Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> Pressemitteilungen >> Wenn kleine Kinder und ihre Eltern die Hilfe des Psychiaters brauchen

Wenn kleine Kinder und ihre Eltern die Hilfe des Psychiaters brauchen

Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Psychische Erkrankungen im frühen Kindheitsalter sind in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Selbst die medizinische Wissenschaft hat Krankheitsbilder wie Verhaltensauffälligkeiten, Verzögerungen in der Reife- und Sprachentwicklung oder Essstörungen im Vorschulalter bis vor zehn Jahren nicht systematisch untersucht. Obwohl solche Probleme die Eltern an ihre Belastungsgrenze bringen und dringend behandlungsbedürftig sind.

Bei der psychiatrischen Behandlung kommt es darauf an, dass die Kinder ein therapeutisches Setting finden, das speziell auf ihre altersspezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Im Klinikum Nürnberg Standort Süd gibt es seit zwei Jahren ein tagesklinisches Angebot der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter (KJP), das sich gezielt an Kinder im Alter von zweieinhalb Jahren bis zum Schuleintrittsalter richtet. Die jungen Patienten sind kommen täglich von 9 bis 14 Uhr in die Klinik, verbringen aber die Abende und Nächte zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld. Die Gruppe bietet Platz für drei bis vier Teilnehmer.

Enge Einbeziehung der Eltern

 

„In der Tagesklinik haben wir die Möglichkeit, Therapie und Alltag besser zu verzahnen, indem wir die Eltern intensiv mit einbeziehen“, erklärt Dr. Andreas Beck (r.), Oberarzt der KJP-Tagesklinik im Standort Süd. Bei sehr kleinen Kindern sind die Eltern fünfmal die Woche die gesamte Zeit mit in der Klinik, ab dem Kindergartenalter zweimal pro Woche. „Zusätzlich können wir durch Kontakte etwa zum Kindergarten entwickelte Therapiemethoden sofort unter Realbedingungen erproben und anpassen.“ Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zu anderen Fachrichtungen des Klinikums, wie Sprachtherapie und Motoriktraining.

Strukturierter Tagesablauf

Der Tag startet in der KJP-Tagesklinik immer mit einem gemeinsamen Frühstück in der Gruppe. Als Jennifer Börner (m.) das erste Mal mit ihrer Tochter daran teilnahm, traute sie ihren Augen kaum: Das 3,5-jährige Mädchen langte nach Herzenslust zu. Daheim verweigerte sie seit über zwei Jahren fast jede Nahrung, war inzwischen deutlich unterernährt. „Wir hatten sie zuvor auf organische Ursachen untersuchen lassen und alles versucht, was uns einfiel. Ich war den ganzen Tag beschäftigt, ihr Bananen, Jogurts und anderes Essen anzubieten“, erzählt die Mutter. „Bis ich auf die Tagesklinik im Klinikum aufmerksam geworden bin.“

Der Weg in die Tagesklinik führt meist über niedergelassene Kinderärzte, Kinderkliniken oder die benachbarte Mutter-Kind-Tagesklinik im Klinikum Nürnberg unter Leitung von Dr. Susanne Simen. Nach einem ersten Gespräch werden Behandlungsziele definiert und die Aufnahme vereinbart.

Stabile Eltern-Kind-Beziehung ist Therapieziel

Da schon die veränderte Atmosphäre die Nahrungsverweigerung minderte, fanden Dr. Beck und seine Mitarbeiter bei Jennifer Börners Tochter bald einen Therapieansatz. Das Mädchen fühlte sich mit zwei jüngeren Geschwistern oft vernachlässigt. Unterbewusst suchte sie sich ein Verhalten, das ihr Aufmerksamkeit garantierte. Die Sorge der Mutter bestätigte wiederum das dysfunktionale Verhalten. So entstand für Familie Börner ein Teufelskreis.

Entsprechend ist die Lösung, exklusive gemeinsame Zeit zwischen Mutter und Tochter zu etablieren. Jennifer Börner ist jetzt beim Spielen ganz bei ihr, geht allein mit ihrer Tochter schwimmen. „Das Herstellen einer stabilen Eltern-Kind-Beziehung ist der Kern fast jeder Therapie“, meint auch Angela Fruck (l.), Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in der Tagesklinik. „Ich versuche immer den Druck rauszunehmen und den Fokus auf die positiven Aspekte zu lenken.“

Außerdem achten die Ärzte, Pflegekräfte und Erzieher in der Tagesklinik auf einen strukturierten Tagesablauf, bei dem die jungen Patienten aber auch ein Mitspracherecht haben, etwa ob sie Lust auf Sport oder Aktivitäten im Freien haben. „Rituale wie feste Essenszeiten oder ein täglicher Tischspruch geben Kindern Orientierung“, sagt Fruck. Weitere Therapiebausteine sind viel Bewegung und ein individuelles Fördern: „Introvertierten Kindern schaffen wir Räume, sich durchzusetzen. Andere Kinder brauchen eher Grenzen aufgezeigt, dass es auch mal nicht nach ihrem Willen geht.“

So kann die Gruppe für kleine Kinder in der KJP-Tagesklinik im Klinikum Nürnberg Standort Süd gemeinsam mit den Eltern der betroffenen Kinder viele psychische Störungen behandeln und Entwicklungsverzögerungen aufholen helfen. Die Tochter von Jennifer Börner etwa aß nach dem 8-wöchigen Klinikaufenthalt auch daheim wieder normal. Oberarzt Beck betont aber auch: „Wir sind kein Reparaturbetrieb, wo man sein Kind abgibt und es ohne eigenes Zutun gesund wiederbekommt. Die Behandlung erfordert viel Engagement und Anstrengung aller Beteiligten.“

Autorin/Autor: Daniel Voigt | Unternehmenskommunikation

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen
Bitte spenden sie
AbstandhalterMarke Stadt Nürnberg

Übersicht

Aktuelles

Unternehmen

Bildung

Partner

Service

Zentren