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Onlinebefragung Corona-Pandemie und Mediensucht

Medienkonsum bei 70 Prozent der Befragten während Lockdown gestiegen

Kochen, lesen, surfen, gamen – während des Lockdowns im Frühjahr wurden die Tage und Abende zuhause lang. Kein Wunder, dass der Konsum von Onlinemedien in April und Mai bei den meisten Menschen zugenommen hat, wie eine Onlinebefragung ergab. Doch ist damit auch die Zahl der Mediensüchtigen gestiegen? Und wie hat sich der Konsum von Alkohol und Zigaretten nach dem Lockdown weiterentwickelt? Diese Fragen soll nun eine zweite Onlinebefragung klären.

Als im Frühjahr der landesweite Lockdown das öffentliche Leben lahmlegte, fürchtete nicht nur die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Zunahme beim Alkoholkonsum und anderen Süchten. Wie sich der Lockdown auf den Konsum von Alkohol und Zigaretten sowie auf Verhaltenssüchte wie Medienkonsum und Kaufverhalten auswirkte, dieser Frage ging eine Onlinebefragung nach, die im April und Mai 2020 durchgeführt wurde.  

Die Onlinebefragung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Klinikum Nürnberg unter Leitung von Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher und der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim unter Leitung von Prof. Dr. Falk Kiefer förderte bereits einen erhöhten Tabak- und Alkoholkonsum zu Tage*.

Mediensucht
 

Männer und Frauen nutzten unterschiedliche Medien 

Inzwischen liegt auch die Auswertung zum Medienkonsum vor**. Das Ergebnis ist deutlich. Nach Selbstauskunft stieg bei 70 Prozent der Befragten der Konsum von Onlinemedien während des Lockdowns. Während bei den Männern vor allem die Nutzung von Gaming- und Erotikplattformen signifikant zunahm, verbrachten Frauen mehr Zeit mit Social Media, Internetrecherchen und Videostreaming. Bei den über 55-Jährigen nahm der Medienkonsum dagegen kaum zu. 3.245 Menschen zwischen 18 und 80 Jahren nahmen an der nicht-repräsentativen Befragung teil. 

Für die Forscher ist der steigende Medienkonsum eine logische Folge der sozialen Isolation der Menschen. „Die Menschen hatten während des Lockdowns einfach mehr Zeit dafür. Und sicherlich lenkte der Medienkonsum viele von ihnen von ihren Ängsten, Verunsicherungen oder dem Gefühl der Einsamkeit ab“, betont Prof. Hillemacher. Gerade bei den Menschen, die sich durch die Ausgangsbeschränkungen besonders gestresst fühlten, nahm der Medienkonsum zu. „Doch hinter dem gestiegenen Medienkonsum können sich auch psychische Probleme verbergen, die mit dem Ende des Lockdowns nicht einfach wieder verschwunden sind.“ 

Steigt mit dem Medienkonsum auch das Risiko einer Mediensucht? 

„Es ist aus unserer Sicht daher wichtig, dass sich alle im Gesundheitswesen Tätigen dessen bewusst sind und Patienten bereits bei den ersten Anzeichen eines übermäßigen Medienkonsums an Hilfsangebote weitervermitteln“, betont Prof. Kiefer. Vor allem bei jüngeren Menschen sollte man wachsam sein, da der Medienkonsum in dieser Altersgruppe besonders zugenommen hat. Im Vergleich dazu sind ältere Teilnehmer der Studie davon merklich weniger betroffen. 

Doch ist durch den vermehrten Medienkonsum das Risiko einer Mediensucht tatsächlich gestiegen? Oder konnten die Menschen ihren Medienkonsum nach dem Lockdown wieder herunterfahren? Und wie entwickelte sich der Alkohol- und Zigarettenkonsum nach dem Lockdown weiter? 

Neue Onlinebefragung gestartet 

„Auf diese Fragen gibt die Onlinebefragung vom Frühjahr leider keine Antwort“, bedauern Prof. Hillemacher und Prof. Kiefer. Um das Suchtrisiko in Folge einer so starken sozialen Isolierung beurteilen zu können, bedarf es einer Studie, die ein größeres Zeitfenster umfasst. Daher haben die beiden Forschungspartner, das Klinikum Nürnberg und das ZI Mannheim, eine weitere Onlinebefragung gestartet. 

Während die erste Befragung nach dem Konsum von Alkohol, Zigaretten und stoffungebundenen Süchten wie Medien- oder Kaufsucht in den Wochen des Lockdowns fragte, hat die nun folgende Studie die Veränderungen im gesamten Zeitraum seit Beginn der Pandemie im März 2020 im Blick. Durch gezielte Fragen sollen auch Veränderungen, die auf eine Suchtgefährdung hinweisen, erfasst werden. 

 

* https://www.aerzteblatt.de/archiv/214451/Alkohol-und-Rauchen-Die-COVID-19-Pandemie-als-idealer-Naehrboden-fuer-Suechte 

**Lemenager, T., Neissner, M., Georgiadou, E., Koopmann, A., Reinhard, I., Mueller, A., Kiefer, F., Hillemacher, T. Effects of COVID-19 Lockdown Restrictions on Online Media Consumption in Germany (under review / Veröffentlichung folgt)

Bildnachweis: Giulia Iannicelli

 

Autorin/Autor: Doris Strahler, Unternehmenskommunikation

 
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