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"Eine so hohe Zahl freier Betten ist medizinethisch nicht vertretbar"

Das Klinikum Nürnberg fährt wieder hoch

Die Allgemeinverfügung der Bayerischen Staatsregierung und die Empfehlung der Bundesregierung sehen vor, dass Krankenhäuser ihren Normalbetrieb Schritt für Schritt wieder hochfahren dürfen. Auch das Klinikum Nürnberg als eines der größten kommunalen Krankenhäuser Deutschlands geht diesen Schritt – mit kritischen Tönen für die in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verlangte Zahl an vorzuhaltenden Betten.

Ein Drittel aller verfügbaren Normalbetten und ein Viertel der Intensivbetten müssen demnach für Covid-19-Patienten jederzeit zur Verfügung stehen. Für das Klinikum Nürnberg heißt das: 47 Intensivbetten und knapp 400 Betten auf Normalstation müssen ständig freigehalten werden. Eine sehr hohe Zahl, die Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. med. Achim Jockwig durchaus kritisch sieht: „Wir wissen durch unseren engen Austausch mit Gesundheitsamt und Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) immer über das Infektionsgeschehen in der Region Bescheid. Und das bereits Tage oder sogar Wochen, bevor Covid-19-Patienten behandlungspflichtig werden. Innerhalb dieser Zeit können wir ohne Probleme die notwendigen Kapazitäten zur Verfügung stellen.“

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Flexibilität bereits bewiesen

Dass dies möglich ist, hat das Klinikum Nürnberg in den vergangenen acht Wochen bereits unter Beweis gestellt. Denn mit der Aufforderung von Bundesgesundheits-minister Jens Spahn vom 13 März, die Intensivkapazitäten deutlich zu erhöhen sowie alle elektiven, aus medizinischer Sicht nicht dringend notwendigen Behandlungen zu stoppen, reduzierte das Klinikum Nürnberg innerhalb kürzester Zeit die Belegung auf 50 Prozent.

Dies schuf Platz für die Behandlung von bislang 190 Patienten mit bestätigter Corona-Infektion und knapp 1.400 Verdachtsfällen im Klinikum Nord und Süd. 170 davon landeten auf den Intensivstationen. Damit wurden knapp 80 Prozent der intensivpflichtigen Covid-19-Patienten in Nürnberg im Klinikum Nürnberg medizinisch versorgt.

Besonders betroffen vom geforderten Herunterfahren des Klinikums waren Kliniken wie die von Prof. Dr. med. Hubert Stein, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Thorax- und Viszeralchirurgie*. „Buchstäblich über Nacht haben wir unsere Belegung halbiert. Wir haben Stationen geschlossen und Operationen verschoben“, so Stein über die Maßnahmen in seiner Klinik.

Die Patientensicherheit muss im Vordergrund stehen

Dass diese Einschränkungen jetzt gelockert werden, kommt vor allem den Patienten zu Gute, die jetzt, zum Teil noch verhalten und mit Angst vor Ansteckung, zum Teil mit hohem Leidensdruck in die Kliniken kommen. Schließlich haben sie in den acht Wochen auf oft wichtige Eingriffe und Behandlungen gewartet oder Gänge zum Arzt aus Sorge vor Ansteckung verschoben. Aus so manchem vorher planbaren Eingriff wurde dadurch sogar ein Notfall.

Nicht zuletzt dieser Umstand führt Jockwig zum Plädoyer für das Vorhalten von flexiblen Bettenzahlen für Covid-19-Patienten: „Wir haben auch eine Verpflichtung für die Patienten, die so lange auf ihre Behandlung gewartet haben. Für sie brauchen wir jetzt wieder mehr Behandlungskapazitäten. Wenn eine zweite Covid-19-Welle kommt, haben wir ausreichend Zeit, die Kapazitäten für COVID-19-Patienten wieder zu erhöhen. Jetzt so viele Betten freizuhalten, obwohl sie benötigt werden, ist medizinethisch nicht zu verantworten.“

Behandlungen im Krankenhaus sind sicher

Angst haben müssen alle Patienten, die jetzt als Notfall oder für geplante Behandlungen ins Klinikum Nürnberg kommen, nicht. Covid-19-Stationen sind vollkommen von allen anderen Stationen getrennt, das komplette Personal arbeitet ausschließlich entweder da oder dort. Besonders für alle Mitarbeiter in der Pflege und den Funktionsdiensten wie Radiologie oder ähnlichem bedeutet das großen Aufwand.

Viel Einsatzbereitschaft beim gesamten Personal

Deshalb freut sich Nadine Heym, Pflegedienstleitung mehrerer Kliniken, stellvertretend für alle anderen Pflegedienstleitungen über die hohe Motivation und die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter. „Der geordnete Umbau der Stationen sowie die Vorbereitung und Schulung der Mitarbeiter auf die neuen Aufgaben war für alle fordernd und intensiv. Ich danke meinen Mitarbeitern für ihre Bereitschaft und Flexibilität, sich auf die neue Situation – zum Teil Tag für Tag – neu einzustellen“, so Heym über das hohe Engagement.

Weiter äußert sie sich über die öffentliche Wertschätzung, die die Pflege jetzt gerade erfährt: „Das hat gutgetan. Jetzt muss dieses Bewusstsein für den Wert der Pflege dauerhaft in der Gesellschaft verankert werden.“

Hygiene weiterhin oberstes Gebot

Diese Verankerung in der Gesellschaft gilt auch für die grundlegenden Schutz- und Hygienemaßnahmen – im Klinikum und außerhalb. Prof. Dr. med. Jörg Steinmann, Chefarzt des Instituts für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie*, warnt deutlich vor zu viel Sorglosigkeit. Denn auch Menschen ohne jegliche Symptome können das Virus in sich tragen und verbreiten. „Die Basishygiene, Mund-Nasen-Schutz und auch das Social Distancing sollten dauerhaft beibehalten werden, solange es noch keine Impfung gibt“, macht Steinmann seinen Standpunkt deutlich.

Im Zuge der Öffnung des Klinikums für Besucher hofft er auf die Vernunft der Besucher und der Patienten. Steinmann spricht sich außerdem dafür aus, die Testungen auszuweiten, um auch eben diese asymptomatischen Patienten zu identifizieren. Das Infektionsgeschehen ließe sich so auf jeden Fall noch einfacher überwachen.

 *Universitätsklinik bzw. -institut der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

Foto: v.l.n.r. Prof. Hubert Stein, Prof. Achim Jockwig, Nadine Heym, Prof. Jörg Steinmann

Quelle: Rudi Ott, Klinikum Nürnberg

Autorin/Autor: Barbara Lager | Unternehmenskommunikation

 
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