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Hoch dotierte Auszeichnung geht gleich an vier wissenschaftliche Arbeiten

Dr. Theo und Friedl Schöller-Preis 2021

Wie ergeht es älteren Menschen in der Pandemie? Wie können Patientin-nen und Patienten mit Demenz auch in kleineren Kliniken auf dem Land gut versorgt werden? Warum haben ältere Häftlinge ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken als Gleichaltrige in Freiheit? Und: Werden ältere Menschen in der Medizin sprachlich diskriminiert? Mit diesen Forschungs-fragen beschäftigen sich die diesjährigen Preisträger und Preisträgerinnen des Dr. Theo und Friedl Schöller-Preises.  Mit dem insgesamt mit 20.000 Euro dotierten Altersforschungspreis wurden 2021 gleich vier wissenschaft-liche Arbeiten ausgezeichnet. Erstmals wurden Preise in den Kategorien „Innovationspreis“ und „Sonderpreis: Ethik und Menschenrechte in der Altersmedizin“ vergeben. 

Der Schöller-Preis ist der am höchsten dotierte Preis, der in Deutschland auf dem Gebiet der Altersforschung vergeben wird. Er wird von der Theo und Friedl Schöller-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Altersmedizin im Klinikum

Nürnberg vergeben und prämiert herausragende wissenschaftliche Arbeiten in der Gerontologie. Das Ziel: Es sollen Projekte aus dem deutschsprachigen Raum geför-dert werden, die letztlich der Versorgung älterer Menschen zugutekommen. Auch in diesem Jahr hatte der wissenschaftliche Beirat die Qual der Wahl bei der Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger. „Alle Bewerbungen waren auf hohem Niveau“, sagt Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats und Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Nürnberg.

 

Am Ende entschied sich das Fachgremium dafür, den Preis gleichwertig auf vier For-schungsarbeiten aufzuteilen. Die Preisträger und Preisträgerinnen im Überblick:

  1. Dr. med. Carolin Miklitz und Dr. med. Christine Westerteicher von der Klinik für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsychiatrie am Universitätsklinikum Bonn gingen der Frage nach, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit und Lebensqualität von gerontopsychiatrischen Patienten und Patientinnen auswirkt. Die Ergebnisse sind deutlich: „Unsere Studie zeigte eine hohe psychische Belastung bei gerontopsychiat-rischen Patientinnen und Patienten während der Pandemie“, so Dr. Miklitz und Dr. Westerteicher. Jeder Zweite gab depressive Symptome an, rund ein Drittel berichtete von mindestens mittelgradigen Symptomen einer Angsterkrankung. 46,9 Prozent berichteten zudem von einer Zunahme der Einsamkeit, und 38,9 Prozent beklagten gewachsene Traurigkeit aufgrund der Corona-Krise. 48,8 Prozent stimmten der Aussage zu, dass ihnen die Pandemie Angst bereitet. Und mehr als die Hälfte machte sich Sorgen wegen eines möglichen schweren Krankheitsverlaufs. Die Autorinnen erfragten zudem, ob Interesse an weiterführenden Unterstützungsangeboten – zum Beispiel in digitaler Form – vorhanden ist. Sie schlussfolgern aus den Antworten, dass auch bei gerontopsychiatrischen Patientinnen und Patienten ein großes Potenzial für die Verwendung von digitalen Medien in der Behandlung besteht.

  2. Dr. med. Katrin Radenbach und PD Dr. Dr. med. Björn Schott von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen beschäftigten sich mit dem Thema „Demenz-Konsiliardienst für regionale Krankenhäuser – ein kombiniertes aufsuchendes und telemedizinisches Konzept“. Der Ausgangspunkt: Die medizinische und pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz stellt für Krankenhäuser im ländlichen Raum eine erhebliche Herausforderung dar, da kleinere Häuser oft nicht über spezialisierte Abteilungen verfügen. „Erschwerend kommt hinzu, dass insbesondere ländliche Regionen besonders stark vom demografischen Wandel betroffen sind und als Folge oft eine hohe Zahl von Patientinnen und Patienten mit Demenz zu versorgen haben“, so Dr. Radenbach und PD Dr. Dr. Schott. In ihrem Projekt widmeten sie sich der Verbesserung der Versor-gung von Menschen mit möglicher Demenz, indem an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen ein Konsiliardienst eingerichtet wurde. Es wurden Kooperationen mit umliegenden Krankenhäusern geschlossen. Die Konsiliarleistungen wurden sowohl vor Ort als auch telemedizinisch erbracht. Erste Ergebnisse zeigen, dass das duale Konzept von demenzspezifischen Konsilen und Fortbildungen erfolgreich etabliert werden konnte und das Potenzial hat, die Versorgung von Menschen mit Demenz in regionalen Krankenhäusern zu verbessern.

  3. Erstmals wurde außerdem ein Preis in der Kategorie „Innovation“ vergeben: Er geht an Dr. rer. nat. Sandra Verhülsdonk von der Abteilung für Gerontopsychiatrie des LVR-Klinikums Düsseldorf. Sie hat sich mit Störungen kognitiver Leistungsfähigkeit älterer Straftäter und Straftäterinnen im Strafvollzug befasst. Weil auch die Menschen hinter Gittern immer älter werden, nimmt die Studie diese in Deutschland weitestgehend unerforschte Gruppe in den Fokus. In insgesamt neun Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen wurden 116 Insassen im Alter von 53 bis 90 Jahren hinsichtlich Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und kognitiver Flexibilität untersucht. „Es fanden sich gehäuft Hinweise auf das Vorliegen von Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko assoziiert sind, an einer Demenz zu erkranken“, sagt Dr. Verhülsdonk. Die Gruppe der untersuchten Häftlinge zeigte sogar eine höhere Häufigkeit kognitiver Dysfunktion als gleichaltrige Menschen außerhalb des Strafvollzugs. Nach Ansicht der Studienautorin besteht ein dringender Bedarf, diagnostische Routinen ebenso wie Unterstützungs-Angebote für die Versorgung alternder Menschen im Strafvollzug und nach Haftende zu schaffen.

  4. Neu vergeben wurde auch der „Sonderpreis: Ethik und Menschenrechte in der Altersmedizin“: Er geht an Prof. Dr. med. Andreas Frewer, M.A. vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er befasste sich mit dem Thema „Ältere Menschen in der Sprache der Medizin: Ethische Fragen von Ausgrenzung und Ageism“ (Altersdiskrimierung). Die Forschung von Prof. Dr. med. Frewer thematisiert die ethischen Grundlagen der medizinischen Versorgung älterer Menschen. Die eingereichte Arbeit, eine qualitative Studie aus Sicht der Philosophie und Medical Humanities berührt den Kern der Versorgung und entspricht damit der ausgeschriebenen Thematik für den Schöller-Preis. „Wir möchten die Qualität der Versorgung Älterer verbessern. Die immer noch vorhandenen – latenten oder offenen – Formen von Altersdiskriminierung (Ageism) sind eine besondere Herausforderung für Medizin und Gesellschaft. Mit der ethischen und menschenrechtlichen Reflektion sowie ei-ner kritischen Offenlegung der sprachlichen Wurzeln von Stigmatisierung und Diskriminierung wird hoffentlich eine weitere Verbesserung im Gesundheitswesen möglich“, so Prof. Dr. med. Frewer, der auch ein Graduiertenkolleg zum Themenfeld leitet.

Nach Ansicht der Juroren und Jurorinnen handelt es sich bei allen vorgelegten Arbeiten um höchstrelevante wissenschaftliche Themen der Altersmedizin. Die ersten beiden widmen sich ganz unterschiedlichen Feldern der Versorgungssituation älterer Menschen. „Die beiden anderen Arbeiten berühren zum einen einen bislang vernachlässigten Bereich der Altersmedizin (im Strafvollzug) und zum anderen eine ethische Positionierung im Bereich der Diskriminierung und der Menschenrechte älterer Menschen“, lobt Prof. Dr. med. Erbguth.

Foto: Prof. Dr. med. Andreas Frewer (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. med. Christine Westerteicher (Klinik für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsychiatrie am Universitätsklinikum Bonn) und Prof. Dr. med. Frank Erbguth (Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats für die Verleihung des Schöller-Preises; von links)

Quelle: Giulia Iannicelli/Klinikum Nürnberg

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation Klinikum Nürnberg

 
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