"Kein Mensch darf verloren gehen"

3. Jahreskongress der European Association of Psychosomatic Medicine (EAPM) in Nürnberg

Medizinische Probleme, psychische Belastungen und eine Verteuerung der Behandlung entstehen vor allem dort, wo die Kommunikation mit den Patienten und ihren Angehörigen, aber auch die interdisziplinäre und interprofessionelle Kooperation versagt.

Wie Kommunikation im Gesundheitswesen gelingen kann, war daher das Thema des dritten Jahreskongresses der European Association of Psychosomatic Medicine (EAPM), der unter dem Titel „Challenges and Chances for Psychosomatic Medicine in Health Care“ vom 1. bis 4. Juli in Nürnberg stattfand und zu dem 500 Teilnehmer aus 38 Ländern anreisten.

Prof. Wolf Langewitz, Prof. Jürgen Unützer, Prof. Manfred Beutel und Prof. Wolfgang Söllner (v.l.n.r.)
 

Die Tagung wurde von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus Uni unter der Ärztlichen Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Söllner veranstaltet.

Professionelle Kommunikation ist ein Muss

Mit der steigenden Anzahl chronisch kranker Patienten und einer komplexer werdenden Medizin wachsen die Anforderungen an die Kommunikation. „Deshalb muss die professionelle Kommunikation fest in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung verankert werden“, forderte Prof. Wolf Langewitz vom Universitätsklinikum Basel. In der Schweiz trage sie schon heute 20 Prozent zur Gesamtnote in der staatlichen Abschlussprüfung für Medizinstudenten bei.

Vor allem chronisch kranke und multimorbide Patienten sowie Menschen mit Depressionen oder Angststörungen profitieren deutlich von integrierten psychotherapeutischen Behandlungsansätzen, sowohl im Krankheitsverlauf als auch in der Krankheitsbewältigung. Bei psychischen Störungen, die körperliche Krankheiten komplizieren und zu einem schlechteren Behandlungsverlauf führen, verbessern kollaborative Behandlungsansätze das Behandlungsergebnis. 

Collaborative Care Programme

Als ein Beispiel dafür stellte Prof. Jürgen Unützer von der University of Washington, Seattle (USA) das Collaborative Care Programm im Bundesstaat Washington vor. Ziel ist es, Patienten mit (begleitenden) psychischen Problemen schon beim ersten Arztkontakt zu identifizieren, ihnen eine angemessene Behandlung für ihre psychischen Probleme zukommen zu lassen und den Kontakt zum Patienten nicht abbrechen zu lassen. „Kein Patient darf verloren gehen. Jeder soll die Behandlung bekommen, die er braucht“, erklärt Unützer den Ansatz.

Um dies zu erreichen, werden Allgemeinärzte in der Behandlung psychischer (Begleit-)Erkrankungen geschult, die interdisziplinäre und interprofessionelle Behandlung zusammen mit den spezialisierten Ärzten in den Krankenhäusern erfolgt nach einheitlichen Behandlungsstandards und ein „Care Manager“ hält während des gesamten Behandlungszyklus den Kontakt zum Patienten.

Die Einbindung der Allgemeinärzte schließe dabei eine Lücke in der Versorgung, meint Unützer. „Ein Land kann gar nicht so viele Psychotherapeuten und Psychosomatiker ausbilden, wie es braucht.“

Internet-basierte Psychotherapie

Nicht immer muss der Arzt dem Patienten in Fleisch und Blut gegenüber sitzen, dieses erste Fazit zieht Prof. Manfred Beutel, Vize-Dekan für Forschung an der Universität Mainz, aus Projekten zu internet-basierten Psychotherapie. Er hat schon mehrere dieser kontrovers diskutierten Projekte betreut, die in Deutschland bisher noch nicht von den Kassen vergütet werden.

Beutel rechnet jedoch damit, dass internetgestützte Verfahren an Bedeutung gewinnen werden, z.B. in der stationären Nachsorge und in der Phase der Wiedereingliederung. „Der Online-Doktor wird von den Patienten mehr akzeptiert als von Ärzten und Psychotherapeuten.“

Gute Einsatzmöglichkeiten sieht Beutel zudem bei Selbsthilfeprogrammen und zur Überbrückung von Wartezeiten. Dafür wurden in den letzten Jahren internet-basierte Behandlungsverfahren z.B. zu Essstörungen, Angststörungen oder Traumafolgestörungen entwickelt.

Autorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichektisarbeit

 
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