Psychobiografisches Pflegemodell

Als erstes Krankenhaus in Europa hat das Klinikum Nürnberg in seiner gerontopsychiatrischen Station das psychobiografische Pflegemodell nach Böhm übernommen.

Mit steigender Lebenserwartung wächst der Anteil älterer Menschen mit Verhaltens- und Orientierungsstörungen. Diese Störungen machen es den Pflegekräften in Altenheimen und Krankenhäusern oft unglaublich schwer, mit ihnen angemessen umzugehen. Denn wie reagiert man auf ältere Menschen, die verwirrt sind, schreien und Türen schlagen, nichts essen wollen oder aggressiv auf Mitpatienten und Pflegekräfte reagieren?

Das psychobiografische Pflegemodell, das der berühmte Wiener Pflegewissenschaftler Prof. Erwin Böhm über Jahrzehnte entwickelt hat, weist hier den richtigen Weg. Ihm geht es darum, mit betagten Menschen mit Verhaltensstörungen professionell umzugehen, sie kompetent zu begleiten und wieder zu aktivieren.

Dies kann seiner Meinung nach nur gelingen, wenn die Pflegenden ihre Patienten aus deren Biografie heraus verstehen und so angemessen auf ihre Bedürfnisse reagieren können. Seine Kernbotschaft lautet daher: „Verhaltenseigenarten bei älteren Menschen lassen sich fast immer biografisch erklären.“ 

Gelungene Zertifzierung: Erwin Böhm (Mitte vorne) mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gerontopsychiatrie
 

Gerontopsychiatrie des Klinikums Nürnberg europaweit Vorreiter

Inzwischen erweist sich Böhms Pflegemodell in ganz Europa als Erfolgsmodell: In 122 Altenheimen kommt es bereits zum Einsatz, 160 weitere stehen kurz vor seiner Einführung. Angesichts der kurzen Verweildauer in der Gerontopsychiatrie hielten sich die Krankenhäuser bei der Übernahme des Modells bisher zurück. Das Klinikum Nürnberg hat nun als erstes Krankenhaus in Europa den Schritt gewagt und in der Gerontopsychiatrie im Klinikum Nürnberg Nord das Böhm´sche Pflegemodell eingeführt.

Mit Erfolg, wie die bisherige Erfahrung zeigt.  „Die Situation auf der Station ist seither deutlich entspannter“, beobachtet Dr. Reinhold Waimer, Oberarzt der Gerontopsychiatrie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nürnberg. Der Patient sei nicht mehr Objekt der Pflege, sondern „ein Mensch, den wir versuchen kennenzulernen“.

Erfolgreiches Modell mit ungewöhnlichen Lösungen

Schon 2010 wurde in der Gerontopsychiatrie des Klinikums Nürnberg mit der Einführung des psychobiografischen Pflegemodells begonnen, nun wurde es vom Wiener Pflegewissenschaftler persönlich zertifiziert. Seither konnte auf der Station, in der ältere Menschen mit Depressionen und Demenz, aber auch mit anderen psychischen Erkrankungen behandelt werden, die Medikamentengabe sowie freiheitsentziehende Maßnahmen deutlich gesenkt werden. Parallel dazu ging auch die Zahl der Stürze zurück.

Die Erhebung der biografischen Daten erfolgt nicht nach einem standardisierten Verfahren. „Wir setzen und mit den Menschen zusammen und plaudern mit ihnen“, berichtet Silke Mages, stellvertretende Stationsleitung in der Gerontopsychiatrie. Auf diese Weise finden sie und ihr Team einen guten Zugang zu den Patienten. Auf dieser Grundlage lassen sich auch schwierige Situationen lösen.

„Das Mehl muss bezahlt werden“

Wie in dem Fall der alten Dame, die jeden Abend pünktlich um 18 Uhr anfing, zu schreien und zu toben. „Das Mehl muss bezahlt werden“, rief sie immer wieder. Ein Blick in die Biographie der Patientin, einer ehemaligen Bäckermeisterin, brachte Licht ins Dunkel: Die weiß gekleideten Pflegekräfte erinnerten sie an die Tage in der Backstube und an ihre Schreibtischarbeit am Abend. Von da an arbeiteten die Pflegekräfte in grüner Dienstkleidung und die Abende verliefen so ruhig wie die Tage. 

Gerontopsychiatrische Angebote der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie  

Autorin/Autor: Doris Strahler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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