Wechselwirkung von Medikamenten und Demenz

Wenn sich bei älteren Menschen Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen bemerkbar machen, muss es nicht gleich eine Demenz sein.

Wenn sich bei älteren Menschen Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen bemerkbar machen, werden sie oft als erste Anzeichen einer Alzheimer- oder Demenzerkrankung interpretiert. Doch es muss nicht gleich eine Demenz sein, die die Leistung des Gehirns beeinträchtigt. Nicht selten sind Gedächtnis- oder Denkstörungen durch Medikamente bedingt. Und gerade ältere Menschen nehmen oft mehrere Pillen gleichzeitig ein.

"Jeder Mitarbeiter einer Gedächtnissprechstunde sollte daher immer die Aus- und Wechselwirkungen von Medikamenten auf die Leistung des menschlichen Gehirns im Kopf haben“, darauf weist Dr. Hartmut Lehfeld, Leiter der Gedächtnissprechstunde im Klinikum Nürnberg hin.

Schmerzmittel, Schlafmittel oder Parkinson  

Heute weiß man, dass Schmerzmittel, Schlafmittel oder bestimmte Antidepressiva die geistigen Leistungen eines Menschen ebenso beeinträchtigen können wie eine Parkinsonerkrankung oder eine Depression. Deshalb schließt die Überprüfung auf Demenz in der Gedächtnissprechstunde des Klinikums Nürnberg grundsätzlich eine ärztliche Untersuchung mit ein, die die gesamte Krankengeschichte des Patienten einschließlich seiner Medikamenteneinnahme umfasst.

Dr. Hartmut Lehfeld (li.) und Privatdozent Dr. Markus Gosch (re.)
 

„Doch die Nebenwirkungen der verschiedenen Medikamente und ihre Wechselwirkungen miteinander sind mitunter gar nicht so leicht zu erkennen“, betont Lehfeld. Im Klinikum Nürnberg setzt man daher bei der Diagnostik auf Interdisziplinarität. Bereits nach der ersten Untersuchung setzen sich die Ärzte und Psychologen der Gedächtnissprechstunde zusammen und besprechen gemeinsam jede einzelne Diagnose. Sind noch weitere Untersuchungen nötig, können diese bei Bedarf sogar stationär durchgeführt werden.

Unerwünschte Wechsel -und Nebenwirkungen

„Eine Laboruntersuchung ist bei der Demenzdiagnostik unerlässlich“, betont Dr. Markus Gosch, Chefarzt der Klinik für Geriatrie. So kann es z.B. durch die Einnahme von Medikamenten zu Verschiebungen im Elektrolythaushalt kommen. Ist der Gehalt an Elektrolyten im Blut zu niedrig, kann dies bei den Betroffenen Verwirrtheit auslösen. Schilddrüsenerkrankungen wirken sich unter Umständen ebenfalls auf die Gehirnleistung aus.

Ältere Menschen nehmen im Durchschnitt bis zu acht Medikamente täglich ein. Das bleibt nicht ohne Nebenwirkungen. So sind etwa fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen bei älteren Menschen durch Neben- oder Wechselwirkungen von Medikamenten verursacht. Diese unerwünschten Nebenwirkungen haben die Ärzte im Klinikum Nürnberg vor allem bei älteren Patienten im Blick. Unterstützt werden sie dabei von Computerprogrammen, mit deren Hilfe man diesen Nebenwirkungen schnell auf die Spur kommen kann. 

"Der Arzt muss alle Vor- und Nachteile abwägen"

Doch nicht immer kann man einfach ein oder zwei Medikamente weglassen. Die Patienten nehmen sie ja nicht grundlos ein. „Als Arzt muss man daher immer alle Vor- und Nachteile abwägen“, betont Gosch. Dies gelingt am besten im interdisziplinären Team aus Geriatern, Neurologen und Psychiatern, in das jede Fachrichtung ihr Spezialwissen einbringt. Wichtig ist, die gesamte Medikamenteneinnahme eines Patienten zu betrachten und ein klares Therapieziel zu definieren. „Im Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen suchen wir gemeinsam nach der besten Lösung.“

 

Autorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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