Die Entbindung aus Beckenendlage

Liebe werdende Eltern,

Ihr Kind hat sich im Mutterleib in einer Beckenendlage (Steißlage) eingestellt. Nachfolgende Informationen sollen Ihnen helfen, die Vor- und Nachteile einer vaginalen Entbindung bzw. eines Kaiserschnitts zu verstehen. Darüber hinaus bieten wir Ihnen ein Aufklärungsgespräch an, welches am besten nach einer ausführlichen Ultraschalluntersuchung zwischen der 34. und 36. SSW durchgeführt werden sollte. Es müssen zur Erreichung der größtmöglichen Sicherheit für Mutter jeweils die allgemeinen und spezifischen Risiken für Mutter und Kind mit beachtet werden.

 

Fünf Prozent aller Kinder liegen an Geburtsterminnähe in Beckenendlage (Steißlage).

In Deutschland – wie auch im Ausland – wird an vielen Kliniken der geplante Kaiserschnitt (primärer Kaiserschnitt) bevorzugt, um damit die vermeintlichen Risiken für das Kind während der Geburt (Geburtsstress/kindliche Verletzungen z.B. Armlähmung) so gering wie möglich zu halten. Das Risiko für die Mutter ist bei und nach einem Kaiserschnitt jedoch höher als bei einer normalen Entbindung durch die Scheide.

2004 wurden Ergebnisse einer großen internationalen Studie veröffentlicht, die eine Aussage über die kindliche Erkrankungs-, Entwicklungs- und Sterberate von Kindern beinhaltet, die bei Beckenendlage entweder geplant natürlich oder durch geplanten Kaiserschnitt geboren wurden. Die Studie konnte belegen, dass das kindliche Erkrankungs- oder Sterberisiko sowie die spätere kindliche allgemeine und neurologische Entwicklung im Alter von zwei und fünf Jahren nicht von der Entbindungsart abhängig war. Voraussetzung dafür war allerdings, dass die Entbindung in einer Geburtsklinik stattfand, in der zu jedem Zeitpunkt ein qualifiziertes Team bestehend aus einem erfahrenen Geburtshilfer und einer Hebamme, einem Narkosearzt, sowie einem Kinderarzt anwesend war.

Eine weitere Alternative zum geplanten Kaiserschnitt besteht in der äußeren Wendung des Kindes aus einer Beckenendlage in eine Schädellage. Der Wendungsversuch wird am besten zwischen der 36. und 38. SSW durchgeführt. Die Erfolgsrate beträgt in Abhängigkeit von der geburtshilflichen Situation und der Erfahrung des Geburtshelfers ca. 50 % und ist ebenfalls mit speziellen Risiken für das Kind verbunden.

 

 

Aufgrund unserer Erfahrung führen wir üblicherweise bei Schwangeren mit Beckenendlage (Steißlage) und dem Wunsch nach einer vaginalen Geburt diese Entbindung auf natürlichem Weg durch. Aus unserer Sicht besteht, nach sorgfältiger Risikoselektion, bei den meisten Frauen keine medizinische Notwendigkeit für einen geplanten Kaiserschnitt. Sollten Sie sich nach dem Beratungsgespräch für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden haben, so führen wir diesen selbstverständlich in unserer Klinik durch.

Eigene Ergebnisse: In den Jahren 1988-2018 wurden in der Frauenklinik Nürnberg Süd/Geburtshilfe über 3.000 Kinder aus Beckenendlage in Terminnähe geboren. Ca. 66 % aller Gebärenden brachten ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt. Eine Verlegung des Kindes in die Kinderklinik kann jedoch bei vaginalen Entbindung aus Beckenendlage notwendig werden. Im Vergleich zu den durch Kaiserschnitt geborenen Kindern wurden bei den vaginal geborenen Kindern keine Hinweise für durch Sauerstoffmangel unter der Geburt entstandene Schäden gefunden. Auch bei der Nachuntersuchung im Vorschulalter konnten wir keine Unterschiede der Kindsentwicklung im Hinblick auf den Geburtsmodus feststellen.

Über die Entbindungsposition wird im Geburtsverlauf individuell entschieden. Eine aktuelle Auswertung unserer Klinikdaten bei Beckenendlagengeburten der Jahre 2000 - 2017 zeigte, dass die Entbindung aus dem Vierfüßlerstand im Vergleich zur Rückenlage schonender für die Mütter war (es waren weniger Geburtsverletzungen zu erkennen). Es kann aber auch hierbei zu Verletzungen kommen. Ob ein Dammschnitt notwendig ist, wird zudem immer individuell entschieden.

Die normale Geburt aus Steißlage erfolgt, wie bei jeder anderen Geburt, unter Überwachung der kindlichen Herztöne (CTG). Sind diese nicht sicher ableitbar, ist eine andere Entbindungsposition notwendig. Die Leitung der Geburt wird grundsätzlich von einer erfahrenen Hebamme sowie einem erfahrenen Facharzt/Oberarzt übernommen.

Zur Schmerzlinderung unter der Geburt gibt es die selben Möglichkeiten wie bei einer vaginalen Entbindung bei Schädellage (intravenöse Schmerzmittel, Periduralanästhesie, Lachgas).

Sollte es innerhalb des Geburtsverlaufes zu einer kindlichen oder mütterlichen Gefährdung kommen, ist die Beendigung der Geburt durch einen Kaiserschnitt jederzeit möglich (sekundärer Kaiserschnitt, Not-Kaiserschnitt). Dieser kann je nach Situation in Periduralanästhesie (PDA), Spinalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden.

Auch bei Beckenendlage ist im Falle einer erfolgreichen vaginalen Entbindung eine ambulante Entbindung möglich.

Für weitere Fragen und für die Planung Ihrer Entbindung steht Ihnen das Team der Klinik für Frauenheilkunde - Schwerpunkt Geburtshilfe - sehr gerne im persönlichen Beratungsgespräch in unserer Schwangerenambulanz zur Verfügung.

Autorin/Autor: Klinik für Frauenheilkunde

 
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