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Opfer sexualisierter Gewalt können Spuren ab sofort vertraulich sichern lassen

Neue Anlaufstelle am Klinikum Nürnberg

Gewaltopfer stehen erst einmal unter Schock. Der Gang zur Polizei unmit-telbar nach einem sexuellen Übergriff fällt vielen nicht leicht; vor allem dann nicht, wenn der Täter aus dem eigenen Umfeld stammt. Dabei wäre es wichtig, Verletzungen so schnell wie möglich zu dokumentieren und Spuren unmittelbar nach der Tat zu sichern. Im Klinikum Nürnberg haben Opfer einer sexuellen Gewalttat ab sofort die Möglichkeit, Spuren eines Übergriffs vertraulich sichern zu lassen. Diese werden im Klinikum Nürn-berg aufbewahrt, sodass auch zu einem späteren Termin noch Anzeige er-stattet werden kann. Das Klinikum Nürnberg geht damit in Vorleistung, denn die Finanzierung ist noch nicht klar geregelt.
 
Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird laut Bundes-ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Auch die angezeigten Fälle von Kindesmissbrauch und Misshandlung Schutzbefoh-lener nehmen deutlich zu. Männer erleiden ebenso sexualisierte Gewalt.

Scham und Angst erschweren Gang zur Polizei

Bei allen Delikten ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, weil es Opfern oft schwerfällt, sich zu offenbaren. Scham und Angst vor der Lawine, die mit einer An-zeige losgetreten wird, erschweren den Gang zur Polizei. Für Gewaltopfer, die (noch) nicht zur Polizei gehen wollen, um Anzeige zu erstatten, will das Klinikum Nürnberg ab sofort eine niedrigschwellige Anlaufstelle sein: Hier können Opfer von sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung oder sexueller Nötigung entsprechende Verletzungen und Spuren, die bei der Tat hinterlassen wurden, vertraulich sichern und aufbewahren lassen.

Die vertrauliche Spurensicherung ermöglicht es Betroffenen, in Ruhe zu überlegen, ob und wann sie zur Polizei gehen wollen. Die Basis dafür ist eine bundesweit gel-tende gesetzliche Regelung, wonach Opfer einer sexuellen Gewalttat oder einer Misshandlung – gleich welchen Alters oder Geschlechts – das Recht auf eine ver-trauliche Spurensicherung haben.


Das Klinikum Nürnberg will Opfer sexueller Gewalt uneingeschränkt in medizinischer und forensischer Hinsicht unterstützen: „Ich bin froh, dass wir jetzt damit begin-nen“, sagt Roswitha Weidenhammer, die Gleichstellungsbeauftragte des Klinikums Nürnberg. Sie hat sich früh für die vertrauliche Spurensicherung starkgemacht und vertritt das Klinikum Nürnberg in einem entsprechenden Arbeitskreis der Stadt. Ähnlich äußert sich auch Gabriele Penzkofer-Röhrl, Mitglied des Verwaltungsrats des Klinikums Nürnberg und ehemalige Geschäftsführerin des Nürnberger Frauen-hauses. Sie hat sich ebenfalls für die vertrauliche Spurensicherung eingesetzt: „Die-ses Angebot ist wichtig. Denn manche Frauen schrecken davor zurück, sofort zur Polizei zu gehen, weil der Täter aus dem direkten Umfeld stammt oder weil sie Angst haben, dass ihnen nicht geglaubt wird.“

Mehrere Anlaufstellen am Klinikum Nürnberg
 
Mit der Sicherung von Spuren ist das Klinikum Nürnberg prinzipiell vertraut. Hier wurden auch bislang schon Spuren gesichert, doch nur dann, wenn Gewaltopfer in Begleitung der Polizei gekommen sind. Das ändert sich nun. Wer einem sexuellen Übergriff zum Opfer gefallen ist, kann alleine oder mit einer Begleitperson direkt in die Notaufnahmen an den Standorten Nord und Süd des Klinikums oder in die gynä-kologische oder urologische Ambulanz am Klinikum Nürnberg Nord kommen. Für Kinder und Jugendliche und deren Eltern beziehungsweise Vertreter ist die Kinder-klinik am Klinikum Nürnberg Süd die richtige Anlaufstelle.

Auf Wunsch des Opfers kann auch der psychosoziale Kriseninterventionsdienst hin-zugezogen werden. Bei Bedarf können auch Dolmetscher zum Einsatz kommen.

Nach einer Frist werden die Spuren vernichtet

Sichergestellte Spuren wie Hautpartikel, Haare oder Sperma werden fachgerecht asserviert. Fotos von Verletzungen – diese werden nur mit Einverständnis angefer-tigt – werden ebenfalls an einem sicheren Ort aufbewahrt. Alle Beweisstücke wer-den nur nach dem Eingang einer richterlichen Anordnung über die Beschlagnahme der Untersuchungsproben direkt an die Ermittlungsbehörden übergeben.

Die Spuren werden bei Erwachsenen maximal zwei Jahre lang verwahrt. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren werden die Spuren maximal fünf Jahre lang auf-bewahrt. Innerhalb dieses Zeitraums können sich Opfer überlegen, ob sie bei der Polizei doch noch Anzeige erstatten wollen. Nach Ablauf der Frist werden die Be-weisstücke automatisch ordnungsgemäß vernichtet.
 
Die Krankenkassen tragen die Kosten für die vertrauliche Spurensicherung, so will es der Gesetzgeber. Die Abrechnung erfolgt anonym, die Identität des Opfers wird gegenüber den Krankenkassen nicht preisgegeben. Der genaue Abrechnungsmodus mit den Krankenkassen (gesetzlich und privat) steht aber noch nicht fest. „Doch das Klinikum Nürnberg fühlt sich den Opfern von sexueller Gewalt verpflichtet und wird unabhängig davon die vertrauliche Spurensicherung gewährleisten“, sagt Prof. Dr. Achim Jockwig, Vorstandsvorsitzender des Klinikums Nürnberg. Für die Opfer ist die vertrauliche Spurensicherung in jedem Fall kostenfrei; unabhängig davon, ob und wie diese versichert sind.


Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation Klinikum Nürnberg

 
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