Krebs hält sich nicht an Organgrenzen

Interdisziplinäres Onkologisches Zentrum (IOZ) im Klinikum Nürnberg

Die Diagnose Krebs ist für viele ein harter Schlag. Liegen schon Metastasen vor, erscheint die Lage oft hoffnungslos. Dank modernster Diagnostik und Therapie sind jedoch Heilungschancen und Lebenserwartung in den letzten Jahren deutlich gestiegen, selbst wenn der Krebs schon gestreut hat.

Voraussetzung für diesen erfolgreichen Kampf gegen Krebs ist die enge fachübergreifende Zusammenarbeit und die Bündelung der Expertise aller Spezialisten. Denn gerade bei der Behandlung von Metastasen, bei Organ übergreifenden und systemischen Krebserkrankungen kommt es auf eine individualisierte Therapie an, die an den Grenzen der Organzentren wie z.B. das Brustkrebs- oder das Darmkrebszentrum nicht Halt macht. 

Interdisziplinär: Krebstherapie im Onkologischen Zentrum 

Im Klinikum Nürnberg werden pro Jahr mehr als 15.000 Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichsten Krebserkrankungen stationär behandelt. Das Interdisziplinäre Onkologische Zentrum (IOZ) im Klinikum Nürnberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die fachübergreifende Kooperation für alle Tumorerkrankungen weiter auszubauen. Bereits 2006 ging das IOZ, dessen Struktur- und Prozessqualität alljährlich von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) überprüft wird, als übergreifende Einheit der interdisziplinären Krebstherapie an den Start. 

Prof. Dr. Joachim Ficker, Prof. Dr. Martin Wilhelm, Prof. Dr. Cosima Brucker, Dr. Clemens Albrecht, Prof. Dr. Erwin Schultz
 

Inzwischen bündelt es erfolgreich das Fachwissen aller onkologischen tätigen Kliniken und Institute sowie aller Organzentren im Klinikum Nürnberg. „Zehn interdisziplinäre Tumorkonferenzen, die so genannten Tumorboards, bilden den Eckpfeiler der Krebstherapie“, berichtet Prof. Dr. Martin Wilhelm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 5, Schwerpunkt Onkologie / Hämatologie*, Klinikum Nürnberg. Das Ergebnis ist eine individualisierte Therapie nach dem Konsensprinzip. 

Krebstherapie: fachübergreifend, innovativ, individualisiert 

In den letzten Jahren hat sich in der Krebstherapie viel getan. Neue und bessere Medikamente und Therapieansätze erweitern das Behandlungsspektrum und bieten neue Chancen auf Heilung bzw. Lebensverlängerung. 

Viele dieser Therapien sind so spezialisiert, dass sie nur für einen kleinen Prozentsatz von Krebskranken in Frage kommen. „Das kann ein Arzt oder auch eine Fachdisziplin allein gar nicht mehr alles wissen“, betont Dr. Clemens Albrecht, Leiter des interdisziplinären Onkologischen Zentrums im Klinikum Nürnberg sowie der Gemeinschaftspraxis für Strahlentherapie. Selbst etablierte interdisziplinäre Organzentren wie z.B. Brustzentrum, Lungentumorzentrum, Hauttumorzentrum, Darmkrebs- und Pankreaskarzinomzentrum kommen angesichts der wachsenden Komplexität in Diagnostik und Therapie immer häufiger an die Grenzen ihres Fachgebietes.  

Wie facettenreich sich die moderne Krebstherapie präsentiert, erläutert Prof. Dr. Joachim Ficker, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie*, Klinikum Nürnberg, am Beispiel von genetischen Veränderungen bei Lungenkrebs. „Uns sind heute sogenannte Treibermutationen bekannt, die bei weniger als einem Prozent der Lungenkrebspatienten auftreten. Die hochspezialisierte, lebensverlängernde Therapie für diese Patienten kann nur ein Experte leisten.“ Auch die Teilnahme an klinischen Forschungsstudien spiele eine zentrale Rolle. So könnten z.B. seltene Erkrankungen oft mit Substanzen, die zunächst nur im Rahmen von Studien zugelassen sind, gezielt behandelt werden. 

Prof. Dr. Cosima Brucker, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe*, Klinikum Nürnberg, sieht viele ältere oder betagte Patientinnen, bei denen im Verlauf der Brustkrebserkrankung der Tumor in andere Organe gestreut hat, oder bei denen zusätzlich eine weitere Krebsart auftritt. „Hier ziehen wir nicht nur den Spezialisten aus dem jeweiligen Fachgebiet hinzu, sondern holen bei Bedarf auch den Geriater.“ Denn gerade bei alten und multimorbiden Patienten müsse berücksichtigt werden, wie viel Therapie man ihnen überhaupt zumuten könne und dürfe. 

Auch bei der Therapie des Melanoms gab es richtungsweisende Entwicklungen. „Bis 2011 hatten wir für Patienten mit einem Melanom, das gestreut hat, keinerlei wirkungsvolle Therapieoptionen“, berichtet Prof. Dr. Erwin Schultz, Chefarzt der Klinik für Dermatologie*, Klinikum Nürnberg. Heute dagegen stünden eine Reihe neuer Medikamente zur Verfügung, die zumindest eine deutliche Lebensverlängerung ermöglichen. Krebs wird mehr und mehr zu einer chronischen Krankheit. 

IOZ: „Herzkammer der Krebstherapie“ 

Ein Baustein dafür ist die sogenannte Immuntherapie, bei der das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs gezielt aktiviert wird. Hier kam der Therapie gegen den Hautkrebs eine Vorreiterrolle zu. Heute kommt die Immuntherapie zunehmend auch bei anderen Krebsarten zum Einsatz. „Hier ist unsere über die letzten Jahre gewonnene Expertise gefragt“, so Schultz. Denn nicht jeder Patient spricht auf die Behandlung gleichermaßen an, da braucht es viel Erfahrung seitens der Therapeuten, die richtige Therapie zu finden. 

Das IOZ ist das Dach, unter dem sich die Krebsspezialisten im Klinikum Nürnberg bei Diagnostik und Therapie eng abstimmen. „Es ist die Herzkammer der Krebstherapie“, bringt es Schultz auf den Punkt. Dass sich dieser intensive Einsatz lohnt, zeigt die Krebsstatistik. Zwar nehmen die Krebserkrankungen laut Hochrechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) alterungsbedingt weiterhin zu – bis 2015 um 16 Prozent bei Männern und um 12 Prozent bei Frauen. Auf der anderen Seite ist die Tumorsterblichkeit von 2012 bis 2018 laut aktueller Hochrechnung um zehn Prozent gesunken. 

*Universitätskliniken der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

 

Autorin/Autor: D. Strahler, Unternehmenskommunikation

 
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