Infoblatt: Entbindung aus Beckenendlage

Falls sich Ihr Kind im Mutterleib in einer Beckenendlage (Steißlage) eingestellt hat, sollen Ihnen die folgenden Informationen helfen, die Vor- und Nachteile einer Entbindung durch die Scheide (vaginal) bzw. durch Kaiserschnitt zu verstehen. Darüber hinaus bieten wir Ihnen ein Aufklärungsgespräch an, welches am besten zwischen der 34. und 36. SSW durchgeführt werden sollte.

Eine Einstellung des Ungeborenen in einer Beckenendlage (Steißlage) in Geburtsterminnähe tritt in ca. 5% auf. In Deutschland - wie auch im Ausland - wird an vielen Kliniken der Kaiserschnitt vor Beginn der Wehentätigkeit (primärer Kaiserschnitt) bevorzugt, um damit den vermeintlichen Geburtsstress für das Kind so gering wie möglich zu halten und um kindliche Verletzungen (z. B. Armlähmung) zu vermeiden.

Das Erkrankungsrisiko für die Mutter nach einem Kaiserschnitt (z. B. Embolien, Thrombosen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Verwachsungen und lebensbedrohliche Spätkomplikationen) ist allerdings um mindestens das Dreifache höher, als bei einer normalen Entbindung durch die Scheide.

Andererseits kann natürlich auch eine normale Geburt Einfluss auf den mütterlichen Beckenboden ausüben. Neue Studienergebnisse demonstrieren jedoch, dass nicht allein eine normale Geburt zu negativen Veränderungen des Beckenbodens (insbesondere Harn- u. Stuhlinkontinenz) führt und ein Kaiserschnitt diese genannten Veränderungen nicht zuverlässig verhindern kann.

Eine weitere Alternative besteht in der äußeren Wendung des Kindes aus Beckenendlage in Schädellage. Der Wendungsversuch wird am besten zwischen der 36. und 38. SSW durchgeführt. Die Erfolgsrate beträgt in Abhängigkeit von der geburtshilflichen Situation ca. 50 %. Auch hierzu werden Sie im Beratungsgespräch informiert.

 

Vor kurzem wurden Ergebnisse einer großen internationalen Studie veröffentlicht, die eine Aussage über die kindliche Erkrankungs-, Entwicklungs- und Sterberate von Kindern beinhaltet, die bei Beckenendlage entweder durch die Scheide oder durch Kaiserschnitt entwickelt wurden. Die Studie konnte belegen, dass das kindliche Erkrankungs- oder Sterberisiko sowie die spätere kindliche neurologische Entwicklung nicht von der Entbindungsart abhängig war. Voraussetzung dafür war allerdings, dass die Entbindung in einer Geburtsklinik durchgeführt wurde, in der ein qualifiziertes Team vorhanden war und das zu jedem Zeitpunkt über Operationsmöglichkeiten, Narkosearzt sowie Kinderarzt verfügte.

Daher führen wir üblicherweise bei Beckenendlage (Steißlage) die Entbindung auf natürlichem Weg durch. Aus unserer Sicht besteht bei den meisten Frauen keine medizinische Notwendigkeit für einen geplanten Kaiserschnitt.

Sollten Sie sich nach dem Beratungsgespräch für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden haben, so führen wir diesen selbstverständlich in unserer Klinik durch.

Eigene Ergebnisse

In den Jahren 1988-2005 wurden in der Frauenklinik Nürnberg/Schwerpunkt Geburtshilfe mehr als 1600 Kinder aus Beckenendlage geboren. Es wurden die Neugeborenen im Hinblick auf die kindliche Erkrankungsrate untersucht. Ca. 66 % aller Gebärenden brachten ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt. Dabei bestand keine Abhängigkeit von der Zahl der vorangegangenen Geburten bzw. dem Geburtsgewicht des Kindes. Es wurden bei den Kindern keine Hinweise auf einen erhöhten Sauerstoffmangel unter der Geburt gefunden. Alle Kinder, die nach 37 Schwangerschaftswochen geboren wurden, konnten gemeinsam mit der Mutter die Klinik verlassen. Bei Frühgeborenen muss mit einem Aufenthalt in der Kinderklinik wegen Unreife gerechnet werden. Auch bei diesen Kindern fand sich kein erhöhtes Erkrankungsrisiko im Zusammenhang mit der Entbindung durch die Scheide.

Die normale Geburt aus Steißlage erfolgt, wie bei jeder anderen Geburt, unter einer Überwachung der Sauerstoffversorgung des Ungeborenen (Registrierung der Herzfrequenz, CTG). Die Leitung der Geburt wird von einem erfahrenen Facharzt übernommen. Ein Dammschnitt ist nur selten notwendig, die Entscheidung wird immer individuell getroffen. Auch bei Beckenendlage ist eine ambulante Entbindung möglich.

Zur Schmerzlinderung unter der Geburt gibt es u. a. die Möglichkeit der Periduralanästhesie.

Sollte es innerhalb des Geburtsverlaufes zu einer kindlichen oder mütterlichen Gefährdung kommen, ist die Beendigung der Geburt durch einen Kaiserschnitt jederzeit sofort möglich (sekundärer Kaiserschnitt). Dieser kann je nach Situation in Periduralanästhesie (PDA), Spinalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden. Über Einzelheiten wird Sie der Narkosearzt informieren.

Für weitere Fragen und für die Planung Ihrer Entbindung stehen wir Ihnen gerne im persönlichen Beratungsgespräch in unserer Schwangerenambulanz zur Verfügung.

Literatur:  Whyte, H at al. for the 2-year infant follow-up Term Breech Trial Collaborative Group: Outcomes of children at years after planned cesarean birth versus planned vaginal birth for breech presentation at term: The International Randomized Term Breech Trial. Am J Obstet Gynecol 2004; 191: 864-71

Autorin/Autor: Klinik für Frauenheilkunde

 
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