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"Sprachbarrieren begegnen uns tagtäglich"

Pflegeinnovationen im Praxis-Test

Das Praxispflegezentrum Nürnberg (PPZ) will mit technischen Innovationen die Pflege besser machen. Dafür prüft es verschiedene Pflegetechnologien auf ihren praktischen Nutzen im Alltag. Das Klinikum Nürnberg erprobt als Kooperationspartner derzeit eine vielsprachige App, die die Kommunikation mit fremdsprachigen Patienten erleichtert. Nadine Heym (r.), Projektkoordinatorin und Pflegedienstleitung im Klinikum Nürnberg, und Dr. Christina Heiligensetzer vom Setzer Verlag wissen, worauf es bei der Umsetzung ankommt.

Das Projekt des Klinikum Nürnberg trägt den etwas sperrigen Titel „Einsatz einer polylingualen Kommunikations-App bei Patienten mit Sprachbarrieren“. Was ist das konkrete Ziel?

Heym: Wir haben als Klinikum Nürnberg zwei Zielsetzungen: Zum einen suchen wir nach einer adäquaten Lösung für Patienten mit Sprachbarrieren, die wir in der Praxis einsetzen können. Auf dem Markt gibt es bislang keine praktikablen Angebote. Da bietet uns unser Kooperationspartner – der Setzer-Verlag – die Möglichkeit, in digitaler Form Barrieren abzubauen.

 

Zum anderen wollen wir herauszufinden, welche Strukturen wir im Haus für den Einsatz digitaler Lösungen benötigen. Das PPZ gibt uns die Möglichkeit, in einem Test-Setting die Strukturen so aufzubauen, dass wir in Zukunft innovative Technik leichter implementieren können. Wichtig ist uns dabei Innovationen mit einem hohen Benefit für Patienten und Pflegekräften zu fördern.

Stoßen Sie im Arbeitsalltag regelmäßig auf Sprachbarrieren?

Heym: Das begegnet uns mehrmals täglich in unterschiedlichen Stärken. Dass wir uns kaum verständigen können, haben wir ein- bis zweimal am Tag. Eine solche Situation ist für beide Seiten unbefriedigend, weil in der Kommunikation „mit Händen und Füßen“ immer Informationen auf der Strecke bleiben.

Mit Hilfe einer multilingualen Sprach-App auf dem Tablet können wir Bedürfnisse von Patienten schneller identifizieren und somit den Pflegealltag unserer Mitarbeiter erleichtern.

Der Setzer Verlag ist Partner bei der praktischen Umsetzung des Projekts. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Nürnberg?

Heiligensetzer: Wir tauschen uns ständig über den aktuellen Stand aus. Schon in der Entstehungsphase haben wir gemeinsam richtige Themen und Bedürfnisse erörtert und eine Liste erstellt, welche Funktionen die App haben muss. Seitdem stehen wir in regelmäßigem Kontakt, lassen unsere jeweilige Erfahrung einfließen und arbeiten das Feedback ein.

Was sind die wesentlichen Anforderungen an die App?

Heiligensetzer: Wir arbeiten seit zehn Jahren an der Thematik, wie Kommunikation mit fremdsprachigen Menschen vereinfacht werden kann. Sei es anhand von Bildern oder mit kurzen mehrsprachigen Sätzen oder Begriffen. Zusätzlich kommt meine Berufserfahrung hinzu. Letztlich muss man alles zusammentragen. Das ist oft mühsam. Das Aufwändigste ist letztlich, alle Evaluationsstufen einzuhalten und immer wieder Rückmeldungen einzuarbeiten.

Wie viele Sprachen und Begriffe sind in der App enthalten?

Heiligensetzer: Wir erweitern ständig und sind momentan bei 20 Sprachen mit jeweils rund 500 Begriffen.

Die App arbeitet neben der sprachlichen Übersetzung auch mit Bildern. Was ist Vorteil?

Heiligensetzer: Unser Ansatz ist aus meiner Praxiserfahrung entstanden. Ich habe als Krankenschwester angefangen und später als Ärztin gearbeitet. Das heißt, ich habe die Pflegepraxis aus verschiedenen Blickwinkeln erlebt und dort die Vorteile der Bild-Kommunikation gesehen.

Zum einen übersetzen gängige Sprach-Apps medizinische Begriffe zum Teil falsch. Da wird etwa aus einer Reizblase schnell eine „schöne Blase“, also das genaue Gegenteil. Darum braucht es zertifizierte Übersetzer und medizinische Experten in der jeweiligen Zielsprache. Bilder leisten hier zusätzliche Sicherheit.

Zum anderen erleichtern Bilder oft den Einstieg in ein Gespräch. Es schafft vertrauen, wenn der Patient seine Sprache unter einem universell verständlichen Bild sieht. Wir benutzen mit Absicht kurze Begriffe, damit die Untertitel in beide Richtungen gehen. Es macht wenig Sinn, ein vorformulierte Frage in eine Richtung zu stellen und dann die Antwort nicht verstehen zu können. Hiervor schützen die Bilder. Außerdem ist durch die Bilder die Kommunikation in vielen Fällen auch für nicht-alphabetisierte Patienten offen.

Heym: Man muss auch bedenken, dass viele Sprachen wie auch das Deutsche unterschiedliche Dialekte haben. Wir sind in unserem Workshop von einer Migrationsreferentin darauf hingewiesen worden, dass Sprache nicht gleich Sprache ist. Da kommt es stark auf die Artikulation und die jeweilige Kultur an.

Wann geht die entwickelte App in die Erprobung?

Heym: Ende März 2019 bekommen wir die App in die Hand, die eigentliche, 5-monatige Testung startet dann im Spätfrühjahr.

 

Innovative Pflegetechnologien im Echtbetrieb

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Pflegepraxiszentrum Nürnberg (PPZ), an dem auch die Wilhelm-Löhe-Hochschule, das Forum MedTech-Pharma und das Institut für Rettungswesen, Notfall und Katastrophenmanagement (IREM) der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt beteiligt sind, startete vor einem Jahr. Das Klinikum Nürnberg ist neben der Diakonie Neuendettelsau und dem NürnbergStift einer der Hauptträger des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit knapp vier Millionen Euro geförderten Praxiszentrums zur Integration von Zukunftstechnologie in die Pflege.

Neben dem Projekt „Einsatz einer polylingualen Kommunikations-App bei Patienten mit Sprachbarrieren“ im Klinikum Nürnberg wird im NürnbergStift die Anwendung von „Virtual Reality“ für Senioren geprüft. Als drittes Projekt werden in Einrichtungen der Diakonie intelligente Sensor-Pflegpflaster in den Pflegealltag integriert als unterstützende Maßnahmen im Rahmen der Sturzerkennung und der Dekubitusprophylaxe.

Autorin/Autor: Daniel Voigt | Unternehmenskommunikation

 
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