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Innovationspreis für Notaufnahme am Klinikum Nürnberg Süd

Springer Medizin zeichnet Interprofessionelles Projekt aus

Rund 64.000 Patientinnen und Patienten versorgt die Notaufnahme des Klinikums Nürnberg Süd im Jahr. Tendenz steigend. 2016 führten steigende Arbeitsbelastung und knappe Raumkapazitäten zu Beschwerden von Patienten und Kündigungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. In dem Projekt „Impulse für Quittendenker“ mit dem Studiengang Betriebswirtschaftslehre/Human Resources Management der Technischen Hochschule Nürnberg unter Leitung von Frau Prof. Dr. Sabine Brunner entwickelte das Team der Zentralen Notaufnahme daraufhin erfolgreich Lösungen. Dafür erhält es nun den Innovationspreis für Interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen 2021 des Springer Medizin Verlages.

Zusätzliche Pflegehelfer*innen; flache Hierarchien, Burnout-Prophylaxe für die Mitarbeiter*innen, ein Seelsorgeraum für Angehörige, ein neuer Kinderspielbereich und nicht zuletzt mehr Zeit und Raum für die Patienten durch Ausgliederung einer Bereitschaftspraxis: Die Liste dessen, was die Zentrale Notaufnahme am Klinikum Nürnberg Süd heute neu und anders macht, ist lang.

In einem „Ideencafé“ mit Studierenden des Masterstudiengangs Betriebswirtschaft/Human Resources Management der TH Nürnberg machte sich ein interprofessionelles Team 2016 auf, die Situation zu verbessern: Pflegefachkräfte, Internist*innen, Chirurg*innen, Neurolog*innen, Medizinische Fachangestellte, Seelsorge, Reinigungs- und Hausservice, Auszubildende, Pflegehelfer*innen, Verwaltungsfachkräfte und Notfallsanitäter*innen setzten sich gemeinsam an einen Tisch und erarbeiteten Vorschläge. Die wissenschaftliche Leitung übernahm Prof. Dr. Sabine Brunner, bis 2019 Professorin an der Fakultät Betriebswirtschaft der TH Nürnberg und mittlerweile an der FH Erfurt, die die Ergebnisse mit den Studierenden sammelte, evaluierte und aufbereitete.

Springer Innovationspreis klein
 

„Wir haben den Erfahrungsschatz von allen 70 Mitarbeitenden genutzt, um unsere Strukturen neu zu gestalten“, sagt Mirjam Häfner, stellvertretende pflegerische Stationsleitung der Notaufnahme am Klinikum Nürnberg Süd und Leiterin und Initiatorin des Projekts seitens des Klinikums. „Die Studierenden haben uns dabei wertvolle Impulse gegeben.“ Prof. Dr. Sabine Brunner sieht einen Gewinn für beide Seiten. „Die Studierenden haben unbedingt profitiert von den Einblicken, die sie in die Arbeit der Notaufnahme am Klinikum Nürnberg Süd erhalten haben. Für mich ist diese Verschränkung von Wissenschaft und Praxis die Zukunft.“

Flachere Hierarchien

Ein zentrales Anliegen waren flachere Hierarchien. „Es ist heute klar, dass wir uns gegenseitig unterstützen“, sagt Dr. Steffen Popp. „Wenn eine Ärztin viel zu tun hat, übernimmt zum Beispiel eine Medizinische Fachangestellte ungefragt die Blutabnahme. Aber auch umgekehrt: Ein Arzt ist sich nicht zu schade, mal die Urinflasche zu einem Patienten zu bringen.“

Eine deutliche Verbesserung brachte auch die Re-Organisation der Hintergrunddienste. „In der Regel machen das die Oberärzte. Bei uns übertrage ich den Assistenzärzten, die in notfallmedizinischen Skills zusätzlich ausgebildet werden, diese Verantwortung“, erläutert Dr. Popp. Das habe nicht nur ökonomische Gründe: „Meine Assistenten werden dadurch zunehmend besser. Und gut qualifizierte Ärzte tragen zur Stabilisierung des gesamten Teams bei“, betont Popp.

Wichtig waren dem Team auch die Patient*innen. So wurde in der Notaufnahme unter anderem ein Seelsorgeraum eingerichtet, der gut genutzt wird. „Wenn ein enger Verwandter schwer erkrankt oder verletzt eingeliefert wird, erfahren Angehörige hier seelische Unterstützung“, berichtet Diakon Wolfgang Kopp. „Die Patientenbeschwerden sind deutlich zurückgegangen“, betont Mirjam Häfner.

Seelsorge ist eingebunden

Auch für das soziale Miteinander in der Notaufnahme brachte das Projekt deutliche Verbesserungen. So wurde die Seelsorge mit einem 24-Stunden-Rufdienst und Burnout-Projekten ins Team eingebunden, um schwierige Situationen, wie sie durch die hohe Anzahl schwer erkrankter oder schwer verletzter Patienten immer wieder entstehen, abzufangen. Es gibt Teamevents und gemeinsame Fortbildungen. Mitarbeiter*innen, die krank oder in Elternzeit sind, werden regelmäßig auf dem Laufenden gehalten. „Das hat die Mannschaft nachhaltig gestärkt“, sagt Projektleiterin Häfner. „Hier will keiner mehr weg“, sagt Dr. Steffen Popp.

 „Das Team unserer Notaufnahme am Klinikum Nürnberg Süd hat in den vergangenen Jahren große Innovationskraft bewiesen. Wir freuen uns außerordentlich über die Auszeichnung“, betont Peter Schuh, Vorstand Personal und Patientenversorgung am Klinikum Nürnberg. Derzeit laufen die Planungen für die räumliche Erweiterung der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Nürnberg Süd, die eine der größten in Deutschland ist. Sie wurde'94 errichtet und stößt an ihre Kapazitätsgrenzen. „Das Projekt hat den Handlungsbedarf noch einmal bestätigt,“ sagt Peter Schuh.

„Die Zusammenarbeit zwischen der TH Nürnberg und dem Klinikum Nürnberg hat in dem interprofessionellen Projekt eine tolle praxisorientierte Anwendung gefunden. Wir arbeiten gemeinsam daran, dass die Kooperation zwischen Wissenschaft und praktischer Medizin im Rahmen der neu gegründeten Nürnberg School of Health in den nächsten Jahren noch intensiviert wird“, ergänzt Prof. Dr. Niels Oberbeck, Präsident der TH Nürnberg.

 Am Montag, 21. Juni, stellt das Team der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Nürnberg Süd das Projekt „Impulse für Quittendenker“ beim Interprofessionellen Gesundheitskongress von Springer Pflege und Medizin in einem kostenlosen Live-Webinar (www.gesundheitskongresse.de.) vor. Mit der Auszeichnung verbunden ist auch ein Preisgeld von 2000 Euro. Der Name des Projekts ist im Übrigen an die von Natur aus eher säuerliche Quitte angelehnt, die sich beim Kochen in eine schmackhafte süße Frucht verwandelt. 

Autorin/Autor: Unternehmenskommunikation

 
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