Ein Helm normalisiert die Kopfform

Um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen, sollen Säuglinge auf dem Rücken schlafen, so die Empfehlung. Seitdem treten vermehrt Schädelverformungen auf.

Zur Behandlung lagebedingter Schädelverformungen bietet die Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie die sogenannte Helmtherapie an. Dabei normalisiert ein individuell angepasster Helm die Kopfform.

Vier Wochen war die kleine Esma alt, als der Kinderärztin erstmals auffiel, dass sie ihren Kopf bevorzugt auf die linke Seite legte. Als Folge flachte der Kopf auf dieser Seite deutlich sichtbar ab. Seit nunmehr zwei Monaten trägt das Mädchen einen Helm, der die Schädelasymmetrie wieder rückgängig machen wird.

23 Stunden am Tag mit Helm

„Dabei wird keinerlei Druck auf den Schädel ausgeübt, sondern der Helm hat Aussparungen, in die der Kopf ganz natürlich hineinwächst“, betont Assistenzarzt Peter Mayer, der bei der kleinen Esma die Passform des Helms regelmäßig kontrolliert und darauf achtet, dass er keine Druckstellen hinterlässt. Noch vier bis sechs Monate wird das 10 Monate alte Mädchen den Helm 23 Stunden am Tag tragen, um ihrem Kopf wieder die normale Rundung zurückzugeben.

Peter Mayer und Hayriye Ünnü mit Esma
 

Nur wenige Kliniken in Bayern

 Univ.-Prof. Dr. Dr. Martin Gosau, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer und Plastische Gesichtschirurgie, empfiehlt die Behandlung nicht nur, um den Kindern Hänseleien in der Schule zu ersparen. Es lassen sich so auch eine frühzeitige Abnutzung der Halswirbelsäule und Kiefergelenke verhindern. Allerdings bieten in Bayern bisher nur wenige Kliniken die Helmtherapie an. Neben dem Klinikum Nürnberg sind hier vor allem die Universitätskliniken in Regensburg und Würzburg zu nennen.

Die Dauer der Therapie hängt vom Behandlungsbeginn ab. Wenn die Therapie mit vier bis sechs Monaten beginnt, beträgt die Behandlungszeit etwa drei bis fünf Monate. Je älter das Kind ist, desto länger dauert die Behandlung. Mit eineinhalb, spätestens mit zwei Jahren sind die Schädelfontanellen so verknöchert, dass keine Korrektur mehr möglich ist.

Individuelle Anpassung mit 3-D-Scan-Verfahren 

Der Helm wird mit Hilfe modernster Verfahren individuell angepasst. Dabei wird der Kopf des Kleinkindes mit einem speziellen 3D-Scan-Verfahren mit insgesamt fünf Kameras berührungslos innerhalb von nur 1,5 Millisekunden exakt vermessen. Aus diesen Daten wird im CAD-Verfahren ein Kopfmodell angefertigt.

Die Kinder kommen mit dem Helm gut zurecht. „Esma hat sich schneller daran gewöhnt als ich“, berichtet ihre Mutter Hayriye Ünnü. Als die Abflachung am Schädel ihrer Tochter entdeckt wurde, wies sie kein Arzt auf die Möglichkeit der Helmtherapie hin. Sie musste sich noch mühsam im Internet informieren.

Gosau rechnet jedoch damit, dass die Therapie aufgrund der steigenden Zahl betroffener Säuglinge bald bekannter wird und die Fallzahlen deutlich steigen werden. Doch einen Wermutstropfen gibt es: Die Kosten werden von den Krankenkassen bisher nicht oder nur nach eingehender Einzelfallprüfung übernommen.

Autorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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