Trichterbrust

Informationen zu Ursache, Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit Trichterbrust (pectus excavatum).

Was ist eine Trichterbrust? (Definition)
Die Trichterbrust (pectus excavatum) ist eine angeborene Fehlbildung des Brustkorbes, bei der das Brustbein (Sternum) nach innen „gesunken“ ist und der Brustkorb von vorne somit wie ein Trichter aussieht. Man nimmt derzeit an, dass Stoffwechselstörungen in den Knorpeln, die die Rippen mit dem Brustbein verbinden, die Ursache dafür sein können.

Die Trichterbrust ist die häufigste angeborene Fehlbildung des Brustkorbes und tritt mit einer Häufigkeit von ca. 1:300 bis 1:400 Kinder auf. Dabei sind Jungen mit einem Verhältnis von ca. 3:1 deutlich häufiger betroffen, als Mädchen.

Oft ist die Fehlbildung schon bei Geburt erkennbar, in ca. 90 Prozent wird sie innerhalb des ersten Lebensjahres diagnostiziert. Die Trichterbrust kann aber auch erst mit dem pubertären Wachstumsschub in den frühen Teenager-Jahren erstmals auftreten.

Häufig bemerken die Betroffenen eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes, unter Umständen auch das Auftreten von Symptomen. Das veränderte Erscheinungsbild durch eine Trichterbrust kann mit einer problematischen Selbsteinschätzung und Körperwahrnehmung einhergehen und bereitet vielen Betroffenen Schwierigkeiten.

Krankheitsentstehung: Wie entsteht eine Trichterbrust? (Pathophysiologie)
Bei der Trichterbrust ist das Knochen- und Knorpelwachstum der vorderen Brustwand abnormal und betrifft typischerweise vier bis fünf Rippen pro Seite und das Brustbein (Sternum). Noch verstehen wir die Entstehung der Trichterbrust nur unzureichend. Da bei bis zu einem Drittel der Patienten weitere Mitglieder der Familie von einer Trichterbrust betroffen sind, erscheint eine genetische Komponente in der Entstehung wahrscheinlich. Einzelne Gene konnten bislang aber noch nicht identifiziert werden.

In den allermeisten Fällen tritt eine Trichterbrust isoliert auf. Nur selten findet man weitere Skelettveränderungen, Kombinationen mit Organfehlbildungen oder Stoffwechselproblemen. Aber es gibt einige Syndrome, die häufig oder regelhaft mit einer Trichterbrust einhergehen, hierzu gehören das Marfan- und das Poland-Syndrom.

Veränderungen und Beschwerden

  • Erscheinungsbild
    Das optische Erscheinungsbild einer Trichterbrust weist eine sehr große Bandbreite auf. Das Spektrum reicht von nur für das geschulte Auge wahrnehmbaren Veränderungen bis hin zu sehr ausgeprägten Befunden.Das Hauptkennzeichen der Trichterbrust ist die eingesunkene vordere Brustwand. Typischerweise ist insbesondere der untere Anteil des Brustbeines betroffen, während der obere fast normal erscheinen kann. Ein Herausstehen der Rippen am unteren Rippenbogen wird ebenfalls häufig beobachtet. Bei Betroffenen mit Trichterbrust sehen wir sowohl symmetrische, als auch asymmetrische Formen. Bei Mädchen sind vor allem die asymmetrischen Formen mit unterschiedlich großen und unterschiedlich geformten Brüsten zu finden.
    Durch diese Asymmetrien kann es im Verlauf des Wachstums zu einer S-förmigen Verbiegung der Wirbelsäule (Skoliose) kommen.
    Abgesehen von den knöchern-knorpligen Veränderungen am Brustkorb fällt bei Trichterbrust-Patienten oft auch eine typische Haltung mit hängenden und nach innen gedrehten Schultern und vorwärts geneigter Brustwirbelsäule auf; das was gerne als „schlechte Haltung“ bezeichnet wird.
  • Schmerz
    Einige Patienten mit Trichterbrust berichten über Schmerzen im Brustkorb und/oder Rücken. Die Ursache des Schmerzes ist noch unklar, meist werden die Beschwerden im Stützapparat, also den Knochen und Muskeln, lokalisiert.
  • Lungenfunktion
    Veränderungen und Beeinträchtigungen der Lungenfunktion können als Folge der Verringerung des Brustkorbvolumens aufgrund der Trichterbrust entstehen. Häufig lässt sich das nicht eindeutig beweisen, da die Lungenfunktion auch bei Menschen ohne Trichterbrust einer großen Bandbreite unterliegt und darüber hinaus auch stark vom Körperbau und Trainingszustand beeinflusst wird.
    In vielen Fällen ist die Lungenfunktion altersentsprechend. Insbesondere bei älteren Patienten kennen wir jedoch auch Einschränkungen wie Widerstand beim Ausatmen (Obstruktion) oder einer verminderten Elastizität von Lunge und Brustkorb (Restriktion). Nicht wenige Betroffene berichten über eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit mit Kurzatmigkeit bei Anstrengung. Diese Beschwerden beginnen oft in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter. Durch eine Trichterbrust verursachte Beschwerden bei Kindern unter 10 Jahren sind selten.
    Bei Patienten mit ausgeprägter Trichterbrust (Haller-Index* > 3,2) konnte eine Verbesserung der Lungenfunktion und Leistungsfähigkeit nach operativer Korrektur nachgewiesen werden.
    *Der Haller-Index ist das Verhältnis der Lungenbreite zum Abstand zwischen Brustbein-Hinterkante und Wirbelkörper-Vorderkante, gemessen an einem Schnittbild (CT oder MRT). Je höher die Zahl, umso ausgeprägter ist die Trichterbrust. Werte um 2,5 sind normal, ab 3,0 liegt ein deutlich pathologischer Befund vor.
  • Herz
    Die Verschiebung des Herzen durch die Trichterbrust kann die Lage der Herzens verändern und Druck auf die rechte Herzkammer ausüben. Das Herzschlagvolumen, also die Menge Blut, die das Herz mit einem Schlag transportieren kann, ist im Vergleich zu Nicht-Betroffenen oft geringer. Während einer Ultraschallunterschung des Herzens (Echokardiographie) stellen die Kardiologen oft Veränderungen an den Herzklappen fest (Mitralklappenprolaps, Mitral- und Trikuspidalklappeninsuffizienz).

Untersuchungen
Um eine Trichterbrust zu beurteilen zu können, ist eine Untersuchung häufig ausreichend.
Abschätzen lässt sich damit die Ausprägung, Begleitveränderungen wie eine Skoliose und mit einfachen Tests lässt sich die Flexibilität der Brustwand beurteilen. Wir messen die Trichtertiefe und halten die Veränderungen fotografisch fest. Diese gibt uns im weiteren Verlauf einen guten Anhalt dafür, inwieweit eine Behandlung zu einer Verbesserung des Erscheinungsbildes geführt hat.
Blutentnahmen für Laboruntersuchungen oder der Einsatz von sonstigen bildgebenden Verfahren, wie Röntgen, CT oder MRT sind zunächst nicht erforderlich – sie werden veranlasst, sollte eine Operation geplant sein. Weitere Untersuchungen, z. B. des Herzens (EKG, Ultraschall) und/oder der Lunge (Lungenfunktionsprüfung) können folgen, . Bei der Mehrzahl der Patienten ist das jedoch nicht erforderlich.

Behandlung
Wir beraten unsere Patienten ausführlich und individuell und entscheiden gemeinsam, welche Behandlung in Frage kommt.
Zu unserem Spektrum zählen nichtoperative und unterstützende Techniken (Verfahren mit Saugglocke nach Eckart Klobe), ebenso wie operative Therapien (Trichterbrust-Korrektur nach Nuss)

  • Physiotherapie / Krankengymnastik
    Physiotherapie oder Krankengymnastik allein können eine Trichterbrust nicht korrigieren. Es gibt verschiedene krankengymnastische Konzepte zur Therapie der Trichterbrust, ein wissenschaftlicher Nachweis zur Wirksamkeit steht bislang noch aus.
    Da eine Trichterbrust jedoch meistens mit einem muskulären Ungleichgewicht im Rumpf- und Schulterbereich und damit einer suboptimalen Haltung einhergeht, haben wir zusammen mit Physiotherapeuten ein Programm ausgearbeitet, das speziell auf die Bedürfnisse betroffener Patienten abgestimmt ist und dem vor Ort behandelnden Krankengymnasten als Anregung vorgelegt werden kann.
  • Die Saugglocke nach Eckart Klobe
    Eine wirksame nichtoperative Methode zur Behandlung der Trichterbrust ist die Saugglocke nach Eckart Klobe. Das Prinzip beruht darauf, den Trichter der Trichterbrust mittels Unterdruck anzuheben Eckart Klobe hat als Ingenieur ein System entwickelt, mit dem er seine eigene Trichterbrust behandelte. Dieses System einer aus Silikon bestehenden „Glocke“ mit einem Pumpball zum Aufbau des Unterdruckes wurde in den 90er Jahren erstmals vermarktet und mittlerweile einige Tausend Male verkauft.
    Zwischenzeitlich existieren wissenschaftliche Untersuchungen, die den Erfolg dieser Methode belegen. Die Saugglocke stellt eine gute Option für alle dar, für die Patienten, für die eine Operation nicht in Frage kommt.
    Voraussetzung:
    - Dauer der Behandlung beträgt zwei bis drei Jahre mehrere Stunden täglich
    - die Kosten in Höhe von rund 600 Euro müssen die Patienten selbst zahlen, weil die Krankenkassen diese oft nicht übernehmen
  • Die operative Trichterbrustkorrektur
    Die Trichterbrustkorrektur nach Nuss – auch minimalinvasive Reparatur des Pectus excavatus (MIRPE) genannt - korrigiert die Fehlbildung durch einen oder zwei U-förmige Stahlbügel, die hinter dem Brustbein platziert, dann umgeschlagen und seitlich an den Rippen fixiert werden. Einige Modifikationen der ursprünglichen Technik, wie beispielsweise das videokontrollierte Durchziehen des Bügels zwischen Brustbein und Herzbeutel haben diesen Eingriff noch sicherer gemacht.

Beratung und weitere Informationen / Terminvereinbarung
Wir beraten Sie gern. Vereinbaren Sie dazu bitte einen Termin über unser Sekretariat (Fr. Korzendorfer: 0911/398-5455). Bei der Erstvorstellung nehmen wir Ihre medizinische Vorgeschichte auf und  untersuchen Sie, um  Ausprägung der Trichterbrust und ggf. vorhandene Begleitprobleme einschätzen zu können.

Sobald Ihre Fragen ausführlich beantwortet sind, stimmen wir mit Ihnen das weitere Vorgehen ab. Entscheidung für ein bestimmtes Vorgehen getroffen, vereinbaren wir einen weiteren Termin, indem die Befunde dokumentiert und ggf. weitere diagnostische Maßnahmen empfohlen werden. Nach Vorliegen aller Ergebnisse entscheiden wir gemeinsam über das endgültige Behandlungskonzept und terminieren die weiteren Schritte.

Wir hoffen, unsere Informationen haben Ihnen geholfen. Fragen beantworten wir Ihnen sehr gern Rufen Sie uns an oder schreiben uns eine E-Mail.

Ihr Team der Kinderchirurgie

Autorin/Autor: Dr. med. Michael Kohl, Dr. med. Julian Busch

 
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