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Computerspielsucht und Sexsucht als Krankheiten eingestuft

Patienten, Ärzte und Forschung profitieren von der Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Computerspielsucht und die Sexsucht als Krankheiten eingestuft. Ab 2022 werden sie im ICD, dem weltweit anerkannten Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen, geführt. Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher, Chefarzt der Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nürnberg begrüßt die Entscheidung. Patienten, Ärzte und Forschung werden gleichermaßen von dieser Definition als eigenständige und behandlungsbedürftige Krankheit profitieren, so seine Einschätzung.

Lange wurde weltweit darüber diskutiert, ob die Computerspielsucht und die Sexsucht von der WHO als eigenständige Krankheiten klassifiziert werden sollten. „Es mache aus gesunden Menschen per Definition Kranke“, so die Meinung vieler Kritiker.

Diese Einschätzung teilt Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Klinikum Nürnberg, nicht. Für ihn überwiegen eindeutig die Vorteile.

Prof. Dr. Thomas Hillemacher
 

 „Erstmals gibt es eine klare Definition dafür, wo die Sucht beginnt“, lobt er. So müssen für die Computerspielsucht nach dem WHO-Klassifikationssystem ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) drei Kriterien erfüllt sein: Kontrollverlust bei Häufigkeit und Dauer des Spielens, eine wachsende Priorität des Spielens gegenüber anderen Aktivitäten sowie das Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen.

Hillemacher erwartet, dass sich das Behandlungsangebot für diese Patientengruppe dadurch verbessern wird. Denn der ICD-Katalog unterstützt die Ärzte nicht nur bei der Diagnose, sondern die Krankenkassen nutzen ihn oft als Grundlage für Kostenübernahmen. Bisher konnten Betroffene nur dann klinisch behandelt werden, wenn sie neben der Computerspiel- oder Sexsucht an Depression oder einer anderen anerkannten Krankheit litten.   

„Auch auf die Forschung wird sich die ICD-Klassifizierung positiv auswirken“, hofft Hillemacher. Die Studien, die es bisher zu Verhaltenssüchten wie der Computerspielsucht (Gaming disorder) gibt, lieferten aufgrund unterschiedlicher Definitionen kaum vergleichbare Zahlen. Damit fehle auch eine fundierte wissenschaftliche Basis zur Einschätzung der klinischen und gesellschaftlichen Relevanz sowie zur Weiterentwicklung gezielter Therapieangebote. 

Während über Computerspielsucht oder die Internetsucht in der Öffentlichkeit wenigstens diskutiert gibt, wird die Sexsucht (Compulsive sexual behaviour disorder) bisher weitgehend tabuisiert. „Die Nutzung von Online-Pornografie und ein damit einhergehendes Suchtverhalten sind weit verbreitet, aber es wird nur wenig darüber geredet“, meint Hillemacher. 

Wie häufig Verhaltenssüchte wie die Computerspiel- oder Sexsucht sind, darüber gibt es bis heute nur Schätzungen. „Der Online-Markt verändert sich so schnell, dass jede Studie bei der Veröffentlichung partiell schon wieder veraltet ist.“ Doch Hillemacher rechnet, wie viele Experten weltweit, mit steigenden Patientenzahlen. 

Im Klinikum Nürnberg wurde Anfang 2018 eine spezialisierte Sprechstunde für Verhaltenssüchte eröffnet, die stark nachgefragt wird. „In die Sprechstunde kommen u.a. Menschen, die den größten Teil des Tages ihrer Computerspielsucht nachgehen und darüber ihr Leben weitgehend ruiniert haben“, so der Nürnberger Suchtexperte. Rund 34 Millionen Menschen in Deutschland spielen Computerspiele, allerdings spielt nur ein kleiner Teil von ihnen so exzessiv, dass man von einem süchtigen Verhalten sprechen kann. 

 

Foto: Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher

Quelle: Klinikum Nürnberg, Rudi Ott

Autorin/Autor: D. Strahler, Unternehmenskommunikation

 
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