Erfolgreich mit der schwarzen Null

Positiver Jahresabschluss 2013, aber große Fragezeichen für 2015

Jedes zweite Krankenhaus in Deutschland schreibt rote Zahlen, heißt es im Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts. Das Klinikum Nürnberg, eines der größten kommunalen Krankenhäuser in Europa, hat das Jahr 2013 jedoch mit einem Plus von 796.000 Euro abgeschlossen. Aus dem Vorjahresdefizit in Höhe von 4,7 Millionen Euro ist damit eine so genannte „schwarze Null“ geworden – und das unter den denkbar schwierigen Bedingungen des derzeitigen Krankenhaus-Finanzierungssystems.

Für Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann ist das jedoch „kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen und auf dem Erreichten auszuruhen.“  Gesehen auf einen Gesamtumsatz von 496 Millionen macht der Überschuss von rund 0,8 Millionen Euro nur 0,16 Prozent aus. Und ohne den kurz vor den letzten Bundestagswahlen beschlossenen Versorgungszuschlag würde das Klinikum Nürnberg schon heute rote Zahlen schreiben. Estelmann mahnt deshalb „grundlegende Änderungen in der Krankenhausfinanzierung“ an.

„Das Klinikum Nürnberg ist ein leistungsfähiges großes kommunales Krankenhaus, das Medizin und Pflege auf höchstem Niveau bietet“, betont der Vorstand des Klinikums Nürnberg und verweist auf die hohen Patientenzahlen. „Sie spiegeln das Vertrauen der Bevölkerung in unser Haus wider.“ So konnte die Zahl der stationären Patienten auf dem hohen Niveau von 2012 gehalten werden. 100.090 Patienten ließen sich 2013 in den 35 Kliniken und Instituten des Klinikums Nürnberg voll- und teilstationär behandeln.

Starker Anstieg in der Notaufnahme

Was Estelmann Sorgen bereitet, ist der starke Anstieg der ambulanten Notfallbehandlungen. Waren es 2012 noch 36.807, stiegen sie binnen Jahresfrist um 14,5 Prozent auf 42.128. Das

Pressekonferenz zur Jahresbilanz 2013
 

liegt bundesweit im Trend, und die Kliniken klagen darüber, dass viele Patienten die Notaufnahme bei Krankheiten in Anspruch nehmen, die ebenso gut von niedergelassenen Ärzten behandelt werden könnten.

„Viele ersparen sich auch das Warten auf den nächsten Facharzttermin“, so Estelmann. „Dem Andrang in der Notaufnahme können wir zunehmend nicht mehr gerecht werden. Wer lebensbedrohlich erkrankt ist, hat bei uns immer Vorrang, andere Patienten müssten dann eben lange warten.“

Neben angesichts der Wartezeiten verärgerten Patienten, bedeutet diese hohe Inanspruchnahme der Notaufnahme für das Klinikum aber vor allem ein Draufzahlgeschäft. Estelmann rechnet vor, dass das Klinikum im Durchschnitt pro ambulantem Notfall 33 Euro vergütet bekommt, obwohl Kosten in Höhe von 129 Euro anfallen.

Leistungsgerechte Finanzierung gefordert

Die Notaufnahme ist nicht der einzige Bereich, der großen kommunalen Krankenhäusern der höchsten Leistungsstufe wie dem Klinikum Nürnberg Sorgen bereitet. Seit Jahren fordern die großen Kliniken eine adäquate Vergütung von Leistungen, die andere, kleinere Häuser nicht anbieten. Das betrifft neben der Notfallversorgung rund um die Uhr mit zahlreichen Fachärzten auch die Behandlung von Patienten mit extrem schweren Erkrankungen, die umfangreiche und teure Facharztweiterbildung sowie die aufwändige, hohe Interdisziplinarität in speziellen Zentren. Alle Krankenhäuser – große wie kleine – eint zudem die Forderung nach einer Refinanzierung von Kostensteigerungen z.B. bei Personal, Energie, Medizintechnik, Medikamenten oder Versicherungsprämien.

„Wir haben eine schwarze Null erwirtschaftet, obwohl 2013 unsere Personalkosten aufgrund der Tarifabschlüsse 2012 um 6,6 Millionen Euro gestiegen sind“, erläutert Estelmann. Er verweist zudem darauf, dass das Klinikum von den 98,4 Millionen Gesamtkosten für das 2013 eingeweihte neue Dr. h.c. Theo Schöller-Haus mit dem Zentrum für Altersmedizin rund 40 Millionen Euro aus Eigenmitteln investieren musste.

Großer Arbeitgeber

Dieses positive Ergebnis konnte, so der Klinikum-Vorstand,  „nur durch konsequente und stetige Optimierung der Abläufe und Prozesse und durch das hohe Engagement der Beschäftigten erzielt werden“.  Das Klinikum Nürnberg beschäftigte Ende 2013  6.112 Mitarbeiter. In den letzten fünf Jahren ist diese Zahl  um 8,8 % gestiegen. Mit 596 Auszubildenden und Schülern ist das Klinikum zudem einer der größten Ausbildungsbetriebe in Nürnberg.

Familie und Beruf

Estelmann verhehlt nicht, dass trotz steigender Beschäftigtenzahlen auch im Klinikum die Arbeitsverdichtung immer mehr zunimmt. „Um die Arbeitsplätze dennoch attraktiv zu halten, setzen wir auf ein ganzes Paket von Maßnahmen, die Familie und Beruf in Einklang bringen können.“

Das ist für ihn umso wichtiger, als mit 73,3 Prozent der Anteil der Frauen bei den Beschäftigten sehr hoch ist. Das betrifft nicht nur die Pflege (81,5 %), sondern zunehmend auch die Ärzte (48,4 %). Daher bietet das Klinikum neben flexibler Familienzeit, Ferienbetreuung und Familienservice auch 22 unterschiedlichste Arbeits- und Teilzeitmodelle an. Der Verein „Die Schaukel“ betreibt zudem an beiden Standorten in Nürnberg Kinderkrippe und Kindergarten. Derzeit arbeiten 42,3 Prozent der Beschäftigten im Klinikum in Teilzeit, Tendenz steigend.

Fragezeichen für 2015

„Wir müssen kein Geld für Aktionäre erwirtschaften. Das Geld, das im Klinikum Nürnberg erwirtschaftet wird, fließt direkt in die Patientenversorgung“, betont der Klinikum-Vorstand. Nach dem derzeitigen Stand hofft Estelmann für 2014 erneut auf eine „schwarze Null“. „Hinter dem Jahr 2015 stehen aber große Fragezeichen, da ist die Politik gefordert.“

Als Sofortmaßnahme fordert er einen Fortbestand des so genannten „Versorgungszuschlages“ für die Kliniken. Nach dem Willen der Bundesregierung soll er 2014 auslaufen. Für das Klinikum Nürnberg würde das eine Budgetkürzung in Höhe von 2,5 Millionen Euro bedeuten.

In anderen Problemfeldern vernimmt Estelmann bislang lediglich Absichtserklärungen aus der Politik.

So steht im aktuellen Koalitionsvertrag der großen Koalition in Berlin, dass eine „ausreichende Finanzierung der Vorhaltekosten insbesondere für die Notfallversorgung“ anzustreben ist. Auch in der Bund-Länder-AG zur Krankenhausreform ist eine gestufte Finanzierung nach tatsächlich vorgehaltenen Notfallstrukturen vorgesehen Um Steigerungen von Kosten, die von den Krankenhäusern nicht beeinflusst werden können, wie z.B. Personal, Energie oder Medizintechnik in voller Höhe refinanziert zu bekommen, spricht sich die Bund-Länder-AG für eine Korrektur der Krankenhausfinanzierung aus

Aufgrund seiner langen Erfahrung ist Estelmann jedoch skeptisch:„Von der Politik erhoffen wir uns viel und erwarten wenig.“ Die Krankenhäuser benötigten jetzt nicht länger Worte, sondern Taten. „Wir brauchen sofort politische Hilfe, um die zuverlässige Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter sicherzustellen und den hochqualifizierten Beschäftigten zufriedenstellende Arbeitsbedingungen sowie auch in Zukunft ein angemessenes Einkommen anbieten zu können.“

Ausblick in die Zukunft

Auch wenn die wirtschaftlichen Perspektiven sich, sollte nichts Entscheidendes passieren, wieder verdüstern werden, tut das Klinikum Nürnberg, so Estelmann „alles, um die Gesundheitsversorgung der Bürger Nürnbergs und der Metropolregion zukunftssicher zu machen“.

Als Beispiele dafür nennt er das Parkhaus beim Klinikum Nürnberg Süd mit seinen 800 Plätzen, die ersten Medizinstudenten im Campus Nürnberg der Paracelsus medizinischen Privatuniversität Salzburg, der Bau zweier psychiatrischer Tageskliniken im Klinikum Nürnberg Süd sowie die Erweiterung des stark nachgefragten Ambulanten Rehabilitationszentrums  A.R.Z.

 

 

Autorin/Autor: Bernd Siegler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen
Bitte spenden sie


AbstandhalterMarke Stadt Nürnberg

Übersicht

Aktuelles

Unternehmen

Bildung

Partner

Service

Zentren