Depressionen und Ängste im Sport

Neue Sprechstunde Sportpsychiatrie für Leistungssportler

Spätestens seit dem Selbstmord des Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke im November 2009 sind Depressionen und Ängste im Leistungssport keine Tabuthemen mehr. Zuletzt hatte Fußball-Nationalspieler Per Mertesacker sich im Spiegel geoutet, dass er an Spieltagen körperlich mit Brechreiz und Durchfall auf den Druck reagiert und die Angst vor einem Fehler als unmenschlich empfunden habe.

Leistungssport und auch ambitionierter Freizeitsport setzen bei den Athleten ein sehr hohes Maß an Belastbarkeit, körperlicher Fitness sowie mentaler Gesundheit voraus. Die besonderen Anforderungen in Training und Wettkampf sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche können aber auf Dauer auch ein Risiko für die seelische Gesundheit darstellen.

Sprechstunde für Leistungssportler ab dem 18. Lebensjahr

Leistungssportler brauchen daher für alle Bereiche der körperlichen und der psychischen Gesundheit kompetente Ansprechpartner, die in der Behandlung die Besonderheiten des Leistungssports kennen und entsprechend berücksichtigen. Mit einer sportpsychiatrischen Sprechstunde etabliert das Klinikum Nürnberg nun ein ambulantes Angebot für Leistungssportler ab dem 18. Lebensjahr.

Dr. Katharina Hösl (li.) und Dr. Bernd Langenstein (re.)
 

„Leistungssportler richten ihr ganzes Leben auf den Sport aus, für Freunde und Hobbies, Entspannen und Feiern im Freundeskreis bleibt ihnen kaum Zeit“, berichtet Dr. med. Katharina Hösl, die Leitende Oberärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg und Leiterin der sportpsychiatrischen Sprechstunde. Diese Konzentration auf den Sport mache sie anfällig für psychische Erkrankungen in Krisensituationen. „Verletzungen sind oft der Auslöser von Depressionen und Angststörungen, weil dadurch plötzlich der Kern des eigenen Lebens bedroht ist.“

„Medikamente dürfen nicht müde machen“

Auch an die Therapie stellen Leistungssportler besondere Anforderungen. So unterliegen sie häufig einem eng getakteten Zeitplan. „Danach muss ich meine Therapiestunden richten“, betont Hösl. Auch die medikamentöse Therapie will genau überlegt sein. „Die eingesetzten Medikamente dürfen nicht müde machen oder zu einer Gewichtszunahme führen.“ Es muss zudem geprüft werden, ob die enthaltenen Substanzen als unerlaubte Dopingmittel gelten.

Doch nicht nur Profisportler sind dem Druck, ständig Höchstleistung abrufen zu müssen, nicht immer gewachsen. „Ich begegne auch Nachwuchsspielern und ambitionierten Freizeitsportlern, die mit psychischen Problemen auf die hohen Belastungen im Training und im Wettkampf reagieren“, erläutert Dr. med Bernd Langenstein, ärztlicher Leiter des Instituts für Sportmedizin und Oberarzt der Klinik für Innere Medizin 6, Schwerpunkte Gastroenterologie, Endokrinologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, im Klinikum Nürnberg.

Bei der Leistungsdiagnostik im Institut für Sportmedizin lernt er viele Profi-, Nachwuchs- oder Freizeitsportler kennen. Dabei kommt es immer wieder einmal vor, dass psychische Probleme angesprochen werden. „Gerade junge Nachwuchssportler stehen oft unter dem Druck, neben Training und Wettkämpfen auch noch ihr Schul- oder Ausbildungspensum zu schaffen und einen guten Abschluss hinzulegen“, so Langenstein.

Exakte Zahlen zur Häufigkeit von Depressionen und Angststörungen im Sport gibt es nicht. Viele Sportler reden nicht über ihre Probleme, auch wenn sich in den letzten Jahren einiges geändert hat. „Die Dunkelziffer ist hoch, aber das traurige Schicksal von Robert Enke oder das öffentliche Bekenntnis des FC Bayern-Spielers Sebastian Deisler zu seiner Depression haben viele wachgerüttelt“, beobachtet Hösl.

 

Autorin/Autor: D. Strahler, Unternehmenskommunikation

 
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