Sport und Bewegung bei Krebs?

Zahlreiche Studien belegen, dass körperliche Bewegung nicht nur präventiv zu wirken scheint. Auch bei Tumorpatienten bewirkt Sport positive körperliche und psychische Veränderungen.

Wer sich bewegt, bleibt gesund. Doch was ist bei einer Krebserkrankung? Gerade Patienten mit der Diagnose Krebs sind sehr verunsichert, was die Belastbarkeit ihres Körpers angeht. Viele Studien belegen jedoch mittlerweile, dass körperliche Bewegung sowohl präventiv zu wirken scheint, als auch positive körperliche und psychische Veränderungen für Tumorpatienten bewirkt.

Die Diagnose Krebs ist längst nicht mehr gleich bedeutend mit einem Todesurteil. Dank neuer Medikamente und Therapien wird Krebs mehr und mehr zu einer chronischen Erkrankung, die meist ambulant weiter behandelt werden kann.

Erleben von Kontrollverlust

Trotzdem hat die Diagnosestellung für die Betroffenen eine ganz besonders schlimme Wirkung. „Die Betroffenen erleiden einen Kontrollverlust, in ihnen wächst ein Tumor, den sie nicht kontrollieren können“, weiß Dr. Michael Rottmann, Oberarzt und Leiter des interdisziplinären Onkologischen Zentrums im Klinikum Nürnberg, aus langjähriger Erfahrung. Für die Menschen bedeute das eine „gravierende Verletzung ihrer körperlichen Integrität“. Um diese wiederherzustellen, sei ein Vertrauen in die eigene körperliche Leistungsfähigkeit vonnöten. „Sport und Bewegung spielen dabei“, so der Oberarzt, „eine zentrale Rolle.“

v.l.n.r. Dr. Annegret Korte, Dr. Susanne Gutberlet, Dr. Michael Rottmann und Anika Berling.
 

Positive Wirkung bei Prävention und Prognose

Welche Rolle das genau ist, erforscht seit Jahren Anika Berling. Sie ist Diplom-Sportwissenschaftlerin im Zentrum für Prävention und Sportmedizin des Klinikums rechts der Isar an der Technischen Universität München: „Wir können mittlerweile sagen, dass vermehrte körperliche Aktivität das Risiko, an bestimmten Krebsarten wie Darm- oder Brustkrebs zu erkranken, um mindestens 25 Prozent senkt und dass vermehrte Bewegung auch die Prognose, also den Verlauf einer Krebserkrankung, begünstigt.“  

Aktuell arbeitet sie an einer Studie, die die Wirkungen einer gezielten  Lebensstilveränderung  bei genetisch bedingtem Brustkrebs untersucht. Als mittlerweile unumstrittene „erwünschte Nebenwirkungen“ von sportlicher Aktivität bei Krebserkrankungen nennt sie die Steigerung der Lebensqualität und die Reduzierung des Fatiguesyndroms, also von Müdigkeit und Erschöpfung, die oft einher geht mit einer zunehmenden Reduzierung der Aktivität bis hin zur Depression.

Onkosport im Klinikum

Wie wichtig Sport und Bewegung für Patienten mit einer Krebserkrankung ist, sieht Dr. Annegret Korte, Oberärztin in der Klinik für Physikalische und Rehabilitative Medizin, tagtäglich im Onkosport im Klinikum. Ganz individuell je nach Tagesform findet dort unter sachkundiger Anleitung Ausdauer- und Krafttraining statt. „Die Patienten lernen, sich und ihrem Körper wieder mehr zu vertrauen, das schafft Selbstvertrauen und Mut.“ Korte bedauert es sehr, dass sich Krebssport noch längst nicht so durchgesetzt hat wie der Herzsport. Es gibt nur ganz wenige Onkosport-Anbieter, kaum ein Sportverein nimmt sich dieser Angebote an und die Finanzierung vor allem von ambulanten Onkosport-Angeboten stehe vielfach in den Sternen. „Hier gibt es eine große Lücke, das muss sich schnell ändern.“

"Die Belastung in einer Herausforderung umwandeln" 

Dem stimmt auch Dr. Susanne Gutberlet, Oberärztin in der Klinik für Psychosomatische Medizin im Klinikum Nürnberg, zu. „Die erste Enttäuschung nach der Krebsdiagnose ist das Gefühl, der Körper habe einen im Stich gelassen“, weiß sie aus vielen Gesprächen mit onkologischen Patienten. Nur das Wiedererstarken des Vertrauens in den eigenen Körper könne das Gefühl der Ohnmacht relativieren. „Die Diagnose Krebs ist immer eine Belastung. Bei dem Prozess, diese Belastung  in eine Herausforderung umzuwandeln, spielen Sport und Bewegung eine große Rolle.“ 

Autorin/Autor: Bernd Siegler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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