Mit Balance und Kraft gegen Stürze

Theo-und-Friedl-Schöller-Forschungspreis für Altersmedizin

Statistiken zeigen, dass knapp ein Drittel aller Menschen über dem 65. Lebensjahr mindestens einmal pro Jahr stürzen. Oftmals ist ein solcher Sturz für ältere Menschen folgenschwer. Es brechen nicht nur die Knochen, es folgen Sturzangst und sozialer Rückzug, vielfach eine nachhaltige Einschränkung der körperlichen Funktion und der Lebensqualität, letztlich der Verlust der Selbstständigkeit. Doch Stürze und Frakturen kann man verhindern, wenn man Balance und Kraft trainiert.

In einer groß angelegten Studie konnten Prof. Dr. Clemens Becker und Privatdozent Dr. Kilian Rapp vom Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Stuttgart nun erstmals nachweisen, dass schon ein leichtes Trainingsprogramm bereits nach kurzer Zeit nicht nur die Zahl der Stürze, sondern auch die Zahl der Frakturen deutlich reduziert. Dafür erhielten die beiden Ärzte den erstmals ausgeschriebenen Theo-und-Friedl-Schöller-Forschungspreis für Altersmedizin.

Programm zur Sturzprävention

In 256 bayerischen Pflegeheimen führte der Chefarzt für Geriatrie und geriatrische Rehabilitation des RBK zusammen mit dem Geriatrie-Oberarzt ein mehrschichtiges Programm zur Sturzprävention ein.

Klinikumvorstand Dr. Alfred Estelmann mit den beiden Preisträgern PD Dr. Kilian Rapp und Prof. Clemens Becker sowie rainer Hattenberger von der Theo und Friedl Schöller-Stiftung.
 

Im Mittelpunkt stand ein regelmäßiges körperlichen Kraft- und Gleichgewichtstraining. Ein halbes Jahr wurde dies von Sporttherapeuten angeleitet, dann übernahmen eigens geschulte Pflegemitarbeiter das Training.  

Vitamin D zum Muskelaufbau

Das Programm umfasste u.a. auch eine genaue Untersuchung der verabreichten Medikamente, ob z.B. die einmal verordneten Beruhigungs- oder Schlafmittel nicht auch abgesetzt werden können, sowie eine erhöhte Zufuhr an Vitamin D. Vitamin D bewirkt nicht nur eine bessere Mineralisierung der Knochen und beugt damit Osteoporose vor, sondern unterstützt auch den Muskelaufbau.

Deutlich weniger Stürze und Frakturen

Das Ergebnis: Innerhalb eines Jahres erlitten die Bewohner 19 Prozent weniger sturzbedingte Oberschenkelhalsfrakturen als noch in den Vorjahren. „Umgelegt bedeutet das für die 1.000 bayerischen Pflegeheime 1.500 Hüftfrakturen weniger in den letzten Jahren“, betont Becker, der schon seit 15 Jahren Studien zum Thema Sturzprävention im Alter durchführt.

Regelmäßige Bewegung

Für Becker und Rapp ist „regelmäßige Bewegung der Schlüssel zur Vermeidung von Stürzen“. Solche Stürze sind in vielen Fällen auf mangelnde Balance und geringe Kraft zurückführen. Um die eigene Kraft zu verbessern, empfehlen sie, zwei bis drei Mal pro Woche die entsprechenden Muskelgruppen trainieren. Dies kann mit dem eigenen Körpergewicht, freien Gewichten wie Manschetten oder Kurzhanteln, aber auch mit Geräten erfolgen, aber auch Tanzen oder Sportarten wie Qi Gong und Tai Chi sowie Übungen, die das Gleichgewicht herausfordern, zeigen Wirkung.  

Höchst dotierter Preis für Altersmedizin 

Der Theo-und-Friedl-Schöller-Forschungspreis für Altersmedizin wurde erstmals von der gleichnamigen Stiftung und dem Zentrum für Altersmedizin des Klinikums Nürnberg verliehen. Mit dem Preis werden herausragende Arbeiten ausgezeichnet, die sich mit den Belangen sehr alter Menschen befassen und neue Aspekte in Forschung, Lehre und Versorgung eröffnen. Mit einem Preisgeld von 20.000 Euro ist es der höchst dotierte Preis der Altersmedizin in Deutschland.

Einstimmige Jury-Entscheidung

Die Jury hatte die Auswahl aus 13 Bewerbungen. „Wir haben uns einstimmig für diese Arbeit entschieden, weil es den beiden Preisträgern gelungen ist,  ein Interventionsprogramm zur Sturzprävention gründlich auf seine Tauglichkeit zu überprüfen“, erläutert Prof. Frank Erbguth, Vorsitzender der Jury und Chefarzt für Neurologie im Klinikum Nürnberg. Rainer Hattenberger von der Theo und Friedl Schöller Stiftung begrüßt die Entscheidung der Jury, schließlich gehe es der Stiftung um die „Verbesserung der Situation sehr alter Menschen – ob zu Hause im Alltag oder im Krankenhaus“.                                                       

Autorin/Autor: Bernd Siegler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 
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