Lust und Liebe altern nicht

Medikamente können bei älteren Patienten zu sexuellen Problemen führen

Sex im Alter gehört noch immer zu den Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Wer sexuelle Probleme hat, schweigt deshalb meistens darüber. Experten raten Betroffenen, neben dem Partner auch den Arzt ins Vertrauen ziehen. Denn Wechselwirkungen von Medikamenten können eine Ursache für sexuelle Probleme sein.    

Sexualität im Alter: Für viele ist das noch immer ein Tabuthema. „In unserer Vorstellung ist Sexualität mit Jugend und einem gesunden, unversehrten Körper verbunden“, erklärt Dr. Doris Bach, Psychologin und Leiterin des Instituts für seelische Gesundheit „braincare“ in Wien. Doch im Alter hadern viele mit ihrem Körperbild: Sie fühlen sich wegen Operationsnarben, neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder einer Blasenschwäche nicht mehr wohl in ihrem Körper. Sexualität kann dadurch zu einem Problem werden. „Der Körper altert zwar, Gefühle wie Lust, Liebe und Erotik aber nicht“, berichtet Bach. Es sei völlig in Ordnung, im Alter Lust auf Sex zu verspüren. „Es ist aber genauso in Ordnung, wenn man keine mehr hat.“

Wie sexuell aktiv Senioren sind, dazu möchte sich die Psychologin nicht äußern. Studien darüber gebe es natürlich, „doch die sind alle gelogen“. Denn die meisten Befragten beantworten die Fragen zu ihrem Sexualleben nicht ehrlich. Eine Erkenntnis lässt sich aus den Umfragen aber dennoch ziehen. Vielen älteren Menschen geht es nicht um den Geschlechtsakt an sich, sondern um Berührung und Zärtlichkeit.

Doppelte Sprachlosigkeit

Wer sexuelle Probleme hat, zieht jedoch nur selten seinen Arzt oder den Partner ins Vertrauen. Die Folge: Es kommt zu einer „doppelten Sprachlosigkeit“, wie es Bach nennt. Immer der jeweils andere erwarte von seinem Gegenüber, dass er das Thema anspricht. Am Ende herrscht jedoch Schweigen auf beiden Seiten. Die Psychologin rät Betroffenen mit ihrem Partner über das Thema zu sprechen. Schon mit kleinen Hilfsmitteln kann viel erreicht werden. „Mit einem Schlauchschal lässt sich zum Beispiel ein künstlicher Darmausgang verhüllen. Und Kissen können bei neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson helfen, die Körperspannung zu stützen“, erzählt sie.

Medikamentöse Ursachen

Mit dem Arzt sollten die Betroffenen ebenfalls über ihre sexuellen Probleme reden. Denn die können auch eine medikamentöse Ursache haben. „Durchschnittlich zehn verschiedene Medikamente nehmen ältere Menschen ein“, erzählt Univ.-Prof. Dr. Markus Gosch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg. Wechselwirkungen bleiben da oftmals nicht aus. Neben Potenzstörungen können auch Übelkeit, Schwindel oder Vergesslichkeit mögliche Folgen sein. Zwischen 20 und 30 Prozent aller Krankenhauseinweisungen von Menschen ab 70 Jahren können auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückgeführt werden. 

Gosch macht „Verschreibungskaskaden“ dafür verantwortlich: Ältere Menschen nehmen Tabletten, um damit Nebenwirkungen von anderen Medikamenten in den Griff zu bekommen. Doch dadurch kann es zu weiteren unerwünschte Wirkungen kommen, weshalb die Patienten wieder nach Tabletten verlangen. „Auch Apotheken empfehlen den Patienten aus ökonomischen Gründen oftmals zusätzliche, freiverkäufliche Medikamente, die sie eigentlich nicht brauchen aber Wechselwirkungen verursachen“, erzählt er.

Medikamente unter die Lupe nehmen

Im Zentrum für Altersmedizin im Klinikum Nord geht man deshalb neue Wege. Gemeinsam mit Experten aus den Universitätskliniken für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie nehmen die Geriater die Medikamente der Patienten genau unter die Lupe. „Wir überprüfen zum Beispiel, bei welchen Tabletten es zu Wechselwirkungen kommen kann und ob sie durch andere ersetzt oder ganz abgesetzt werden sollten“, berichtet Gosch.

Der Chefarzt hat sich zudem zum Ziel gesetzt, die Patienten zu sensibilisieren. Sie sollen hinterfragen, ob es tatsächlich ein Medikament sein muss. Ärzten rät er, im Verlaufe der Therapie die Patienten gezielt nach Nebenwirkungen oder Beschwerden zu fragen.

 

Autorin/Autor: Kathrin Kalb, Unternehmenskommunikation

 
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