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Stress- und Burnout-Prophylaxe in der Pandemie: den Gefährdungspotenzialen auf der Spur

Internationale „Cope Corona“-Studie im Klinikum Nürnberg

Seit anderthalb Jahren beschäftigt uns die Corona-Pandemie. Besonders betroffen: Beschäftigte in Krankenhäusern, die den Kampf gegen das Virus hautnah miterleben. Wie empfinden Pflegende und Ärzte, aber auch die Kolleginnen und Kollegen aus Service, Technik und Verwaltung die Belastung? Wie gehen sie damit um, was tun sie, um die Krise zu bewältigen? Antworten auf Fragen wie diese erforscht das Klinikum Nürnberg seit Beginn der Pandemie im Rahmen einer international angelegten, wissenschaftlichen „Cope Corona“-Studie. Jetzt liegen die Ergebnisse der zweiten Befragung vor.

62 Fragen, 15 Minuten, alles anonym: So ist im Frühjahr die „Cope-Corona“-Studie gestartet. Um herauszufinden, wie Beschäftigte in Krankenhäusern die Corona-Pandemie erleben, hat die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter Leitung von Prof. Dr. Christiane Waller eine umfassende Studie aufgesetzt. Diese ist nicht nur in Nürnberg, sondern parallel auch bei kooperierenden Kliniken in der ganzen Welt angelaufen. Mit dabei: Krankenhäuser in Spanien, Andorra, Irland, Italien, Rumänien, Polen, Iran und China.

Verlässliche Grundlage für Burnout-Prophylaxe

„Wir möchten mit der Studie nicht nur den Grad der Belastung sowie die Stressfaktoren und Gefahrenpotenziale ermitteln, sondern vielmehr schauen, welche Faktoren als Abwehrkräfte fungieren“, erklärt Prof. Waller. „Unser Ziel ist es zu erfahren, wo wir unsere Kolleginnen und Kollegen stärken und unterstützen können, damit sie so gut wie möglich durch die Krise kommen.“ Privatdozent Dr. Markus Müller, Diplom-Psychologe im Team von Prof. Waller, hat die Entwicklung der Studie gemeinsam mit Dr. Barbara Stein, der Leitenden Psychologin, maßgeblich vorangetrieben. „Wir haben die Cope Corona-Studie als Längsschnittstudie mit drei Erhebungszeitpunkten aufgesetzt – der erste hat im Sommer 2020 stattgefunden, der zweite im Frühjahr dieses Jahres, der dritte folgt im Winter. So bilden wir die unterschiedlichen Entwicklungen in den Hoch- und Tiefphasen der Pandemie realistisch ab“, so Müller.

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Verdoppelte Teilnehmerzahl in Runde zwei

Die Resonanz auf die Studie ist erfreulich – und sie wächst. Haben bei der ersten Befragung knapp 2.100 Teilnehmer den Fragenkatalog ausgefüllt, hat sich die Teilnehmerzahl in Runde zwei mehr als verdoppelt. Insgesamt 4.240 Beschäftigte aus den teilnehmenden Kliniken, ein Viertel davon allein vom Klinikum Nürnberg, haben die Fragen beantwortet.

Die Ergebnisse für das Klinikum Nürnberg zeigen: Die Stressbelastung hat sich durch alle Bereiche moderat erhöht. Die Belastung stieg dabei für Befragte mit häufigem Kontakt zu COVID-19-Patienten und denen mit geringem Kontakt zu Risikopatienten gleichsam an. Das zeitweise Gefühl des Ausgebranntseins zeigte sich dagegen verstärkt bei Befragten mit häufigem Kontakt zu COVID-19 Patienten. 84 Prozent der Befragten gaben an, mit ausreichend Schutz-Equipment ausgestattet zu sein. Auch die Impfung wird eher positiv wahrgenommen: Zum Zeitpunkt der zweiten Erhebung waren 69 Prozent der Befragten bereits geimpft, von den nicht Geimpften waren etwas mehr als die Hälfte deutlich positiv gegenüber der Impfung eingestellt. Außerdem stimmten 81 Prozent der Aussage zu, vom Klinikum Nürnberg ausreichende Informationen zur sicheren Ausführung der Arbeit zu erhalten. Die Qualität der Teamarbeit fand mit 85 Prozent Zuspruch. Und auch in Sachen Vertrauen in die Vorgesetzten (66 Prozent Zuspruch) und bei teamübergreifender Kommunikation (65 Prozent Zuspruch) konnte die Studie mehrheitlich erfreuliche Ergebnisse erzielen. Das Klinikum Nürnberg werde auf Basis dieser Ergebnisse jetzt Maßnahmen erarbeiten, um diese Werte künftig noch zu verbessern, so Prof. Waller.

Anti-Stress-Faktoren gezielt trainieren

Des Weiteren hat die Studie wichtige Schutzfaktoren gegen Stressbelastung und Burnout ermittelt. Eine wesentliche Rolle für die seelische Gesundheit spielen für die Beschäftigten in Krankenhäusern die Fähigkeit zum Selbstmitgefühl, Resilienz, also die Widerstandskraft gegenüber Krisen und das Kohärenzerleben - das Gefühl von Bedeutsamkeit und Sinnhaftigkeit in der Tätigkeit. Neben diesen individuellen Faktoren, die gezielt trainiert werden können, tragen am Arbeitsplatz Wertschätzung und Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen sowie Verantwortungsübernahme ganz besonders dazu bei, auch in Krisenzeiten gesund zu bleiben. „Unser Ziel ist es, aus der Krise persönliches Wachstumspotenzial zu generieren und zu stärken, fasst Prof. Waller zusammen. „Die Pandemie ist ein einschneidendes Erlebnis. Sie hat offengelegt, an welchen Stellschrauben wir arbeiten müssen, aber auch, welche Stärken wir aufbringen können. Jetzt müssen wir die Chance nutzen, diese gemeinsam erlebten Erfahrungen in eine Kultur des Miteinanderteilens einfließen zu lassen.“

Besondere Belastungen im Pflegebereich

Monika Wolf kann die besondere Belastung durch COVID-19 aus eigener Erfahrung bestätigen. Die Pflegefachfrau war in der Hochphase der Pandemie auf einer der COVID-19-Stationen des Klinikums Nürnberg tätig. „Besonders belastend war zu Beginn die Sorge, sich zu infizieren und die eigene Familie anzustecken. Das hat sich durch die Impfung deutlich verbessert“, so die 40-Jährige. Positiv war für sie dagegen der starke Zusammenhalt im Team. „Wir haben gemerkt, dass wir stärker sind, als wir dachten.“ Diesen positiven Effekt der Krise bestätigt auch Andrea Nätscher, Pflegedienstleitung am Klinikum Nürnberg. „Auf den COVID-Stationen haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Kliniken zusammengearbeitet. Dadurch haben sich neue Teams gebildet und sich gegenseitig gestärkt. Ich bin sicher, dass dieser Zusammenhalt auch nach der Pandemie Früchte tragen wird.

Bilder:

Foto 1: Privatdozent Dr. Markus Müller, Prof. Dr. Christiane Waller, Monika Wolf und Andrea Nätscher (v. l.)

Foto 2: Monika Wolf war in der Hochphase der Pandemie auf einer COVID-19-Station im Einsatz. Aktuell nimmt die Pflegefachfrau an einem Trainingsprogramm für zukünftige Stationsleitungen teil.

Fotos: Giulia Iannicelli/Klinikum Nürnberg

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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