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Hand in Hand - wie abgetrennte Finger gerettet werden können

Speziell ausgebildete Handchirurgen erringen Erfolge auch bei schweren Verletzungen der Hand.

Eine Abkürzung, die dann doch keine war. Weil das Schloss im Eingangstor ihres Firmengeländes hakte, kletterte Caroline Kutzer, 37, kurzerhand darüber. Bei der sportlichen Einlage kam es zum Zwischenfall: Mit dem Ringfinger blieb sie hängen, der Finger wurde fast völlig abgetrennt: „Ich konnte die Sehnen und bis auf den Knochen sehen.“
Ihr Mann brachte sie unmittelbar danach in eine Regensburger Klinik, von dort aus wurde sie ins Klinikum Nürnberg Süd in die Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie überwiesen. Dort konnten Spezialisten ihren Finger retten..

Jedes Jahr kommen tausende Menschen mit Handverletzungen ins Klinikum Nürnberg. Erster Anlaufpunkt  ist für die meisten die Unfallchirurgie des Hauses. Bei schweren Fällen schreiten jedoch speziell ausgebildete Handchirurgen zur Tat. Solche Experten haben ihre Kompetenzen in einer dreijährigen speziellen Weiterbildung als Zusatzqualifikation erworben.

Schließlich sind Hände hochkomplex mit zahlreichen Gelenken, Sehnen, Muskeln und Nerven und dienen uns nicht nur als Greiforgan, sondern haben auch als Tastorgan enorme Bedeutung. Verletzungen durch Kreissägen, Verbrennungen, Erfrierungen, Verätzungen an den Händen werden hier mikrochirurgisch versorgt. Mit OP-Mikroskop, feinstem Nahtmaterial, filigraner Nahttechnik und Fäden, die z. Teil dünner wie ein menschliches Haar sind, wird um Knochen, Sehnen und millimeterkleine Gefäße gerungen und versucht, diese nach einem Unfall wiederherzustellen.

Finger gerettet: (v.l.n.r.) Oberärztin Nicole Hauser, Thomas Müller, Chefarzt Prof. Bert Reichert und Caroline Kutzer.
 

European Hand Trauma Center

Mit dem Titel „European Hand Trauma Center“, mit dem die Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie im Klinikum Nürnberg Süd jüngst rezertifiziert wurde, ist diese Kompetenz zweifellos vorhanden. Drei Experten sind verfügbar, um auch komplexe Operationen durchzuführen.

Drei Finger wurden gerettet

Wie z.B. bei Thomas Müller, 35 Jahre, Mitarbeiter in einer Metallfirma. Beim Zuschneiden von Baumetall wurden an einer Hand vier Finger – vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger – abgetrennt. Nur noch Hautteile verbanden die Gliedmaßen mit der Hand. Doch auch hier konnten die Experten des Klinikums Nürnberg einen Erfolg erringen: Drei der vier Finger konnten in einer zehnstündigen Operation gerettet werden.

Routinen steigerm Unfallgefahr

Oberärztin Dr. Nicole Hauer, Handchirurgin des Klinikums Nürnberg beschreibt den typischen Hergang: „Solche Unfälle passieren meist, wenn es sich um gewohnte Arbeitsabläufe handelt. Routine ist die größte Gefahr, weil Achtsamkeit und Aufmerksamkeit nachlassen. Selten passieren solche Verletzungen beim ersten Mal, sondern dann, wenn man sich zu sehr im Trott befindet.“ Ob ein abgetrennter Finger wieder vom Körper angenommen wird, hänge von verschiedenen Faktoren ab: Bei älteren Patienten und auch bei Rauchern seien die Erfolgschancen geringer, da hier die Gefäße oftmals minderdurchblutet seien.

Ist ein Unfall mit der Hand passiert, so sollte man keinesfalls zögern, sondern rasch handeln. Sechs bis acht Stunden nach einem Unfall stünden die Erfolgschancen einer Operation noch gut, so Dr. Hauer. „Man kann niemanden versprechen, dass das Gefühl vollständig wieder kommt, auch wenn die Operation an sich gelungen ist. Wir bereiten aber den Weg und tun alles, damit das Gefühl zurückkehren kann.“

"Basishand" ist entscheidend

Bei schweren Verletzungen sind auch Umsetzungen von Fingern möglich. Klinik-Leiter Prof. Dr. Bert Reichert: „Um eine Hand nutzen zu können, braucht man drei sensible Finger, die aufeinander greifen können. Damit ein Mensch zumindest eine sogenannte `Basishand´ nutzen kann, setzen wir auch Finger um, damit auf jeden Fall eine Grundfunktionalität gewährleistet ist. Am wichtigsten bei der Hand ist der Daumen, den benötigen wir zum Gegengreifen.“

Nach der OP folgt die Handtherapie

In enger Abstimmung agiert man in der Klinik zwischen Operateuren und Therapeuten. Denn nach einer Operation gilt es, die Finger wieder funktionsfähig zu machen. Handtherapeutin Claudia Bernhöft unterstützt die Patienten dabei: „Eine Einschränkung bei der Hand spürt man schon, wenn nur ein Finger betroffen ist. Bei unseren Patienten ist die Motivation daher sehr groß, wieder zur vollen Funktionsfähigkeit ihrer Hand zurückkehren zu können. Schmerz ist beim Heilungsprozess ein schlechter Ratgeber. Wir müssen unsere Patienten ermutigen, ihre Hände zu bewegen, auch wenn es mal weh tut; andererseits muss man bestimmte Bewegungen auch bremsen. Letztlich geht es darum, unsere Patienten wieder fit für den Alltag zu machen“, so die Handtherapeutin.

Entwarnung nach drei OPs

Wieder fit zu sein für den Alltag, bei Caroline Kutzer hat es nach ihrer sportlichen Einlage beim Sprung über das Firmentor und dem halb abgerissenen Ringfinger geklappt. Obwohl es zunächst so aussah, als ob er nicht gerettet werden könnte, gab es nach drei Operationen Entwarnung. Drei Wochen nach dem Zwischenfall ist der Finger wieder dran, das Gefühl kehrt zurück, lediglich die Fingerkuppe ist bislang noch taub. Caroline Kutzer kann heute darüber lachen: „Zäune überquere ich jedenfalls keine mehr.“

Autorin/Autor: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, M.Oechsler

 
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