Land unter in den Krankenhäusern

Hoher Patientenzustrom sorgt für Gang- und Zusatzbetten

Wie in jedem Winter tritt auch heuer wieder in deutschen Krankenhäusern die Situation ein, dass Gang- und Zusatzbetten notwendig werden – auch in Krankenhäusern in der Metropolregion Nürnberg. Gang- und Zusatzbetten sind zwar für die jeweiligen Patienten nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, denn sie erhalten immer das nächste freie Bett in einem Patientenzimmer, trotzdem muss man sich fragen, wie diese Situation entstehen kann. Auf einer Pressekonferenz erläuterten die Vorstände des Klinikums Nürnberg und des Klinikums Fürth, Dr. Alfred Estelmann und Peter Krappmann, sowie die Geschäftsführer der Krankenhäuser Martha-Maria und St. Theresien, Frank Dünnwald und Dr. Walther Förtsch, warum derzeit in ihren Kliniken "Land unter" ist und was die Krankenhäuser tun, um die Patienten dennoch zu behandeln.

Angesichts der derzeitigen Lage appellieren die Krankenhausleitungen an die Patientinnen und Patienten, bevor sie im Krankenhaus vorstellig werden, einen niedergelassenen Arzt oder eine Bereitschaftspraxis wie das AdCom Center in Nürnberg oder die Notfallpraxis in Fürth aufzusuchen.

Vor allem in den Wintermonaten steigt die Zahl der internistisch erkrankten Patienten z.B. durch Erkrankungen  der Atemwege und des Verdauungstraktes. Auch die derzeit grassierende Influenzawelle führt zu vermehrten Krankenhausaufnahmen vor allem älterer Menschen. Dazu kommen Unfälle wegen der schlechteren Wetterbedingungen.

Immer mehr Patienten in den Notaufnahmen

All dies führt dazu, dass sich die Zahl der Patientinnen und Patienten in den Notaufnahmen schlagartig erhöhen, obwohl die Notaufnahmen bereits jährliche Steigerungsraten von mehr als 5 Prozent im Bundesdurchschnitt bewältigen müssen. Denn viele Patienten gehen gleich ins Krankenhaus, anstatt zu den ärztlichen Bereitschaftsdiensten, oftmals weil sie gar nicht wissen, dass es einen solchen Bereitschaftsdienst gibt.

Dr. Alfred Estelmann, Dr. Walther Förtsch, Peter Krappmann, Frank Dünnwald (v.l.n.r.)
 

Wirklich zu viele Krankenhausbetten?

Da Krankenhäuser in allen Bundesländern aber nach den durchschnittlichen Belegungen geplant und gebaut werden, werden solche Spitzen nicht abgedeckt, und es kommt – wie jetzt im Winter – zu Überbelegungen und Gangbetten. Der Hintergrund dieser Entwicklung ist sicherlich vielfältig und nicht alleine durch die demografische Entwicklung begründet. Die aktuelle Situation im Winter macht auf jeden Fall deutlich, dass der vielfach behauptete Überhang an Krankenhausbetten gar nicht besteht.

Allerdings zeichnet sich mittlerweile auch in den Sommermonaten ein erhöhter Patientenzustrom in die internistischen Kliniken der Krankenhäuser ab. Generell stellen die Vorstände und Geschäftsführer des Klinikums Fürth, des Klinikums Nürnberg, des Martha-Maria-Krankenhauses und des St. Theresien-Krankenhauses in Nürnberg fest, dass der Anteil von Patienten mit internistischen  Erkrankungen mit einem hohen pflegerischen Versorgungsaufwand zunimmt und sehr viel Personal bindet.

Zu wenige Sanitätsfahrzeuge

Sorgen macht den Krankenhausleitungen auch die knappe Kapazität der Sanitätsfahrzeuge, Grundlage ist hier das bayerische Rettungsdienstgesetz. Diese knappe Kapazität trägt dazu bei, dass liegend zu transportierende Patienten häufig erst nach langen Wartezeiten in  andere, nachversorgende Einrichtungen verlegt werden können. Das hat wiederum zur Folge, dass der Zeitpunkt ihrer Abholung und damit das Freiwerden eines Bettes für den nächsten Patienten für die Krankenhäuser nicht planbar sind.

Krankenhäuser reagieren auf die Situation 

Im Klinikum Nürnberg werden seit langem viele Stationen interdisziplinär, d.h. von unterschiedlichen Fachkliniken gemeinsam belegt. Dies bedeutet, dass z.B. Patienten der Unfallchirurgie im Klinikum Nürnberg Süd ein Bett in der Klinik für physikalische Medizin erhalten können. Patienten der Pneumologie oder Gastroenterologie im Klinikum Nürnberg Nord können ein Bett in der Bauch- oder der Thoraxchirurgie erhalten, weil diese Fachkliniken auch sonst Stationen gemeinsam betreiben. Wichtig ist, dass die jeweils notwendigen Fachärzte keine langen Wege zu ihren Patienten haben. Sie müssen im Notfall schnell vor Ort sein.

Seit langem gibt es zudem in beiden Notaufnahmen des Klinikums so genannte Fast Track-Stationen für Kurzlieger. In diesem Winter kann das Klinikum Nürnberg darüber hinaus 20 Betten mehr für Patienten mit internistischen Erkrankungen nutzen als ein Jahr zuvor.

Das Klinikum Fürth hat bereits vor Jahren ein hauptamtliches Belegungsmanagement eingeführt, welches die fachübergreifende Nutzung aller möglichen Bettkapazitäten im Klinikum organisiert. Zusätzlich installierte das Klinikum eine Kurzliegerstation, die stationäre Patientinnen und Patienten noch aus der Zentralen Notaufnahme wieder entlassen kann. Derzeit findet fast täglich eine Krisensitzung unter Beteiligung der Klinikumsleitung, der Chefärzte und der Pflegedirektion statt, um für die Patienten eine bestmögliche Belegungssituation zu organisieren.

Im Krankenhaus Martha-Maria in Nürnberg werden Patienten nicht auf dem Gang „geparkt“. Mit  der baulichen Erweiterung der Notaufnahme sind zusätzliche Bettplätze entstanden, die im Regelbetrieb zur kurzfristigen Überwachung von Patienten genutzt werden, bei Bettenknappheit aber auch für längere Aufenthalte genutzt werden können. Patienten werden hier teils auch über Nacht betreut, bis auf den Normalpflegestationen wieder Betten frei werden. Zusatzbelegungen in den Zimmern sind jedoch möglich und zuweilen notwendig.

Ähnlich gestaltet sich die Situation im St. Theresien-Krankenhaus. Durch die neue Notaufnahmestation, die demnächst offiziell eröffnet wird, können schon jetzt zusätzliche internistische Bettplätze überbrückend bereitgestellt werden. Derzeit reichen aber auch diese nicht aus, so dass kurzfristig auf freie Betten in anderen Abteilungen zurückgegriffen werden muss. Durch die kurzen Wege im Haus ist die rasche Betreuung auch auf anderen Stationen durch die entsprechenden Fachärzte schnell möglich

Kooperationsvertrag der Krankenhäuser

Die Krankenhäuser der Metropolregion haben vereinbart, sich gegenseitig  zu helfen. Überbelegte Krankenhäuser können sich beim Rettungsdienst „abmelden“. Im Falle des Klinikums Nürnberg hilft das zumeist nicht: Wegen der vielen vorgehaltenen Spezialisierungen und den  Alleinstellungsmerkmalen z.B. in der Neurochirurgie, der Herzchirurgie, der Mund-, Kiefer- und plastischen Gesichtschirurgie oder der Plastischen Chirurgie können viele Patienten nur im Klinikum Nürnberg behandelt werden. Das Klinikum bietet, sofern möglich, auch eine Versorgung in den Krankenhäusern des Nürnberger Landes an.

Das Klinikum Fürth, das als Alleinversorger für Stadt und Landkreis Fürth auftritt, hat diesbezüglich kaum Spielraum. Patienten, die bereits zum Aufnahmezeitpunkt über die Gangbettensituation aufgeklärt werden, nehmen dies lieber in Kauf, als heimatfern verlegt zu werden.

Betont aber werden muss, dass alle Patienten mit schweren und zeitkritischen Erkrankungen, z.B. mit einem akuten Herzinfarkt oder Verdacht auf Schlaganfall unabhängig von bestehenden Bettenkapazitäten jederzeit und ohne zeitliche Verzögerung in den Notaufnahmen der Metropolregion behandelt werden.

Auch Beschäftigte werden krank

Leider machen Erkältungswellen auch nicht vor den Beschäftigten der Krankenhäuser halt. Das führt dazu, dass die Kliniken zusätzlich stark belastet sind, weil weniger Beschäftigte mehr Patienten versorgen müssen. Auf Grund dieser Situation wächst die Unzufriedenheit bei Patienten, was wiederum zu Kritik an Mitarbeitern führt, die ohnehin schon alles versuchen, die Überbelegung so gut es geht zu bewältigen. Ein Teufelskreis beginnt.

Appell an die Patienten

Gang- und Zusatzbetten sind nicht angenehm, weder für die betroffenen Patientinnen und Patienten, noch für die Beschäftigten der Krankenhäuser in Nürnberg und Fürth. Die Krankenhäuser versuchen deshalb alles, um solche Betten zu vermeiden und auch bei Überbelegung die Patienten medizinisch und pflegerisch auf höchstem Niveau zu versorgen. Sie stoßen hier jedoch an die Grenzen, die  Gesetzgebung und Krankenhausplanung geschaffen haben.

Angesichts der derzeitigen Lage appellieren die Krankenhausleitungen an die Patientinnen und Patienten, bevor sie im Krankenhaus vorstellig werden, einen niedergelassenen Arzt oder eine Bereitschaftspraxis wie das AdCom Center in Nürnberg oder die Notfallpraxis in Fürth aufzusuchen. Dabei kann dann abgeklärt werden, ob eine stationäre Behandlung wirklich notwendig ist. Eine Vorstellung beim niedergelassenen Arzt hätte den Vorteil, dass eine Mitgabe von wichtigen Unterlagen und Vorbefunden Diagnostik und Therapie im Krankenhaus erleichtern und entscheidend beschleunigen könnte.

 

Autorin/Autor: Bernd Siegler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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