien herausziehen können, ohne wahllos zu konsumieren“, erklärt Andrea Balint, leitende Psychologin in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Die Therapie dort hat Fabi F. mittlerweile beendet. Sie hat ihm gut getan. Viel mehr als früher freut er sich heute auf die Schule, denn dort kann er seine Freunde treffen – und zwar in der realen Welt. Wenn er mit der Schule fertig ist, möchte sich Fabi F. als Stuckateur bewerben. „Ich will wie mein Onkel etwas Handwerkliches machen und nicht am Computer arbeiten“, beantwortet er die Frage nach seinem Berufswunsch. „Da bin ich froh, wenn mein künftiger Chef keine uncoolen Bilder auf Insta findet“, sagt er stolz.

                                                                                                          

Autorin/Autor: Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter

 

Kinder- und Jugendpsychiatrie

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