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"Ein Meilenstein für das weitere Leben"

Ausbildung zum Pflegefachhelfer

Stolz halten 17 Absolventen, 12 Frauen und fünf Männer, ihr Abschlusszeugnis in Händen. Sie haben die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer am Centrum für Pflegeberufe des Klinikums Nürnberg erfolgreich absolviert und damit einen entscheidenden Schritt für ihre berufliche Entwicklung geschafft – trotz schwierigster Bedingungen wie Flucht und Sprachprobleme, schwierige Schullaufbahn oder Familienverhältnisse.

„Sie haben viel gelernt und viel geleistet und einen wichtigen Meilenstein für ihren weiteren Lebensweg geschafft“, lobt Schulleiterin Jessica Stadelmann die 17 frischgebackenen Pflegefachhelfer. 34 haben die Ausbildung vor einem Jahr begonnen, um einen sanften Einstieg in das Berufsfeld Pflege zu finden. Nach nur einem Jahr sollten die Kursteilnehmer startklar für den Berufsalltag sein. Dass nur die Hälfte ans Ziel gekommen ist, liegt, so Stadelmann, nicht nur an der anspruchsvollen Ausbildung, sondern auch an den meist schwierigen Startbedingungen, beispielsweise bei Ksanet Gebremeskel.

Flucht über das Mittelmeer

Die heute 21-Jährige hatte sich im Oktober 2015 ganz alleine auf den Weg von Senafe in Eritrea nach Europa gemacht. Die Mutter starb, als sie fünf Jahre alt war. Zusammen mit ihrem Vater und vier Brüdern lebte sie in der rund 7.000 Einwohner zählenden Marktstadt im Süden des Landes. Die ist bekannt für die Ruinen von Metera, die Felsenkirche und das Kloster von Debre Libanos aus dem 6. Jahrhundert. Doch Eritrea ist auch bekannt für Folter, außergerichtliche Hinrichtungen und unbefristete Zwangsarbeit. Täglich fliehen hunderte Eritreer vor dem diktatorischen Regime über die Grenze, darunter auch viele Kinder und Jugendliche.

Ksanet Gebremeskel hat es geschafft
 

Auch Ksanet Gebremsekel machte sich auf den Weg. „Ich war 17 Jahre alt und ganz alleine unterwegs“, berichtet sie. Über den Sudan führte ihre Flucht sie nach Libyen und von dort per Schiff auf die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Sizilien. Über Mailand ging es weiter nach Deutschland. Dort stellte sie den Asylantrag und erhielt eine Aufenthaltsberechtigung, die alle zwei Jahre erneuert werden muss.

Einstieg in die Krankenpflege

Sie nutzte die Zeit, lernte Deutsch, machte den Hauptschulabschluss und ein Freiwilliges Soziales Jahr und wollte unbedingt in die Krankenpflege. Den Einstieg dazu fand sie in der Ausbildung zum Pflegefachhelferin. Gebremeskel lernte die Grundpflege bei Menschen aller Altersgruppen im stationären und ambulanten Bereich, das Betten und Lagern, die Unterstützung der Patienten bei der Körperpflege und Nahrungsaufnahme, das Anwenden von Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sowie das Durchführen von einfachen ärztlichen Verordnungen.

Die Praktische Ausbildung erfolgte auf den Stationen im Klinikum Nürnberg. „Die Auszubildenden arbeiten von Anfang an im Livebetrieb und nehmen am Schichtdienst teil. Den Abschluss der Ausbildung bildet die Staatliche Prüfung, die in schriftlicher, mündlicher und praktischer Form durchgeführt wird“, betont Josef Andree, der die Klasse der Pflegefachhelfer geleitet hat. „Die Klasse war eine echt tolle Truppe, ich kann nur vor jedem Einzelnen den Hut ziehen, angesichts der Leistungen, die sie trotz unterschiedlichster Voraussetzungen vollbracht haben.“

Diskriminierungsfreies Krankenhaus

Noch eine weitere Absolventin des Kurses stammt aus Eritrea, je eine Schülerin kam aus Peru, Griechenland und den Philippinen und zwei Schüler sind aus Syrien. Einige von ihnen, darunter auch Ksanet Gebremeskel nutzen die Ausbildung zum Pflegefachhelfer als Sprungbrett in die dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger.

Das ist ganz im Sinne von Peter Schuh, Vorstand Personal und Patientenversorgung im Klinikum Nürnberg. „Machen Sie weiter, es stehen Ihnen alle Chancen offen“, gab er den Absolventen mit auf den Weg und erinnerte daran, dass das Klinikum Nürnberg ein „diskriminierungsfreies Krankenhaus“ ist. „Wir sind stolz darauf, Auszubildende und Beschäftigte aus vielen verschiedenen Nationen und kulturellen Prägungen bei uns zu haben“, sagt Schuh.

Keine Reise nach Eritrea möglich

Im Herbst wird nun Ksanet Gebremeskel die dreijährige Pflegausbildung beginnen. „Das ist ein Beruf mit Zukunft, und die Arbeit mit den Patienten macht mir viel Spaß“ sagt sie. In Deutschland fühlt sie sich gut aufgehoben, mit ihrem Freund hat sie eine kleine Wohnung bezogen. Da sie keinen Reisepass hat, und Flüchtlinge in Eritrea mit Repressalien rechnen müssen, wird sie aber auf absehbare Zeit ihre Brüder und ihren Vater nicht besuchen können: „Deutschland ist meine neue Heimat aber die Kultur in Eritrea vermisse ich doch sehr.“

Autorin/Autor: Bernd Siegler, Unternehmenskommunikation

 
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