Jede Stunde zählt

Neue Richtlinien zur Behandlung von Sepsis

Im Volksmund gilt sie immer noch als „Blutvergiftung“ mit einem roten Streifen am Arm. Tatsächlich ist die Sepsis weit mehr: Eine komplette systemische Entzündung, die ausgehend von einem lokalen Entzündungsherd ganze Organe schädigen und im schlimmsten Fall zum Multiorganversagen führen kann. Neben Herzinfarkten und Schlaganfällen gilt die Sepsis als „die“ Krankheit in der Intensivmedizin – und nach wie vor als unterschätzt.

Das liegt vor allem auch daran, dass es keine eindeutigen Symptome gibt, die auf das Krankheitsbild hinweisen. Eine Kombination aus Schüttelfrost, Fieber, einem extremen Krankheitsgefühl, Schläfrigkeit und schwerer Atmung deutet auf eine Sepsis hin. Im Zweifel sollte ein Arzt aufgesucht werden, denn bei der Therapie einer Sepsis ist Zeit ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Je früher eine Sepsis erkannt wird, umso eher kann sie auch behandelt werden. Und mit jeder Stunde sinkt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung um sieben Prozent. In Deutschland tritt die Krankheit rund 280.000 Mal im Jahr auf, mehr als 24 Prozent der Fälle verlaufen tödlich.

Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen

Ein großes Anliegen des Klinikums Nürnberg ist es daher rund um den Welt-Sepsis-Tag am 13. September die Bevölkerung für die Krankheit zu sensibilisieren. Die beiden großen Intensivstationen an den Standorten im Norden und Süden der Stadt engagieren sich daher für ein breites Bewusstsein in der Bevölkerung und beim ärztlichen Personal.

„Die Zahl der älteren Patienten mit Vorerkrankungen steigt, daher ist auch die Sepsis auf dem Vormarsch“, erklärt Prof. Dr. Stefan John (l.), Oberarzt der Klinik für Innere Medizin 8, Schwerpunkt Kardiologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und Leiter der Abteilung interdisziplinäre Intensivmedizin im Klinikum Nürnberg Süd.

 

In 50 Prozent der Fälle ist eine Lungenentzündung der Ausgangspunkt für die Erkrankung. Die für die Entzündung verantwortlichen Erreger gelangen über die Lymphen in großer Zahl in die Blutbahn und lösen im gesamten Körper eine Entzündungsreaktion aus.

Maßnahmenbündel in der Therapie

Im schlimmsten Fall kommt es zum septischen Schock. Dabei versagen mehrere Organe, das Herz-Kreislauf-System kommt zum Erliegen, und der Blutdruck fällt schlagartig ab. Die einzige Chance für den Patienten ist dann eine umfassende Behandlung auf der Intensivstation. „Wir behandeln die Sepsis mit einem Maßnahmenbündel und beginnen gemäß den Richtlinien innerhalb der ersten Stunde. Bei einem Herzinfarkt wartet man ja auch nicht erst fünf Stunden ab“, unterstreicht Dr. Arnim Thorsten Geise (m.), Oberarzt der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität und Bereichsleitung Intensivmedizin im Klinikum Nürnberg Nord nochmals die Bedeutung des Zeitfaktors.

Wichtig für eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit sei auch, über die passende Infrastruktur und ein entsprechendes Qualifikationsniveau beim Behandlungsteam zu verfügen. Geise: „Für den Erfolg der komplexen Therapie braucht es eine hohe Expertise im Rettungsdienst, in der Notaufnahme und auf den Intensivstationen.“ In einem Haus der höchsten Versorgungsstufe wie dem Klinikum Nürnberg sind Patienten daher am besten aufgehoben.

Antibiotika individuell dosiert

Besondere Risikogruppen, an einer Sepsis zu erkranken, seien Kinder, Ältere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Auch bei Rauchern, Diabetikern oder Patienten, die Kortison einnehmen oder sich einer Chemotherapie unterziehen müssen ist das Risiko für eine Sepsis erhöht. „Aber auch junge, gesunde Menschen kann es treffen, wenn eine Infektion nicht oder nicht ausreichend behandelt wird“, warnt Geise.

Um die richtige Dosierung der Antibiotika kümmert sich im Klinikum Nürnberg Dr. Rainer Höhl (r.), Anästhesist und Oberarzt im Institut für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie, Universitätsinstitut der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, und Bereichsleitung Antimicrobial Stewardship (AMS). In Kooperation mit dem Heroldsberger Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) misst er bei kritischen Patienten tagesaktuell mehrfach die Wirkstoffkonzentration im Blut, um die Dosis an Antiinfektiva individuell einzustellen.

Bei der Therapie komme es darauf an, das richtige Antibiotikum zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosierung zu verabreichen, so Höhl. Dabei sei es wichtig, eine ausreichende Dosierung möglichst kurz anzuwenden. Von der gängigen Praxis einiger Patienten sich von einem Arzt bei einer Erkältungskrankheit Antibiotika verschreiben zu lassen, hält Höhl nichts: „Bei 99 Prozent der grippalen Infekte hilft ein Antibiotikum gar nicht weiter, da es sich um eine virale Erkrankung handelt. Antiobiotika sollten generell nur in Abstimmung mit Experten eingenommen werden, damit man keine Resistenzen hervorruft und diese Waffe irgendwann stumpf wird.“ 

Autorin/Autor: Michael Öchsler | Unternehmenskommunikation

 
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